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Das hoch pathogene Vogelgrippe-Virus H5N1 hat verheerende Auswirkungen auf Geflügelbestände in zahlreichen Regionen Asiens gehabt. In Südostasien sind an der Vogelgrippe seit 2003 mehr als 60 Menschen gestorben. Noch bevor die Vogelgrippe im Oktober 2005 Europa erreichte, schlossen sich die Kommission und die Mitgliedstaaten dem weltweiten Rennen gegen die Zeit an, um die Krankheit, welche die erste Pandemie des 21. Jahrhunderts auslösen könnte, zu bekämpfen.
Vogelgrippe
‚Aviäre Influenza’ (AI, oder Vogelgrippe) ist eine ansteckende Virusinfektion, welche erstmals im frühen 20. Jahrhundert in Italien nachgewiesen wurde. Die Krankheit tritt weltweit auf und alle Vögel sind für diese Infektion anfällig. Zugvögel, insbesondere Wildenten, sind das natürliche Reservoir des Vogelgrippevirus und insbesondere Geflügelbestände sind anfällig für diese Infektion, welche schnell in einer Epidemie enden kann. In der EU gab es in Italien (1999-2000) und den Niederlanden Ausbrüche der hochgradig pathogenen Vogelgrippe H7N7, sowie kleinere Vorfälle in Belgien und Deutschland (2003).
H5N1 ist ein hochgradig pathogener Vogelgrippestamm, welcher eine schwerwiegende Erkrankung mit hoher Sterberate (bis zu 100%) auslöst. Jegliches Ausbrechen einer Erkrankung muss der Weltorganisation für Tiergesundheit ( OIE ) gemeldet werden.
Von der Vogelgrippe zur menschlichen Grippeepidemie
Bisher waren Menschen
von dem Vogelgrippevirus kaum betroffen, eine Infektion mit dem pathogenen Virus könnte aber fatale Auswirkungen haben. Vereinzelte Mensch-zu-Mensch-Übertragungen des H5N1-Virus traten in Verbindung mit dem Ausbruch der Krankheit bei Geflügel auf. Jede Übertragung auf einen Menschen ermöglicht es dem Virus seine generelle Übertragbarkeit auf den Menschen zu verbessern und sich auf diese Weise in einen pandemischen Virus zu entwickeln. Daher ist ihre Bekämpfung und Ausrottung von größter Wichtigkeit.
Da Grippeviren einfach mutieren und Genmaterial austauschen sobald zwei verschiedene Grippeviren ein einzelnes Tier infizieren, sind die Befürchtungen zurzeit sehr hoch, dass sich ein normales menschliches Grippevirus mit dem Vogelgrippevirus H5N1 genetisch vermischen könnte und auf diese Weise ein neues tödliches Grippevirus entstehen könnte.
Grippe-Epidemien
Grippe-Pandemien treten durchschnittlich drei bis vier Mal in einem Jahrhundert auf, der genaue Zeitpunkt und Ort sind allerdings nicht vorhersagbar. Im 20. Jahrhundert war dies die (Spanische) Grippepandemie von 1918-1919 mit weltweit 50 Millionen Toten, gefolgt von den Pandemien in 1957-1958 und 1968-1969. Experten warnen, dass eine weitere Grippe-Pandemie unvermeidlich ist und wahrscheinlich unmittelbar bevorsteht.
Schutzmaßnahmen
Die Kommission empfiehlt den Mitgliedstaaten der EU antivirale Medikamente zu lagern, die biologische Sicherheit (vor allemdie Hygiene) auf Geflügelfarmen zu erhöhen sowie dafür zu sorgen, dass es zu keinem Kontakt zwischen Haus- und Nutzgeflügel und Wildvögeln kommt.
Die Kommission unterstützt die Empfehlungen
der Weltgesundheitsorganisation (WHO), ein Viertel der Bevölkerung und drei Viertel der Risikogruppe (Senioren, Kinder und Menschen mit chronischen Krankheiten) gegen die saisonale Grippe zu impfen.
Anfang 2006 wird die WHO eine Spende bestehend aus antiviralen Medikamenten von der Industrie erhalten. Dieser Bestand wird für 3 Millionen Behandlungen ausreichen und könnte als Präventivmaßnahme in der Nähe der Orte eingesetzt werden, wo die Pandemie ausbricht, um das Risiko der Entstehung eines von Mensch zu Mensch übertragbaren Virus zu reduzieren und die weltbreite Ausbreitung einzudämmen. Dies würde den Behörden Zeit verschaffen, den Bestand an Impfstoffen aufzustocken.
Zu diesem Zeitpunkt hat das Virus zwar das Potential eine globale Pandemie auszulösen, aber solange es nicht von Mensch zu Mensch übertragbar ist, besteht keine akute Gefahr einer Pandemie, bisher Um einen geeigneten Impfstoff zu entwickeln, muss der Aufbau des Virusstammes analysiert werden. Daher kann erst nach einer Mutation des Virus herausgefunden werden, wie es bekämpft werden kann.
Impfstoffentwicklung
Bislang gibt es keinen Impfstoff gegen das Virus H5N1 zum Schutz des Menschen. In mehreren Ländern gibt es allerdings diesbezügliche Forschungsbemühungen. Da der Impfstoff aber auf den pandemischen Virus zugeschnitten sein muss, wird eine groß angelegte Produktion für den kommerziellen Vertrieb erst möglich sein, wenn sich das neue Virus entwickelt hat. Es wird erwartet, dass ein Impfstoff erst mehrere Monate nach Ausbruch der Pandemie zu Verfügung stehen wird.
Die Kommission steht in engem Kontakt zu Impfstoffherstellern, damit diese versuchen ihre die Kapazitäten zu steigern und den Produktionsprozess des Impfstoffes zu beschleunigen. Ziel ist eine Verkürzung des normalerweise 6-monatigen Produktionsprozesses.
Tamiflu
, bekannt als Oseltamivir, wird derzeitig als das wirksamste Mittel zur Behandlung von Grippeinfektionen eingeschätzt. Die WHO empfiehlt, dass ein Vorrat dieses von Roche hergestellte Medikament aufgebaut wird. Seine Wirkung gegen H5N1 ist unbekannt, obwohl klinische Tests es nahe legen, dass es, in hoher Dosierung verabreicht, ein wirksames Mittel sein könnte. Eine kürzlich vom Pasteur Institute in Hanoi durchgeführte Studie kommt jedoch zu dem Schluss, dass das H5N1-Virus mittlerweile gegen Tamiflu resistent sei.
EU-Maßnahmen
Nachdem bekannt wurde, dass seit Oktober 2005 das H5N1-Virus in der Türkei, Rumänien und Kroatien aufgetreten ist und es sich mittlerweile nach Westeuropa ausgebreitet hat, , hat die EU ihre Überwachung und Präventivmaßnahmen gegen eine Grippe-Pandemie erhöht. Der Nachweis des H5N1-Virus bei einem sich in Quarantäne befindlichen, importierten Papageis in Großbritannien, veranlasste die EU dazu ein Einfuhrverbot
Einfuhrverbot für bestimmte lebende Vögel aus Drittländern zu erlassen. Dieses Verbot wurde bis zum 31. Januar 2006 verlängert.
Maßnahmen der Mitgliedsstaaten
In vielen Mitgliedstaaten wurden interministerielle Ausschüsse gebildet, um die nationale Einsatzbereitschaft für den Fall einer Pandemie zu koordinieren. Einige Mitgliedstaaten haben bereits größere Mengen antiviraler Medikamente bestellt. Für genauere Angaben zu geplanten Maßnahmen siehe unten:
Nationale Notfall-Pläne:
Others:
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist darüber besorgt, dass die europäischen Staaten sich zu sehr auf ihre nationalen Notfall-Pläne konzentrieren und darüber die Tatsache vergessen, dass Südostasien „ground zero“ ist. Die Organisation warnt davor, dass dadurch weniger Spenden nach Südostasien fließen und die Region weniger Aufmerksamkeit erhält. Die WHO sagte, dass sich diese Grippe zu einer Pandemie mit bis zu 150 Millionen Toten entwickeln könnte, allerdings geht sie eher von 2 bis 7,4 Millionen Todesfällen aus.
Der Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz Markos Kyprianou sagte im Oktober 2005, dass „mehr als die Hälfte“ der EU-Staaten noch nicht dazu in der Lage ist, 25 % seiner Bevölkerung mit antiviralen Medikamenten zu behandeln“.
Belgische Behörden haben ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, dass EU-Staaten bei der Bestellung antiviraler Medikament im Wettbewerb zu einander stehen und dass die Bestellungen größerer Staaten bevorzugt behandelt werden würden. Daher haben sie den Vorschlag unterbreitet, dass die Kommission die Produktion und Verteilung antiviraler Medikamente in Europa koordinieren solle, so dass sie dort einsetzbar sind, wo sie am dringendsten gebraucht werden. Kommissar Kyprianou hatte darauf geantwortet, dass „die Kommission nicht die Macht dazu hat, aber gewillt ist die Mitgliedstaaten in dieser Angelegenheit zu unterstützen und koordinierend einzugreifen“.
Frankreich hat angekündigt, dass sie alle notwendigen Mittel zur Bekämpfung einer möglichen Pandemie, wie z.B. Mundschutze, anitvirale Medikamente und Impfstoffe, einlagern wird. Der Aktionsplan der Regierung wird von einem Beauftragten des interministerielles Komitee, Professor Didier Houssin, koordiniert, welcher intervenieren wird, sobald das Risiko zunimmt. Bis Ende 2005 sollen 14 Millionen Behandlungen (zurzeit 9 Millionen) auf Vorrat eingelagert, die im Falle einer Pandemie kostenlos verteilt werden. Frankreich hat 40 Millionen Impfstoffe sowie 15 Millionen Dosen Tamiflu von Roche bestellt.
Finnland bereitet die Impfung seiner gesamten Bevölkerung vor. . Das finnische Parlament hat einen Antrag auf einen Sonderhaushalt von € 20.98 Million zum Kauf von 5.2 Millionen weiteren Impfungen zugestimmt. Ein nationaler Notfall-Plan wird vorbereitet und soll im März 2006 fertig sein.
Da das Virus vor allem von Zugvögeln übertragen wird, zieht Italien es in Erwägung, die Jagd vorläufig zu verbieten.
Spanien hat eine ständige interministerielle Kommission eingesetzt, welche die Ausbreitung der Vogelgrippe beobachten und analysieren soll. Die Kommission hat entschieden, 6-8 Millionen Behandlungen antiviraler Medikamente sowie 2 Millionen Dosen von Tamiflu zu bestellen.
Schweden hat die Einreisekontrollen für türkische und rumänische Reisende an acht seiner Flughäfen erhöht.
Der Berater für gesundheitliche Angelegenheiten der britischen Regierung, Sir Liam Donaldson, sagte, dass Erwachsene zwischen 20 und 40 die wahrscheinlichsten Opfer der Vogelgrippe seien. Eine ähnliche Grippe vor ca. 100 Jahren habe genau diese Gruppe getroffen. Er hat ebenfalls davor gewarnt, dass das Virus mehr als einmal zuschlagen könne. Großbritannien hat 15 Millionen Dosen Tamiflu von Roche bestellt.
Der Präsident der Vereinigten Staaten, George W. Bush, hat € 6 Mrd. zur Vorbereitung auf einen möglichen Ausbruch einer Grippe-Pandemie angekündigt. Der größte Betrag, € 2,3 Mrd., soll in die Entwicklung eines Impfstoffes sowie in neue Technologien investiert werden. Ein Betrag von € 1 Mrd. soll für den Kauf von 20 Millionen Impfungen verwendet werden. Präsident Bush hat den Kongress um eine Vollmacht gebeten, die es ihm ermöglichen würde, das Militär zur Durchsetzung der Quarantäne im Falle des Ausbruchs einer Grippe-Pandemie einzusetzen.
Der Schweizer Pharmakonzern Roche, sagte, dass es Konkurrenzunternehmen und Regierungen erlauben würde, sein antivirales Grippe Medikament Tamiflu bei Ausbruch eine Pandemie herzustellen. Roche besitzt das Patent zur Herstellung von Tamiflu bis 2016.