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Ruf nach CO2 Reserve, während Emissionszertifikate Rekordtief erreichen [DE][en][fr

Erschienen: Montag 9. Februar 2009   

Die Wirtschaftskrise droht, die gerade entstehende CO2-Emissionsbörse der EU, durch fallende Nachfrage und deswegen fallende CO2-Preise, entgleisen zu lassen. So fielen die Preise für Emissionszertifikate letzte Woche auf ein Rekordtief.

Hintergrund:

Seit 2005 müssen etwa 10 000 Betreiber größerer Industrieanlagen in der EU Lizenzen erwerben und verkaufen, wenn sie Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre emittieren. Das so genannte Emissionshandelssystem (ETS) (EurActiv LinksDossier) ermöglicht es Unternehmen, die ihre eigenen CO2-Zielvorgaben überschreiten, von umweltfreundlicher arbeitenden Firmen zusätzliche Emissionszertifikate zu erwerben und zur Erfüllung der im Rahmen des Kyoto-Protokolls festgelegten Klimaschutzziele beizutragen.

Im ersten Handelszeitraum (2005 - 2007) verteilten einige Länder allerdings zu viele Lizenzen und die CO2-Preise brachen ein. Um einen weiteren Einbruch des Marktes zu verhindern, beschloss die Kommission eine Obergrenze bei 2.08 Millionen Tonnen für 2008 – 2012 und stellte den Mitgliedstaaten zehn Prozent weniger Zertifikate zur Verfügung, als diese für den zweiten Handelszeitraum angefordert hatten (EurActiv vom 29.Oktober 2007).

Nichtsdestotrotz kam es in den vergangenen Monaten zu erheblichen Preisstürzen, als die Emissionen aufgrund des durch die Wirtschaftskrise bedingten Einschränkung der Produktion zurückgingen und so einen Überschuss von Zertifikaten zurückließen.

Im Dezember 2008 hat die EU zugestimmt, das Konzept zu überdenken um steilere Zurückgänge für Industrieanlagen zu erreichen (EurActiv vom 12. Dezember 2008) Das neue Konzept, das 2013 in Kraft treten soll, beschränkt Emissionen auf ein Maximum von 1,72 Millionen Zertifikaten, was die gesamten industriellen EU Emissionen bis 2020 um 21% unter das Niveau der Emissionen von 2005 bringen würde. Der Kompromiss zwischen den verschiedenen Institutionen sieht das Versteigern von Zertifikaten erst ab 2027 vor.

Zum gleichen Thema:

Weitere Nachrichten:

Mark Lewis, Director of Global Carbon Research bei der Deutschen Bank, schlug am Freitag (6. Februar 2009) vor, einem Mindestpreis für EU Emissionszertifikate zu etablieren, um einen Preiszusammenbruch in der dritten Phase des EU-Emissionshandels, die 2013 beginnt, zu vermeiden.

In Brüssel erläuterte Lewis, dass ein Mindestpreis für die nächste Phase des EU Emissionshandels (EU ETS), den Wert der Emissionszertifikate heute in die Höhe treiben würde, da die Zertifikate in beiden Phasen gelten und die Käufer so davon ausgehen könnten, dass die Preise steigen werden.

Der Preis für Emissionszertifikate fiel am 4. Februar 2009 auf 9,99 Euro pro Einheit, der niedrigste Stand bislang in der zweiten Phase.

„Es handelt sich hierbei um einen künstlichen Markt, der geschaffen wurde, um ein politisches Ziel zu erreichen“ sagte Lewis und betonte, dass der Markt dieses Ziel nicht erreichen werde, wenn die Preise zu stark fielen. Weiter argumentiert er, dass mit den momentanen Preise weder die EU-Klimaziele für 2020 (EurActiv LinksDossier) eingehalten werden könnten, noch die CO2-Abscheidung und Speicherung wirtschaftlich bis dahin durchführbar werde(EurActiv LinksDossier).

Wirtschaftskrise lässt CO2 Markt schrumpfen

Eine am Freitag (6. Februar 2009) herausgegebene Prognose von Barclays Capital sagt voraus, dass ein EU-Emissionszertifikat dieses Jahr durchschnittlich neun Euro kosten wird. Point Carbon, ein Beratungsunternehmen, korrigierte seine Vorhersage des Preises für 2009 ebenfalls nach unten und nannte sinkende Industrieproduktion und Energienachfrage, aufgrund der strauchelnden Wirtschaft, als Grund für weniger CO2-Emissionen. Mittlerweile meint Carbon Point, werde sich der Preis bei zwölf Euro pro Tonne einpendeln, was ungefähr zehn Euro unter ihren Zahlen von November 2008 liegt.

CO2-ausstoßende Industriebettriebe hätten ihre Zertifikate besonders am Beginn des Jahres verkauft, um Kapital zu schaffen, glaubt Point Carbon.

Deswegen sei der Markt seit November 2008 um ein Drittel geschrumpft, wie Zahlen von Point Carbon belegen. Die Firma schätzt, dass der Wert an gehandelten Emissionen um 38% gefallen ist, von über 322 Millionen Euro pro Tag im November auf ungefähr 208 Millionen Euro im Januar.

Kommision immer noch selbstbewusst

Andererseits sieht der Energiekommissar Andris Piebalgs niedrige Preise von Emissionszertifikaten nicht als Grund zur Sorge an. Er sagte er glaube, dass man in der EU die Rahmenbedingungen des Programms zum Klimawandelpaket geschaffen habe, als wichtigstes Instrument der Investition. Es sei kein Grund zur Sorge, dass die Preise für CO2 zurzeit mit 11-12 Euro pro Tonne sehr niedrig seien. Was solle man auch sonst in einer Wirtschaftskrise erwarten, das jemand mehr Lizenzen kaufe um mehr zu produzieren? Nein, sagt er, die Preise für Kohlendioxid  reagierten auf was immer in der Wirtschaft passiere. Er denke, dies sei einer der Säulen der Investitionen in die EU. 

Jedoch sei, laut Lewis, die freie Verteilung von Zertifikaten ein grundlegendes Problem, das auch in der dritten Handelsperiode vorhanden sei, die 2013 beginnen solle.  Das heiße, dass der Markt für CO2-Zertifikate nicht Angebot und Nachfrage widerspiegele. 

Lewis argumentierte, dass Emissionszertifikate risikofreie Anlagegüter für CO2-produzierende Betriebe seien, da man sie kostenlos erhalten würde. Industriebetriebe interessierten sich normalerweise nicht dafür, kurzzeitige Vermögenswerte zu verkaufen, sagte er. Dennoch sähen sie jetzt ihre ungenutzten Zertifikate als Anlagegüter an, die verkauft werden könnten, um schnell an Geld zu kommen, das zur Deckung laufender Kosten verwendet werde, in einer Zeit in der kurzfristige Kredite nicht so leicht zu bekommen seien, folgerte er. 

Zentrale CO2-Bank?

Schon die Existenz einer solchen Institution würde der Notwendigkeit der Bank zu intervenieren, zuvorkommen, indem sie psychologisch das Vertrauen in den Markt stärkt.

Der Zug sei im Dezember schon abgefahren, als der EU-Emissionshandel beschlossen wurde, sagte Lewis. Jedoch forderten Australien und die USA angemessene institutionelle Absprachen, weil sie zurzeit ihren eigenen Emissionshandel aufbauten. In einer „idealen Welt“ könnte eine zentrale CO2-Bank die Notwendigkeit für Preisobergrenzen abschaffen, die immer das Risiko beinhielten zu niedrig zu sein, folgerte er. 


 

Positionen:

Kjersti Ulset, ein Manager bei der Unternehmensberatung Point Carbon sagte, dass es völlig rational sei, dass Unternehmen auf die extremen wirtschaftlichen Bedingungen reagierten, indem sie CO2-Zertifikate verkauften, wenn sie einen Überschuss davon hätten. Wenn Unternehmen wegen einem Abschwung weniger produzierten, fiele der CO2-Preis notwendigerweise. Dieser Abschwung habe sich als steiler und einschneidernder erwiesen als es zuerst erschien und endete in diesen drastischen Preis- und Emissionskürzungen.  
Oskar Reyes, von der Forschungsgruppe Carbon Trade Watch sagte, dass der Emissionshandel bei jeder seiner Entwurfs- und Implementierungsstufen dem unternehmerischem Eigennutz unterworfen sei und es also kein Wunder sei, dass er jetzt als Goldesel missbraucht werde um Unternehmen durch schwierige finanzielle Zeiten zu bringen.

Nächste Schritte:

  • Bis 30. Juni 2010: Kommission wird die gesamte gemeinsame Zahl der Emissionszertifikate veröffentlichen.
  • Bei Dezember 2010: Kommission wird eine geschätzte Zahl von Zertifikaten veröffentlichen, die in der dritten Phase versteigert werden.
  • 2013: Revidierter Emissionshandel soll in Kraft treten.

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