Arbeitskräftemobilität in der Eurozone

Infolge der jüngsten Krise haben sich die Ungleichgewichte auf den Arbeitsmärkten in der Eurozone verschärft. Binnenmigration kann ein wirksamer Mechanismus sein, um Ungleichgewichte auf den Arbeitsmärkten abzubauen, schreiben Dieter Bräuninger und Christine Majowski im EU-Monitor 85, eine Analyse von DB Research.

Spaniens Jugend demonstriert seit Monaten für einen politischen und wirtschaftlichen Wandel (Movimiento 15-M). Spanien hat mit über 20 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in der EU. Das beeinflusst auch die Migrationsströme auf den europäischen Arbeitsm
Spaniens Jugend demonstriert seit Monaten für einen politischen und wirtschaftlichen Wandel (Movimiento 15-M). Spanien hat mit über 20 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in der EU. Das beeinflusst auch die Migrationsströme auf den europäischen Arbeitsm

Infolge der jüngsten Krise haben sich die Ungleichgewichte auf den Arbeitsmärkten in der Eurozone verschärft. Binnenmigration kann ein wirksamer Mechanismus sein, um Ungleichgewichte auf den Arbeitsmärkten abzubauen, schreiben Dieter Bräuninger und Christine Majowski im EU-Monitor 85, eine Analyse von DB Research.

Kernthesen

Infolge der jüngsten Krise haben sich die Ungleichgewichte auf den Arbeitsmärkten in der Eurozone verschärft. Die Arbeitslosenzahlen sind in den GIPS-Ländern (Griechenland, Irland, Portugal, Spanien) weiterhin auf Rekordniveau, während in anderen Euro-Ländern  ungedeckte Nachfrage nach Fachkräften besteht.

Binnenmigration kann ein wirksamer Mechanismus sein, um Ungleichgewichte auf den Arbeitsmärkten abzubauen. Das gilt besonders in einer Währungsunion, in der flexible Wechselkurse als Anpassungsmechanismus entfallen.

Wanderungsströme haben auf die hohe Arbeitslosigkeit in der Euro-Peripherie reagiert. In Spanien etwa ist der Zuwanderungsüberschuss von gut 700.000 im Jahr 2007 auf zuletzt nur noch 63.000 in 2010 gesunken. Ohne den veränderten Wanderungstrend läge die Arbeitslosenquote in Spanien um bis zu 1,7 Prozentpunkte höher, in Irland sogar bis zu 3,5 Prozentpunkte.

Die Wanderungsbereitschaft unter Europäern scheint zuzunehmen. Vor allem junge Gutqualifizierte stellen ein großes Potential für Binnenwanderungen von Arbeitskräften dar. Denn in der Peripherie ist gerade diese Gruppe ungeachtet ihrer guten Qualifikation von hoher Arbeitslosigkeit betroffen.

Die Zuwanderung aus der Euro-Peripherie nach Deutschland dürfte angesichts günstiger Arbeitsmarktperspektiven hier in den kommenden Jahren zunehmen. Unsere Analyse deutet jedoch darauf hin, dass die Zuwanderung nur moderat steigen wird.

Einleitung

Seit dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise haben sich die Arbeitsmärkte in Europa verstärkt auseinander entwickelt. Viele EULänder verzeichnen Arbeitslosenquoten auf Rekordniveau. Andernorts finden Arbeitgeber hingegen keine qualifizierten Arbeitskräfte. Eine höhere Mobilität von Arbeitnehmern könnte jedoch als Ausgleichsventil dienen, Arbeitslosigkeit in bestimmten Regionen abzubauen und Arbeitskräftemangel in anderen Regionen auszugleichen.

In einem gemeinsamen Wirtschaftsraum und insbesondere in einem einheitlichen Währungsraum spielen Wanderungsbewegungen von Humankapital eine wichtige Rolle für die Effizienz von Arbeitsmärkten: Unter flexiblen Wechselkursen werden ökonomische Ungleichgewichte zwischen Ländern in der Regel über eine Auf- oder Abwertung der Währungen reduziert. In einer Währungsunion entfällt dieser Mechanismus. Wenn auch die Preise und Löhne inflexibel sind bzw. der Druck auf diese ausgereizt ist, verbleibt Arbeitskräftemobilität als Anpassungsmechanismus, um kurzfristige und strukturelle Ungleichgewichte zwischen Regionen abzubauen.

Dieser Mechanismus hat im europäischen Binnenmarkt in den letzten Jahrzehnten aber nur eingeschränkt und sehr langsam funktioniert. 1 Die Arbeitskräftewanderungen innerhalb der EU waren relativ gering. Bleibt es bei dem zähen Anpassungsprozess oder erleben wir infolge der Wirtschaftskrise einen Aufschwung in der Binnenmigration?

Dieser EU-Monitor soll untersuchen, wie Migrationsflüsse in der Euro-Peripherie in der jüngsten Wirtschaftskrise reagieren, wie sie damit zum Abbau von Ungleichgewichten beitragen und wie sie sich in den kommenden Jahren mit Blick auf das Zielland Deutschland entwickeln könnten.

Dieter Bräuninger, Christine Majowski

Die vollständige Ausgabe des EU-Monitor 85 (10. August 2011) ist im pdf-Format abrufbar.