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Die globale Klimaerwärmung unter Kontrolle zu halten, verursache viel geringere Kosten für die Weltwirtschaft, als die Schäden im Nachhinein zu beheben. Dies ist die Schlussfolgerung des Stern-Berichts über die Kosten des Klimawandels.
Der frühere Chefökonom der Weltbank, Sir Nicholas Stern, wurde letztes Jahr von der britischen Regierung beauftragt, die bis dato umfassendste Studie über die Kosten des Klimawandels zu leiten.
Am 30. Oktober 2006 hat Stern Premierminister Tony Blair den Bericht über die Kosten des Klimawandels vorgelegt.
Blair betonte, dass die Schlussfolgerungen Sterns die Welt endgültig davon überzeugen müssten, Maßnahmen zur Reduzierung der Klimaerwärmung einzuleiten. Er beschrieb den Bericht als „wichtigstes Dokument für die Zukunft“, das ihm in seiner zehnjährigen Amtszeit vorgelegt worden sei.
Der Bericht erscheint nur wenige Tage vor einer UN-Konferenz in Nairobi, Kenia, die versuchen wird, die Gespräche über Maßnahmen gegen globale Klimaerwärmung nach 2012 (wenn das Kyoto-Protokoll ausläuft) voranzubringen.
Ziel des Berichts ist es, Großbritannien und die EU in ihren Bemühungen, die Hauptverursacher der Umweltverschmutzung, wie die USA und China, dazu zu bewegen, einem verpflichtenden internationalen Abkommen über Emissionssenkungen beizutreten, zu unterstützen. Die USA und China sind Mitglied des Klima-Rahmensekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC), jedoch haben sie das von diesem Gremium ausgearbeitete Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet.
Stern sagte, der Bericht enthalte eine einzige Schlussfolgerung: Die Vorteile umfassender und früher Maßnahmen überwiegen deutlich im Vergleich zu den Kosten für Untätigkeit.
Der frühere Chefökonom der Weltbank wies darauf hin, dass die Modelle, die im Bericht verwendet wurden, zeigten, dass 1% des jährlichen globalen Bruttoinlandprodukts ausreichen würde, um die Erderwärmung unter Kontrolle zu halten.
Im Umkehrschluss warnt der Bericht davor, dass Untätigkeit zu großen Stürmen, Überschwemmungen und Hitzewellen führen könnte, die die globale Wirtschaft teuer zu stehen kämen – die Kosten würden sich auf „mindestens 5%“ des BIPs und im schlimmsten Fall auf 20% belaufen. Das Ergebnis könnte Wirtschaftskrisen vergleichbar mit denen im Vor- und Nachfeld der Weltkriege und im Jahre 1929 sein.
Sterns Bericht enthält auch weitere Schlussfolgerungen: Die Welt müsse nicht wählen zwischen der Vermeidung von Klimawandel und der Förderung von Wachstum und Entwicklung. Dieses Argument wird oft von EU-Unternehmen angeführt. Laut Stern ist die Bekämpfung der Erderwärmung eine „langfristig wachstumsfördernde Strategie“, da die Reduzierung der Emissionen neue Stellen schaffe und die Entwicklung und Technologie fördere.
Langfristig müsse das Ziel sein, die Emissionen „auf unter 80% des derzeitigen Niveaus zu bringen“, um die Konzentration auf 500 bis 500 ppm (Teile per Million Teile) zu begrenzen. Dies ist die Grenze, die eingehalten werden muss, um die globale Klimaerwärmung auf maximal 2°C im Vergleich zu den Werten vor dem Industriezeitalter zu begrenzen.
Der Bericht veranschlagt, dass dies erreicht werden könnte, wenn umfassende Maßnahmen in bestimmten Schlüsselbereichen weltweit umgesetzt würden:
Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass eine internationale Lösung, die wachsende Volkswirtschaften wie China, das mittlerweile der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen nach den USA ist, einbindet, die geeignete Antwort auf diese Herausforderungen sei. Zu den Schlüsselbereichen eines internationalen Abkommens, um die Klimaerwärmung in den Griff zu bekommen, gehören:
In Washington spielte der Council on Environmental Quality des Weißen Hauses die Bedeutung des Berichtes herunter. Die amerikanische Regierung habe eine Fülle ökonomischer Analysen zum Klimawandel erstellt. Der Stern-Bericht würde sich lediglich in die Reihe solcher Studien einreihen, teilte der Council on Environmental Quality in einer Erklärung mit.
Das britische Tyndall Centre for climate change research, ein der Regierung angegliedertes Institut, betonte, der Sternbericht hätte die dringend benötigte Transparenz in die ökonomische Debatte über den Klimawandel gebracht. Professor Neil Adger sagte, Nicholas Sterns Wirtschaftslehre unterscheide sich von den üblichen düsteren Standpunkten, indem sie zeige, wie Regierungen die Bekämpfung des Klimawandels mit klaren Zielen und dauerhaften Investitionen in Angriff nehmen könnten.
Dennoch sind die Investitionen, die momentan in die Forschung und Entwicklung von sauberen Energietechnologien fließen, wesentlich geringer als Investitionen in anderen Bereichen. In einem Artikel in der New York Times stellt Andrew C. Revkin dar, dass sich die amerikanischen Ausgaben auf Bundesebene für die medizinische Forschung seit 1979 auf 28 Mrd. US-Dollar vervierfacht hätten. Gleichzeitig seien die Investitionen in militärische Forschung, die sich momentan auf 75 Mrd. US-Dollar belaufen, um 260% gewachsen. Im Vergleich erscheinen die 4,2 Mrd. US-Dollar, die Präsident Bush für die Forschung im Bereich Klima und Energie für 2007 bereitstellen will, eher bescheiden.
In Europa unterscheiden sich die Ausgaben der Regierungen für die Erforschung sauberer Energien von Land zu Land, was eine Einschätzung des Gesamtbetrages schwierig macht. Die EU-Fördermittel für klimafreundliche Technologien beliefen sich für den Zeitraum von 2002-2006 auf nur 2,2 Mrd. Euro. Dieser Betrag könnte für die Jahre 2007-2013 auf 2,4 Mrd. Euro anwachsen.
Die Umweltbewegung begrüßte den Bericht und betonte, er müsse als „Weckruf für die Welt“ verstanden werden, damit endlich gehandelt werde. Der WWF rief die bei dem Treffen in Nairobi vertretenen Regierungen dazu auf, einen klaren Fahrplan für die Zeit nach dem Kyoto-Protokoll zu entwickeln und den Entwicklungsländern Zugang zu Ressourcen zu gewähren, um den Klimawandel zu bekämpfen.
Der WWF nutzte auch die Gelegenheit, Europa an seine eigenen Verpflichtungen zu erinnern. Die EU müsse zeigen, dass ihre selbstverkündete Führungsposition bei der Bekämpfung des Klimawandels nicht nur heiße Luft sei, sagte Hans Verolme, Direktor des Global Climate Change Programms des WWF. Die Europäische Kommission müsse gewährleisten, dass das EU-Emissionshandelssystem letztlich auch dazu beitrage, die Emissionen zu verringern, so Verolme.