Belgiens Adresse für 1000 Euro

Wer die belgische Ratspräsidentschaft im Internet sucht, findet ein Angebot bei Ebay. Das belgische Außenministerium ist nicht amüsiert und geht gerichtlich gegen einen gewieften Domain-Verkäufer vor.

Auf der Internet-Auktionsplattform Ebay lässt sich so einiges erwerben. Zum Beispiel die Internet-Domain der belgischen EU-Ratspräsidentschaft. Foto: red.
Auf der Internet-Auktionsplattform Ebay lässt sich so einiges erwerben. Zum Beispiel die Internet-Domain der belgischen EU-Ratspräsidentschaft. Foto: red.

Wer die belgische Ratspräsidentschaft im Internet sucht, findet ein Angebot bei Ebay. Das belgische Außenministerium ist nicht amüsiert und geht gerichtlich gegen einen gewieften Domain-Verkäufer vor.

Lässt sich mit der EU-Ratspräsidentschaft Geld verdienen? Man kann es ja mal probieren, dachte sich wohl ein findiger Geschäftemacher – und sicherte sich die Internet-Adresse: "eu2010.be".

Nun steht die Adresse bei dem Auktionsportal Ebay zum Mindestpreis von 1000 Euro zum Verkauf und wird mit dem Satz beworben: "Viele Klicks während der belgischen Präsidentschaft garantieren ein hohes Werbeeinkommen!". Die Auktion läuft noch bis zum Montag, den 10. Mai, 00:39 Uhr. Bislang hat niemand ein Gebot abgegeben.

Belgien übernimmt am 1. Juli 2010 turnusgemäß den EU-Ratsvorsitz für 6 Monate. Um Erklärungen, Beschlüsse und Termine im Netz zu veröffentlichen, wäre "eu2010.be" gewissermaßen die naturgemäße Internet-Adresse. Schließlich nutzt auch die aktuelle spanische Präsidentschaft die Domain "eu2010", nur mit der spanischen Endung ".es".

Die Belgier sind entsprechend wütend über den Auktions-Coup im Internet. "Wir werden selbstverständlich kein Angebot machen", kommentierte ein Sprecher des belgischen Außenministeriums gegenüber EURACTIV.de. Statt zu zahlen, versucht die belgische Regierung auf dem Rechtsweg gegen den Verkäufer vorzugehen. "Wir hoffen, dass die Situation binnen Ende des Monats juristisch gelöst wird, und wir den Domainnamen eu2010.be frei benutzen können."

Falls das nicht gelingt, wollen die Belgier die Domain der sogenannten Trioratspräsidentschaft (eutrio.eu) nutzen. Sie informiert über die aufeinander folgenden Präsidentschaften von Spanien, Belgien und Ungarn. Dies sei aber sehr unwahrscheinlich, so der Sprecher. "Wir sind sicher, dass dieses Problem sehr bald beseitigt wird."

Ob die Verwirrung um die Internetadresse der erste Vorbote einer chaotischen Ratspräsidentschaft ist, die von einigen Skeptikern aufgrund der Regierungskrise in Belgien erwartet wird, bleibt abzuwarten. Warum jedes Land überhaupt eine eigene Seite braucht, wenn es doch schon "eutrio.eu" gibt, bleibt offen.

edo