Mehrere EU-Länder lehnen vierte Corona-Impfung ab
Regierungen und Gesundheitsbehörden in ganz Europa haben Zweifel, dass eine vierte Dosis der Corona-Impfung für ihre Bevölkerungen notwenig ist. Einige Länder haben den Doppel-Booster jedoch für bestimmte Risikogruppen empfohlen.
Regierungen und Gesundheitsbehörden in ganz Europa haben Zweifel, dass eine vierte Dosis der Corona-Impfung für ihre Bevölkerungen notwenig ist. Einige Länder wie Deutschland, Frankreich, Spanien, Polen und Ungarn haben den Doppel-Booster jedoch für bestimmte Risikogruppen empfohlen.
Diese Stellungnahmen der EU-Länder erfolgten parallel oder kurz nach der Erklärung der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) über eine mögliche vierten Corona-Impfung für besonders gefährdete Gruppen Mitte Januar.
Andere Länder, zum Beispiel Österreich, Kroatien, Albanien, Slowenien, Bulgarien und die Tschechische Republik, haben sich noch nicht zu dem Doppel-Booster geäußert. Teilweise lässt sich das darauf zurückzuführen, dass nur ein kleiner Teil der Menschen den ersten Impfzyklus abgeschlossen hat.
In mehreren Ländern ist ein allgemeiner Trend zur Normalisierung der Impfungen zu beobachten, da die laufenden Massenimpfkampagnen langsam abgeschlossen sind.
In Deutschland hat die Ständige Impfkommission (STIKO) eine vierte Dosis nur für bestimmte, besonders gesundheitlich gefährdete Gruppen empfohlen. Dazu gehören über 70-Jährige, Menschen in Pflegeeinrichtungen, immungeschwächte Personen und Beschäftigte im Gesundheits- und Pflegesektor.
Im Falle Frankreichs sagte der Leiter der Impfkampagne, Alain Fischer, am Mittwoch (9. Februar) vor der Senatskommission, dass es derzeit „keine Elemente gibt, die für eine vierte Dosis sprechen“.
Auch Elisabeth Bouvet von der Obersten Gesundheitsbehörde erklärte am 15. Januar, dass „es überhaupt nicht sicher ist, dass wir eine vierte Dosis brauchen“. Jedoch werden „Personen mit hohem Risiko und insbesondere immungeschwächte Personen, die zum Beispiel nicht gut auf die Impfung reagieren, sicherlich eine vierte Dosis benötigen, um ihre Immunität zu stärken, und dies wird bereits getan“.
Spanien hat im Januar die vierte Dosis für die so genannte ‚Gruppe sieben‘ zugelassen. Dazu gehören Patient:innen, die eine Krankheit haben, die in Kombination mit dem Coronavirus tödlich sein könnte, oder auch immungeschwächte Menschen.
In Polen hat das Gesundheitsministerium am Mittwoch (9. Februar) Empfehlungen für die vierte Impfung veröffentlicht. Demnach können immungeschwächte Personen die vierte Dosis frühestens fünf Monate nach der dritten Dosis erhalten. Das elektronische Überweisungsverfahren für gefährdete Personen startete am 4. Februar, und nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden bereits mehr als tausend elektronische Überweisungen ausgestellt.
In Ungarn wurde das Empfehlungsverfahren anders gehandhabt: Das Land stellt die vierte Impfung nur auf Empfehlung des Arztes zur Verfügung. Es gibt keine nationale Strategie, die Gesetzgebung überlässt die Entscheidung vollständig den Ärzt:innen. Expert:innen haben jedoch vorgeschlagen, die vierte Dosis für immungeschwächte oder immunsupprimierte Personen, Personen über 60 Jahre, die zwei Sinopharm-Impfstoffe als Grundimmunisierung erhalten haben (und die anschließend mit einem EU-anerkannten Impfstoff geimpft wurden), und Beschäftigte im Gesundheitswesen mit hohem Risiko (zum Beispiel Corona-Stationspersonal) zu empfehlen.
Die portugiesische Regierung beschloss, in dieser Angelegenheit anders zu handeln. Im Dezember reichte sie einen Beschaffungsantrag bei der EU ein, in dem sie um einen neuen, an die Omicron-Variante angepassten Impfstoff bat, falls eine vierte Dosis erforderlich sein sollte. In der autonomen Region Madeira haben die regionalen Behörden zudem am 31. Januar bekannt gegeben, dass die vierte Dosis allen über 16-Jährigen verabreicht wird, die immunsupprimiert sind, an onkologischen Krankheiten leiden, Dialysepatienten sind oder ein Transplantat erhalten haben.
Die italienischen Institutionen geben noch keine öffentliche Bewertung der gefährdeten Kategorien ab. Doch der Direktor der italienischen Arzneimittelbehörde (AIFA), Nicola Magrini, sagte am Donnerstag (10. Januar) gegenüber Rai3, dass „es keine vierte Dosis geben“ werde. Magrini erklärt, dass sich die Menschen an den Gedanken gewöhnen sollten, dass der nächste Anti-Corona-Impfstoff eine jährliche Auffrischung sein wird, hofft er.
In Österreich hat die zuständige Expertenkommission noch nicht entschieden, ob eine vierte Dosis notwendig ist. Auch über eine jährliche Impfung wurde noch nichts bekannt gegeben. Ähnlich ist die Situation in Kroatien, wo zudem die Impfquote noch besonders niedrig ist.
In Albanien gibt es noch keine Diskussion über weitere Impfungen und das Impfverwaltungssystem des Landes ermöglicht derzeit keine vierte Dosis. Das Thema wird derzeit nicht öffentlich diskutiert, da die Impfraten sehr niedrig und die Auffrischungsraten noch niedriger sind. Insgesamt ist COVID-19 kein großes Gesprächsthema mehr in der Regierung oder in der Gesellschaft.
Auch in Slowenien wurde sehr wenig über die vierte Dosis gesprochen, was nicht überrascht, da das Land eine der niedrigsten Impfraten in der EU hat. Selbst mit den beiden Grundimpfungen scheint es schwierig, eine Durchimpfungsrate von 60 Prozent zu erreichen, ganz zu schweigen von Auffrischungsimpfungen oder einer möglichen vierten Impfung.
Die slowenische Vorsitzende der beratenden Regierungsgruppe für COVID-19, Bojana Beović, sagte Anfang Januar, dass das Land die Einführung einer vierten Dosis erwäge, die sechs Monate nach der Auffrischungsimpfung zur Verfügung stehen würde. Sie sagte, die Entscheidung werde wahrscheinlich im März fallen. Es wurde nicht erwähnt, ob sie allgemein verfügbar oder auf bestimmte Risikogruppen beschränkt sein würde.
Auch in Bulgarien gibt es keine Empfehlungen, und das Land hat noch keinen Standpunkt über oder Pläne für eine vierte Impfdosis. Lediglich einige Medizinexpert:innen sprachen von einer möglichen jährlichen Impfung für ältere und gefährdete Menschen, ähnlich wie bei der Grippeimpfung.
Auch in der Tschechischen Republik gibt es keine wirkliche Diskussion über die vierte Dosis. Das Gesundheitsministerium hat derzeit weder eine Erklärung noch einen Kommentar zu diesem Thema abgegeben. Lediglich einige unabhängige Expert:innen meinten, dass dies in Zukunft ein Thema sein könnte, allerdings nur für Risikogruppen.
(Eleonora Vasques | EURACTIV.com, Davide Basso | EURACTIV.fr, Oliver Noyan | EURACTIV.de, Alice Taylor | EURACTIV.com, Sebastijan R. Maček | sta.si, Željko Trkanjec | EURACTIV.hr, Sarantis Michalopoulos | EURACTIV.com, Vlagyiszlav Makszimov | EURACTIV.com, Pol Afonso Fortuny | EURACTIV.com, Krasen Nikolov | EURACTIV, Aneta Zachova | EURACTIV.cz, Julia Dahm | EURACTIV.de, Maria de Deus Rodrigues | Lusa.pt, Mateusz Kucharczyk | EURACTIV.pl, Clara Bauer-Babef | EURACTIV.fr, Bogdan Neagu | EURACTIV.ro)