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Stellenangebot registrierenDie Erneuerung der Prioritäten der für die Justiz- und Innenpolitik der EU wird einer der wichtigsten Punkte der schwedischen EU-Ratspräsidentschaft sein. Trotz der rechtlichen Errungenschaften des Landes wird Schwedens „Stockholmprogramm“ seinen Ambitionen nicht gerecht werden, so Quellen gegenüber EurActiv.
Das “Stockholm Programm” ist die vorgeschlagene Agenda der schwedischen Ratspräsidentschaft im Bereich der Justiz und des Innenministeriums (JI) für den Zeitraum von 2004 - 2009.
Die derzeitige JI-Agenda, das Den Haag Programm, läuft dieses Jahr aus (siehe EurActiv LinksDossier).
Laut der schwedischen Präsidentschaft zielt das Stockholm-Programm darauf ab, die Rahmenbedingungen für die EU-Kooperation bei Polizei und Zoll, Rettungsdienste und zivil- und strafrechtliche Bereiche festzulegen
Eines dieser Themen, die Einwanderungs- und Asylpolitik ist sicherlich eines der heißesten politischen Eisen für die EU geworden, besonders da eine Reihe von Mittelmeerländern (Malta und Italien) nach größere Hilfe von ihren nördlichen Nachbarn rufen.
Schweden hat eines der liberalsten Asylgesetze Europas und plant ein gemeinsames unfassendes Asylgesetz, wenn es die Führung der EU am 1.Juli übernimmt (EurActiv vom 10.6.2009).
Die schwedische Regierung hat ihre progressiven Ambitionen im Bezug auf Einwanderung vorgestellt und argumentiert, dass es eine “humane Flüchtlingspolitik” geben müsse. Sie unterstrichen auch, dass der derzeitige Trend in Europa die Grenzen zu schließen umgekehrt werden sollte.
Trotzdem gab die Regierung auch gleichzeitig eine deutliche Warnung heraus, dass wenn das Land eine unverhältnismäßige hohe Anzahl von Flüchtlingssituationen zugewiesen bekäme, dies die Nachhaltigkeit des Asylsystems des Landes in Frage stelle.
Die Lösung, argumentiert Schweden, sei offensichtlich. Alle EU-Mitgliedsstaaten müssten die Verantwortung für den Schutz der Flüchtlinge gemeinsam tragen. Dies, so die Präsidentschaft sei der Grund, warum gemeinsame Regeln innerhalb der Länder in der EU so wichtig für Schweden seien.
Schweden hat bedeutende “moralische Autorität” im Zusammenhang mit diesem Punkt, so Bjarte Vandvik, Generalsekretär des European Council of Refugees and Exiles (ECRE) einer NGO. Im Gespräch mit EurActiv sagte Vandvik, dass wenn man auf Zahlen schaue, würde Schweden genauso viele Flüchtlinge pro Kopf aufnehmen wie Malta oder sogar noch mehr.
In der Tat rief die Europäische Kommission gestern zu einem JI-Programm auf, dass zu einem gemeinsamen Asylsystem führen soll und auf Lastenverteilung und Solidarität zwischen den Mitgliedsstaaten ausgelegt ist.
Politischer Wille nicht vorhanden
Trotzdem, während die schwedische Präsidentschaft lockere Ambitionen hat, wird es mit diesen Zielen wenig Wandel geben, so ein Einwanderungsexperte gegenüber EurActiv.
Unter der Beibehaltung der Anonymität sagte die Quelle, dass das Stockholmprogramm „viele gute Vorsätze“ habe, insbesondere in Bereichen wie die Harmonisierung und die Zusammenarbeit in Schutzfragen von Flüchtlingen und Einwanderung.
„Aber gleichzeitig wisse man, dass es keinen wirklichen politischen Willen gibt, oder Einverständnis im Rat, dieses Wirklichkeit werden zu lassen“.
Alle weiteren Vorhaben, die EU-Immigration zu harmonisieren und das Asylsystem zu reformieren seien gescheitert und zeigen auf „die Tatsache, dass die Kommission zurzeit sehr darauf bedacht ist mit ihrer neuen EU Unterstützungsbüro für Asylfragen angeben will“, so die Quelle weiter.
Dies sei in der Tat eine Ablenkung was die Nachricht verbreiten solle, dass man zwar nicht wirklich weit mit einem gemeinsamen Asylsystem gekommen sei, dafür sich aber eine nette Behörde zugelegt habe, so die Quelle.
Bjarte Vandvik stimmt zu. Mit den besten Vorsätzen der Schweden glaube er, dass dies eine schwierige Position sei. Es gebe ein brandneues Parlament, dass die Wichtigkeit dieser Themen erst durch Erfahrung lernen könne und das Parlament sei viel mehr rechter und konservativer und es werde wahrscheinlich skeptischer im Bezug auf Harmonisierung sein, so der ECRE-Chef gegenüber EurActiv.
Er glaube trotzdem, dass es umsetzbare Themen gäbe, so zum Beispiel die Frage der Eingliederung, von Flüchtligen, sie aus ihren Lagern zu lassen, oder die Entscheidungen über die Größen von Quoten für Flüchtlinge. Dies habe eine Chance auf Erfolg.
Ein rechtes Europa
Die derzeitige politische Realität in der EU könnte die schwedischen Ambitionen ebenfalls senken. Die rechte Mitte führt derzeit 20 der 27 Mitgliedsstaaten an und hat in den Europawahlen in der letzten Woche die Mehrheit gewonnen (EurActiv vom 8. Juni 2009).
Traditionell ist die rechte Mitte in Fragen von Immigration und Asyl oft hart geblieben, weshalb eine Reihe von EU-Staaten vehement gegen die schwedischen Pläne ist.
Seine größte Sorge sie es, so Bjarte Vandvik, dass die EU damit fortfahren würde, die Grenzen zu schließen, wie es bisher der Fall gewesen sei.
Grenzkontrollen effizient zu gestalten und Sicherheitsmaßnahmen zu verbessern und dann keine Lösungen für andere Probleme zu haben sei ein Fehler.
Er glaube, dass ein wahrlich harmonisiertes Gemeinsames Europäisches Asylsystem nicht passieren werde. Es sei noch immer ein Wunschtraum, so Vandvik weiter.
Die schwedische EU-Ratspräsidentschaft werde ihren Anteil an der Verantwortung für den internationalen Schutz von Flüchtlingen übernehmen, wenn Schweden aber den unangemessenen Anteil der Verantwortung für Flüchtlingssituationen in der ganzen Welt übernehmen müsste, würde dies letztendlich Fragen über die Nachhaltigkeit des Asylsystems aufwerfen, so die Webseite der Präsidentschaft.
Alle EU-Mitgliedsstaaten müssten die Verantwortung zum Schutz der Flüchtlinge teilen. Deshalb seien gemeinsame Regeln für die Länder der EU eine der Hauptziele der Regierung im Bereich der Migration, so die Erklärung weiter.
Der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso sagte, dass die Handlung der EU in Zukunft vor allem darauf abzielen müsste, dem Bürger im Bereich der Freiheit, Sicherheit und Justiz den bestmöglichen Service zu bieten.
Man wolle die Rechte der Bürger fördern, ihre täglichen Leben leichter machen und ihnen Schutz bieten. Dies rufe nach effektiven und verantwortlichen europäischen Maßnahmen in diesen Feldern. In diesem Kontext erachte er die Einwanderungspolitik als besonders wichtig. Dies sei die Vision welche die Kommission dem Rat zur Diskussion stelle, mit einem Auge auf die Annahme des neuen Stockholm-Programmes durch den Europäischen Rat im Dezember 2009.
Bjarte Vandvik, ECRE-Generalsekretär erklärte EurActiv: „Die alte JI-Spaltung zwischen dem Norden und Süden Europas ist heutzutage einer Quelle zufolge weniger sichtbar als in den vergangenen Jahren. Wenn man Zahlen ansieht, nimmt Schweden die gleiche pro-Kopf-Zahl an Asylbewerbern auf, wie Malta oder sogar mehr.“
Im Bezug auf das Stockholm Programm sagte er, dass er mit den besten Absichten die Schweden habe, denke „sie sind in einer schwierigen Position. Sie haben ein nagelneues Parlament das immer noch die Bedeutung dieser Fragen in einer verfahrensmäßigen Art begreifen muss. Dieses Parlament ist viel rechter und konservativer und wird wahrscheinlich diesen Fragen der Harmonisierung auch viel skeptischer gegenüber stehen.“
Ich glaube, dass nur etwas kontrollierbares wie die Frage nach Umsiedelung, Flüchtlinge aus Lagern herauszuholen zum Beispiel, oder die Größe der Quoten für Flüchtlinge zu diskutieren, eine Chance auf Erfolg hat.“
Er merkte an, dass das Versagen die EU Einwanderungs- und Asylsysteme zu harmonisieren „in der Tatsache widergespiegelt wird, dass die Kommission zurzeit bestrebt ist das neue EU Unterstützungsbüro für Asylfragen vorzuzeigen.
Es ist eigentlich ein Ablenkungsmanöver das die Botschaft vermittelt, << Naja, wir waren bei einem gemeinsamen Asylsystem nicht erfolgreich, aber schauen sie sich dieses wunderbare Büro an das wir stattdessen geschaffen haben>>“ folgerte er und fügte hinzu, „meine größte Sorge ist, dass was immer wir tun oder nicht, lasst uns nicht mit dieser Politik weitermachen einfach die Grenzen zu schlissen, wie das bisher der Fall war. Die Grenzkontrollen und Sicherheitsmaßnahmen effizienter zu machen und dass keine Schritte in der anderen Frage zu unternehmen.“