Europäer machen aus den vorgeschlagenen Euro-Banknoten Internet-Memes

Die EZB stellte zehn mögliche Entwürfe für die nächste Generation von Euro-Banknoten vor und lud die Europäer ein, bei der Gestaltung des zukünftigen Papiergeldes der Union mitzuentscheiden.

EURACTIV.com
Copy of FRONT PAGE (11)
Christine Lagarde. [Foto: European Central Bank]

Nicht einmal die Europäische Zentralbank – oder der Euro selbst – konnte sich der Meme-Behandlung entziehen.

Am Donnerstag stellte die EZB zehn mögliche Entwürfe für die nächste Generation von Euro-Banknoten vor und lud die Europäer ein, bei der Gestaltung des zukünftigen Papiergeldes der Union mitzuentscheiden.

Natürlich brauchten die sozialen Medien nur etwa fünf Minuten, um das, was eigentlich eine Übung in gemeinsamer Identität und der Zukunft des physischen Geldes sein sollte, in einen Meme- und Witz-Wettstreit zu verwandeln.  Die Europäer überschwemmten das Internet mit ihren eigenen Versionen der Banknoten, von denen viele offenbar mit Hilfe von KI erstellt wurden.

Auf einer bearbeiteten Banknote war Ursula von der Leyen, die Präsidentin der Kommission, zu sehen, zusammen mit den an einer Schnur befestigten Plastikflaschenverschlüssen, die zu einem unerwarteten Symbol für die EU-Regelsetzung geworden sind. Eine andere zeigte Christine Lagarde, die Präsidentin der EZB, neben der Aufschrift „Bitcoin kaufen“.

„Schrecklich“ und „enttäuschend“

Die offiziellen Entwürfe selbst wurden vielfach verspottet. Viele Nutzer bezeichneten sie als „schrecklich“, „enttäuschend“ oder sagten, sie ähnelten „PR-Infografiken“.

Die Bekanntgabe der in die engere Wahl gekommenen Entwürfe folgt auf monatelange Beratungen einer Jury aus europäischen Designern und Experten, die das Feld auf zehn Kandidaten eingegrenzt hatte – wobei sich zwei konkurrierende Visionen für das zukünftige Erscheinungsbild des Euro herauskristallisierten: Kultur oder Vögel.

Diese Entscheidung führte schnell zur Bildung neuer politischer Lager in Europa, und innerhalb weniger Stunden entstanden Gruppen, die sich für Vögel bzw. für Kultur einsetzten. 

Befürworter der Kultur fragten: „Warum Vögel?“ – oder warnten, dass man, sollte die Kultur nicht gewählt werden, „genauso gut alles dichtmachen“ könne. Ein anderer Unterstützer betete, die EU-Bürokratie möge die Europäer zumindest davor bewahren, „langweilige Vögel“ in ihren Geldbörsen zu haben.

Diejenigen, die sich auf die Seite der Vögel stellten, schienen vor allem kulturfeindlich zu sein; einige Kommentatoren gaben zu, dass sie nicht alle kulturellen Ikonen erkannten, oder schlugen alternative Besetzungen vor – von denen einige historisch besser zu rechtfertigen waren als andere.

Einer argumentierte, die Opernsängerin Maria Callas sei „nicht berühmt genug für so etwas“.

Ein drittes, neutraleres Lager griff die Kritik wieder auf, die die Neugestaltung seit ihrem Beginn im Jahr 2021 begleitet: Warum sollte man sich Gedanken darüber machen, wie Geld aussieht, wenn die Haushalte sich viel mehr darüber sorgen, wie wenig man dafür kaufen kann?

Die Debatte geht nun in eine öffentliche Konsultation über, bei der die Bürger bis September ihre Meinung äußern können.vDas Leitungsgremium der EZB wird Ende 2026 die endgültige Entscheidung treffen, wobei die neuen Designs einige Jahre später in Umlauf kommen sollen.

(nl)