Deutschland als Vorbild bei Rentenreformen
Viele Länder schauen auf Deutschland, wenn sie ihre Rentensysteme reformieren. Vor allem bei der Arbeitsmarktbeteiligung älterer Menschen ist Deutschland ein Pionier, sagte die Rentenexpertin Monika Queisser bei der heutigen Präsentation der OECD-Studie "Renten auf einen Blick 2011". Die Entwicklung der Altersarmut müsse dagegen sorgfältig beobachtet werden.
Viele Länder schauen auf Deutschland, wenn sie ihre Rentensysteme reformieren. Vor allem bei der Arbeitsmarktbeteiligung älterer Menschen ist Deutschland ein Pionier, sagte die Rentenexpertin Monika Queisser bei der heutigen Präsentation der OECD-Studie „Renten auf einen Blick 2011“. Die Entwicklung der Altersarmut müsse dagegen sorgfältig beobachtet werden.
Die OECD-Studie "Renten auf einen Blick 2011" bestätigt einen weltweiten Trend: Die Menschen müssen länger arbeiten und beziehen dafür weniger staatliche Rente. Deutschland sei dabei ein Pionier, ältere Menschen am Arbeitsmarkt zu beteiligen, sagte die OECD-Rentenexpertin Monika Queisser heute in Berlin bei der Präsentation der aktuellen Rentenstudie. "Es gibt ein großes internationales Interesse an den deutschen Rentenreformen. Es wird genau beobachtet, wie Frauen und ältere Menschen besser und länger am Arbeitsmarkt beteiligt werden können", so Queisser.
Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat die Alterssicherung in 42 Industrie- und Schwellenländer analysiert.
Steigendes Rentenalter
Die Trendwende zu längerer Lebensarbeitszeit hat bereits Anfang der 1990er Jahre eingesetzt. Seitdem steigt das gesetzliche Rentenalter im OECD-Durchschnitt kontinuierlich an und lag 2010 bei 62,9 Jahren für Männer und 61,8 Jahren für Frauen. Damit liegt das Renteneintrittsalter aber weiterhin unter dem Niveau von 1950, als die Männer mit 64 Jahren und die Frauen mit 63 Jahren in den Ruhestand gingen. Nach OECD-Berechnungen wird dieses Niveau für Frauen im Jahr 2020 und für Männer im Jahr 2040 wieder erreicht sein.
Langfristig steigt das gesetzliche Rentenalter in den meisten OECD-Ländern auf 65 Jahre. Dabei reicht die Spanne vom Renteneintritt mit 62 Jahren (Frankreich, Slowakei) bis 68 Jahren (Großbritannien). Deutschland liegt mit 67 Jahren knapp hinter diesem Spitzenwert.
Da die Lebenserwartung steigt, verlängert sich die Zeit der Rentenbezüge und das erhöht die Kosten für die öffentlichen Rentensysteme. Die OECD begrüßt daher den Trend zum späteren Renteneintritt.
Früher Berufsausstieg
Der tatsächliche Berufsausstieg liegt in den meisten EU-Ländern deutlich unter dem gesetzlichen Rentenalter. So verlassen die Deutschen bereits mit 61,8 Jahren (Männer) beziehungsweise mit 60,8 Jahren (Frauen) den Arbeitsmarkt.
In vielen EU-Ländern verlassen die Menschen den Arbeitsmarkt noch eher, wie die nachfolgende OECD-Grafik zeigt.
Länger arbeiten
In den meisten OECD-Ländern steigt die Erwerbsquote der 50 bis 64-Jährigen seit 1970 an. Das liegt auch daran, dass Frauen häufiger und länger arbeiten. In Deutschland, aber auch in Island oder den Niederlanden ist diese Entwicklung besonders stark.
Frankreich hat dagegen große Schwierigkeiten, ältere Menschen besser zu beteiligen, meinte Queisser. Die Rentenexpertin verwies zudem darauf, dass Frankreich die Frühverrentung bisher als staatliche Brücke aus der Arbeitslosigkeit genutzt habe. "Damit wurden die Kosten auf das staatliche Rentensystem verschoben."
Altersdiskriminierung
Laut der Rentenstudie ist Altersdiskriminierung weiterhin ein ernstes Problem und ein Hindernis, die Erwerbsquote der Älteren zu erhöhen. "In vielen Ländern erhalten Arbeitnehmer über 45 Jahre keine Weiterbildungen mehr", sagte Queisser.
Die OECD-Sozialexpertin erklärte, dass Menschen über 65 Jahre in Europa viel seltener arbeiten als etwa in Mexiko, Korea oder Island. Dort arbeitet mehr als jeder Zweite zwischen 65 und 69 Jahren, in Deutschland ist das bisher nur jeder Zehnte.
Risiko der Altersarmut
Anders als in Mexiko, wo die Menschen aus wirtschaftlicher Not zu einem längeren Arbeiten gezwungen werden, steht Deutschland bei der Altersarmut bisher "sehr gut da", so Queisser. Allerdings habe Deutschland keine gesetzlichen Schutzregeln für Geringverdiener. "Das sollte sorgfältig beobachtet werden", sagte Queisser.
In Frankreich schützt ein staatliches Sicherheitsnetz vor Altersarmut. Niedrigverdienern wird eine Rente von 85 Prozent des gesetzlichen Mindestlohns garantiert, wenn sie ihre Beitragskarriere voll erfüllt haben.
In Deutschland soll die private Altersvorsorge (Riester-Rente) die Menschen vor Altersarmut schützen. Nach Angaben der Sozialexpertin Queisser interessieren sich viele OECD-Länder für das deutsche Modell. "In Deutschland wird die staatlich subventionierte Riester-Rente von den unteren Einkommensgruppen sehr gut angenommen, besser als von den hohen Einkommensgruppen", so Queisser.
Michael Kaczmarek
