Wie die Europäer ihr Reiseziel auswählen
Worauf die Europäer bei der Urlaubsplanung den größten Wert legen und nach welchen Kriterien sie ihr Reiseziel auswählen: In einer Sommerserie fasst EURACTIV.de die Ergebnisse der Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen zusammen. Heute: die Europäer allgemein. Morgen: die Briten.
Worauf die Europäer bei der Urlaubsplanung den größten Wert legen und nach welchen Kriterien sie ihr Reiseziel auswählen: In einer Sommerserie fasst EURACTIV.de die Ergebnisse der Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen zusammen. Heute: die Europäer allgemein. Morgen: die Briten.
Die Europäer wissen genau, was sie wollen, wenn sie in den Urlaub fahren. Wichtiger als alles andere ist hierbei ein faires Preis-Leistungsverhältnis. Die Reisenden haben im Urlaub weder überhöhte Leistungsansprüche für ihr Geld, noch wollen sie nur Billigangebote – sie fordern stattdessen Qualitätsstandards, die nachweisbar und bezahlbar sind.
Daneben spielt die Schönheit der Landschaft für die meisten Europäer eine entscheidende Rolle. Der Urlaub wird erst durch eine "schöne Landschaft" wirklich rundum schön, sagen vor allem die Dänen, Polen, Italiener und Franzosen. Insbesondere Reisende aus diesen Ländern wollen in die natürliche Kulisse geradezu eintauchen und so das Grau des Alltags vergessen.
Gastfreundschaft-Garantie wichtiger als Sonnengarantie
Aber auch eine authentische Gastfreundschaft bleibt von Bedeutung. Ein gastliches und herzliches Verhalten des Personals ist in ganz Europa bis zu viermal wichtiger als Angebote zum Aktivurlaub oder ein vielfältiges Kulturangebot. Und in den meisten Ländern legen die Reisenden sogar mehr Wert auf eine garantierte Gastfreundschaft als auf Sonnengarantie.
Neben diesen Kernanforderungen spielen in den einzelnen Ländern unterschiedliche Merkmale eine Rolle:
>> Die Sauberkeit der Unterkunft, am Strand und im Urlaubsort hat für die Briten – und nicht für die Deutschen! – die höchste Bedeutung.
>> Bademöglichkeiten im Meer oder im See sind für die russischen Reisenden besonders wichtig. Während vielen anderen Europäern der Hotelpool ausreicht, suchen die Russen die Kombination von Strand und Wasser, räumlicher Weite und freier Sicht aufs Meer.
>> Ruhe ist dagegen für die Polen außerordentlich bedeutsam. Den Stress des Alltags vergessen, die Seele baumeln lassen und sich einfach im Urlaub fallen lassen ist aber auch für Spanier und Deutsche relevant.
>> Sicherheit spielt für die Italiener eine überdurchschnittliche Rolle auf Reisen. Dies beinhaltet nicht nur die Sicherheit in der Unterkunft, sondern auch eine sichere Anreise, den Schutz auf öffentlichen Plätzen oder das unbeschwerte Erholen am Strand ohne Belästigungen.
Fazit: Bezahlbare Reisen
Fazit: "Reisen ist gegenwärtig die populärste Form von Glück." Wenn dies auch in Zukunft noch gelten soll, muss die Tourismusbranche vor allem eines garantieren: Bezahlbare Reisen für alle Europäer.
Hierbei wird kein 5-Sterne-Urlaub zum 2-Sterne-Preis gefordert, sondern vielmehr die Garantie für ein gutes und ausgewogenes Preis-Leistungs-Verhältnis im gesamten Urlaub. Nicht nur die Kosten für Anreise, Unterkunft und Verpflegung müssen stimmen, sondern auch die indirekten Kosten im Urlaub. Destinationen, in denen ein Mineralwasser zum Preis eines Glases Champagner angeboten wird, überteuerte Souvenirs und Ausflüge auf Abnehmer warten oder extra Geld für Internetzugang oder Strandliege verlangt wird, sind für die Europäer keine Reise wert.
Reiselust der Deutschen kennt keine Grenzen
Trotz des Vulkanausbruchs auf Island und der daraus resultierenden Aschewolke über ganz Europa, trotz der größten Ölkatastrophe in der Geschichte der USA, trotz Terrorwarnung und Anschlagsversuchen in Deutschland verreisten 2010 so viele Deutsche wie schon lange nicht mehr. Insgesamt waren 52 Prozent der Bundesbürger 2010 mindestens fünf Tage unterwegs. Hierbei kannte die Reiselust keine Grenzen, das Urlaubsbudget hingegen schon.
Dies geht aus der 27. Deutschen Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen hervor, in der 4.000 Bundesbürger ab 14 Jahren nach ihrem Urlaubsverhalten 2010 und ihrer Reiseabsicht für 2011 befragt wurden.
Hintergrund:
Die Stiftung für Zukunftsfragen versteht sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, Öffentlichkeit und Politik. Wie schon das BAT Freizeit-Forschungsinstitut stand auch die Stiftung zunächst unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Horst W. Opaschowski. Im Rahmen seiner langjährigen Forschungsarbeit am BAT Institut hat er sich schon frühzeitig gesellschaftlichen Zukunftsfragen gestellt und Zukunftsstudien veröffentlicht. Seit 2011 hat Prof. Dr. Ulrich Reinhardt die wissenschaftliche Leitung der Stiftung inne.
