Kandidaten für Sacharow-Preis nominiert
Wer wird dieses Jahr in die Fußstapfen von Nelson Mandela und Aung San Suu Kyi treten? Beide haben den Sacharow-Preis des EU-Parlaments erhalten. Dieses Jahr sind eine israelische Nichtregierungsorganisation, ein kubanischer Journalist und die äthiopische Oppositionsführerin nominiert.
Wer wird dieses Jahr in die Fußstapfen von Nelson Mandela und Aung San Suu Kyi treten? Beide haben den Sacharow-Preis des EU-Parlaments erhalten. Dieses Jahr sind eine israelische Nichtregierungsorganisation, ein kubanischer Journalist und die äthiopische Oppositionsführerin nominiert.
Am Donnerstag (21. Oktober) entscheiden die Fraktionsvorsitzenden des EU-Parlaments gemeinsam mit Parlamentspräsident Jerzy Buzek darüber, wer dieses Jahr den Sacharow-Preis erhalten wird. Anfang der Woche hatte der Menschenrechtsausschuss drei der ursprünglich neun Kandidaten ausgewählt.
Nominiert ist die israelische Nichtregierungsorganisation (NGO) "Breaking the Silence", die israelischen Soldaten eine Plattform bietet, um über ihre Erfahrungen in den besetzen Gebieten zu sprechen. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im EU-Parlament Daniel Cohn-Bendit sagte: "Wenn wir für Breaking the Silence stimmen, stimmen wir für Frieden, für die Ehre der israelischen Demokratie und wir sprechen uns für zwei Staaten aus: den palästinensischen und den israelischen."
Außerdem stimmten die Abgeordneten für den kubanischen Dissidenten Guillermo Fariñas. Der Kubaner setzt sich als unabhängiger Journalist gegen die Zensur des kubanischen Regimes ein und ist dazu schon 23 mal in Hungerstreik getreten. "Fariñas ist ein Symbol im Kampf gegen die Inhaftierung von politischen Gegnern", sagte der spanische Abgeordnete José Ignacio Salafranca (EVP). Fariñas sei der ideale Kandidat für die Auszeichung, weil er die Würde und Demokratie in seinem Land verteidige.
Dritte Nominierte ist die äthiopische Oppositionsführerin Birtukan Mideksa. Die ehemalige Richterin wurde Ende 2008 verhaftet und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Nach zwei Jahren wurde sie Anfang Oktober freigelassen. "Der Sacharow-Preis sollte an diejenigen verliehen werden, die internationale Sichtbarkeit und Schutz benötigen. Birtukan Mideksa benötigt beides", so der rumänische Abgeordnete Adrian Severin (PASD). Mideksa repräsentiere alle politischen Gefangenen Äthiopiens. Die Auszeichnung mit dem Sacharow-Preis würde auf den Kampf tausender vergessener politischer Gefangener in Äthiopien aufmerksam machen.
Grundrechte, Meinungsfreiheit und der Kampf gegen Unterdrückung
Benannt ist der Preis nach Andrej Sacharow, einem sowjetischen Physiker, Dissidenten und Träger des Friedensnobelpreises. Die Auszeichnung wird seit 1988 vergeben und ist mit 50.000 Euro Preisgeld dotiert.
Er zeichnet Personen oder Organisationen aus, die sich besonders für den Schutz der Grundrechte, die Meinungsfreiheit und den Kampf gegen Unterdrückung einsetzen. 2008 hatte die Vergabe an den inhaftierten chinesischen Bürgerrechtler Hu Jia die Regierung in Peking verstimmt.
Die jährliche Preisverleihung findet am 15. Dezember statt. Damit fällt sie mit den Feierlichkeiten zur Unterzeichnung der UN-Charta für Menschenrechte am 10. Dezember 1948 zusammen.
Bisherige Preisträger des Sacharow-Preises
1988 – Nelson Mandela, Anatoli Marchenko (nach seinem Tod geehrt)
1989 – Alexander Dub?ek
1990 – Aung San Suu Kyi
1991 – Adem Demaçi
1992 – Las Madres de la Plaza de Mayo
1993 – Oslobodjenje
1994 – Talisma Nasreen
1995 – Leyla Zana
1996 – Wei Jingsheng
1997 – Salima Ghezali
1998 – Ibrahim Rugova
1999 – Xanana Gusmão
2000 – ¡Basta Ya!
2001 – Izzat Ghazzawi, Nurit Peled-Elhanan, Dom Zacarias Kamwenho
2002 – Oswaldo José Payá Sardiñas
2003 – Kofi Annan (UN)
2004 – Zhanna Litvina (Weißrussischer Journalistenverband)
2005 – Ladies in White, Hauwa Ibrahim, Reporter ohne Grenzen
2006 – Alexander Milinkevich
2007 – Salih Mahmoud Osman
2008 – Hu Jia
2009 – Memorial
hme
Links
EU-Parlament: Sacharow-Preis
EURACTIV.de: Russische Menschenrechtler erhalten Sacharow-Preis (22. Oktober 2009)