Deutschland: Spaltung in User und Loser
Der Durchschnittsdeutsche hat vier Stunden Freizeit pro Werktag – Rentner am meisten, Familien am wenigsten. Noch ist Fernsehen doppelt so gefragt wie das Internet. Ulrich Reinhardt, Chef der Stiftung für Zukunftsfragen, stellte heute den neuesten Freizeitmonitor vor und warnt vor der Spaltung in User und Loser.
Der Durchschnittsdeutsche hat vier Stunden Freizeit pro Werktag – Rentner am meisten, Familien am wenigsten. Noch ist Fernsehen doppelt so gefragt wie das Internet. Ulrich Reinhardt, Chef der Stiftung für Zukunftsfragen, stellte heute den neuesten Freizeitmonitor vor und warnt vor der Spaltung in User und Loser.
Deutschland steht im internationalen Vergleich gar nicht schlecht da: Nicht einmal die Amerikaner sind mehr online als die Deutschen. Der Freizeitmonitor der Stiftung für Zukunftsfragen bietet zwar keine Vergleiche mit anderen Ländern, doch weiß Professor Reinhardt, dass ganz pauschal die Deutschen im Medienkonsum her vorne zu finden sind.
In Sachen Bildung warnt Reinhardt vor einer Spaltung zwischen Onlinern und Offlinern, also Leuten mit und ohne Internetzugang. Drei Viertel der Gymnasiasten nutzen das Internet, aber nicht einmal ein Drittel der Hauptschüler geht online. Die Initiative "Schulen ans Netz" habe demnach nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Internetznutzung setze ja Lesekompetenz voraus. "Wir müssen aufpassen, dass sich Deutschland nicht weiter spaltet in User und Loser (also in Internet-Nutzer und in Verlierer). Diese Gefahr sei aber sehr groß, sagte Reinhardt bei der Präsentation des Monitors am Montag in Berlin.
Zum 25. Mal hintereinander nimmt das Fernsehen den Spitzenplatz in den Freizeitaktivitäten ein. Reinhardt: "Eigentlich müsste man oft von Freizeitpassivitäten reden." Praktisch jeder Deutsche (97 Prozent) schaltet regelmäßig das TV-Programm ein, zumindest einmal pro Woche. Es folgen Telefonieren, Radiohören, Zeitung und Zeitschriften lesen und Unternehmungen mit der Familie.
"Realistisch muss die Beliebtheit des Internets eingestuft werden. Auch wenn der überwiegende Teil der Bevölkerung die Möglichkeit hat, online zu gehen, nutzt dies nicht einmal jeder zweite Bundesbürger." Das Wachstumspotenzial ist aber groß. Seit der letzten Erhebung 2007 hat sich der Anteil der regelmäßigen Internet-User um 9 Prozent auf 48 Prozent erhöht.
Nur für Jugendliche und junge Erwachsene ist ein Leben ohne Surfen im Netz kaum noch denkbar. Mit dem Eintritt ins Berufsleben sinkt jedoch die private Internutzung deutlich.
Dass übrigens Besserverdienende und Höhergebildete nicht nur generell mehr Freizeitaktivitäten, sondern speziell auch mehr Sex als Geringverdiener haben, konnte Reinhardt genauso wenig begründen wie die Aussage, dass Männer mehr Sex haben als Frauen.
ekö
Links
Weitere Informationen und Grafiken auf der Website der Stiftung für Zukunftsfragen
Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen auf EURACTIV.de:
EURACTIV.de: Wie die Europäer ihr Reiseziel auswählen (10. August 2011)
EURACTIV.de: Das Reiseverhalten der Briten (11. August 2011)
EURACTIV.de: Das Reiseverhalten der Italiener (12. August 2011)
EURACTIV.de: Das Reiseverhalten der Spanier (15. August 2011)
EURACTIV.de: Das Reiseverhalten der Dänen (16. August 2011)
EURACTIV.de: Das Reiseverhalten der Niederländer (17. August 2011)
EURACTIV.de: Das Reiseverhalten der Polen (18. August 2011)
EURACTIV.de: Das Reiseverhalten der Franzosen (22. August 2011)
EURACTIV.de: Das Reiseverhalten der Russen (23. August 2011)
EURACTIV.de: Das Reiseverhalten der Österreicher (24. August 2011)