Integration als Schicksalsfrage Deutschlands

Die Situation vieler Migranten auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungsbereich ist dramatisch. Dies geht aus dem Regierungsbericht zur "Lage von Ausländern" hervor. Staatsministerin Böhmer fordert ein verstärktes Angehen dieser "Großbaustellen".

Staatsministerin Maria Böhmer erklärt, dass die Situation der Ausländer in Deutschland in den vergangenen vier Jahren große Fortschritte gemacht hat, jedoch „ohne das komplette Ziel zu erreichen“. Foto: dpa
Staatsministerin Maria Böhmer erklärt, dass die Situation der Ausländer in Deutschland in den vergangenen vier Jahren große Fortschritte gemacht hat, jedoch "ohne das komplette Ziel zu erreichen". Foto: dpa

Die Situation vieler Migranten auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungsbereich ist dramatisch. Dies geht aus dem Regierungsbericht zur „Lage von Ausländern“ hervor. Staatsministerin Böhmer fordert ein verstärktes Angehen dieser „Großbaustellen“.

Die Situation vieler Migranten auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungsbereich ist dramatisch. Dies geht aus dem Regierungsbericht zur "Lage von Ausländern" hervor. Staatsministerin Maria Böhmer fordert ein verstärktes Angehen dieser "Großbaustellen".

"Deutschland muss das Land der Aufsteiger werden," erklärte die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration bei der Vorstellung des "Berichts über die Lage der Ausländer und Ausländerinnen in Deutschland".

Die CDU-Politikerin erklärte, dass die Situation der Ausländer in Deutschland in den vergangenen vier Jahren große Fortschritte gemacht habe, jedoch "ohne das komplette Ziel zu erreichen". Die wachsende Vielfalt Deutschlands solle zum Erfolgsmodell für das Land werden. Integration sei eine Schicksalsfrage geworden.

"Mittlerweile hat etwa jedes dritte Kind unter fünf Jahren einen Migrationshintergrund. Es ist unsere Aufgabe, diesen Wandel in der Gesellschaft zu gestalten," erklärte Böhmer. Die Schwerpunkte der Regierung bei der Integrationspolitik seien die Verbreitung der deutschen Sprache unter Ausländern und auf deren Partizipation am öffentlichen Leben und auf den Bildungsbereich fokussiert.

Nationale Bildungsoffensive

Es sei eine nationale Bildungsoffensive notwendig, um mehr jungen Migranten den Aufstieg zu ermöglichen, betonte Böhmer: "Nur wer Deutsch kann, wenn er in die Schule kommt, hat gleiche Startchancen. In den Kindergärten müssen dafür die Grundlagen gelegt werden." Noch würden Migranteneltern neun Prozent weniger häufig als Eltern ohne Migrationshintergrund diese Möglichkeit für ihr Kind nutzen. "Um dies zu ändern, setze ich mich für ein verpflichtendes, beitragsfreies letzes Kindergartenjahr ein," so Böhmer.

Schulen sollen Orte der Integration werden. Hierzu brauche man mehr Lehrkräfte, die selbst einen Migrationshintergrund haben. Im Moment seien das nur fünf Prozent der Lehrer im gesamten Schulsystem. Des Weiteren sollten Eltern selbst Integrationskurse besuchen und ihre Kinder dazu motivieren, Deutsch zu lernen.

Integrationskurse als Erfolgsmodell

Böhmer gab bekannt, dass Integrationskurse ein Erfolg gewesen sind: Seit 2005 hätten mehr als 600.000 Migranten an einem Integrationskurs teilgenommen. Weit mehr als die Hälfte von ihnen freiwillig.

Nach dem Schulschluss findet in Deutschland ein deutschstämmiger Mensch einen Arbeitsplatz in etwa drei Monaten, ein gleich qualifizierter Mensch mit Migrationshintergrund müsse 17 Monate warten. Das müsse anders werden. "Integration gelingt vor allem über den Arbeitsmarkt. Umso wichtiger ist es, hier Chancengleichheit zu erreichen."

edo

Links

Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration: 8. Bericht – über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland (Juni 2010)

Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration:
Kurz-Zusammenfassung des 8. Berichts über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland (7. Juli 2010)