Deutsche-Bank-Chefvolkswirt: Die Euro-Krise geht weiter
Portugal ist gut beraten, den Euro-Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen, sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Die Krisen-Staaten hätten ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Portugal ist gut beraten, den Euro-Rettungsschirm in Anspruch zu nehmen, sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Die Krisen-Staaten hätten ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Portugal wird bald Milliardenhilfen aus dem Euro-Rettungsfonds beanspruchen, so die Einschätzung des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, Thomas Mayer. "Zusätzlich zu Griechenland und Irland würde ich mich nicht wundern, wenn Portugal in absehbarer Zeit auch unter den Rettungsschirm schlüpfen muss", sagt Meyer im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Der Ökonom befürwortet diesen Schritt: "Portugal wäre gut beraten, zügig unter den Rettungsschirm zu gehen." Das wäre irgendwann sowieso fällig. "Man könnte eine Hängepartie abkürzen."
"Spanien steht viel besser da"
Die Euro-Staaten in der Schuldenkrise hätten ein Glaubwürdigkeitsproblem, so Mayer. "Sie könnten zwar jetzt ein Sparprogramm veröffentlichen. Aber es dauert zu lange, bis man sieht, ob es funktioniert. Deshalb bleiben die Märkte skeptisch."
Optimismus verbreitet der Ökonom mit Blick auf andere Länder, die als Rettungsschirm-Kandidaten gelten. "Spanien, Italien und Belgien müssten mit ihren Schulden klarkommen können", so Mayer. "Wenn die Aufregung weg ist und alle sich wieder auf die fundamentalen Wirtschaftsdaten konzentrieren, müsste Spanien aus dem Schneider sein". Spanien stehe viel besser da als Griechenland, Irland oder Portugal.
Offene Details verunsichern Anleger
Mayer geht davon aus, dass die Euro-Krise zumindest im ersten Quartal 2011 weitergeht. "Danach, hoffe ich, trifft die Politik Entscheidungen, die mehr Klarheit bringen, so dass sich die Märkte wieder beruhigen." Die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels (EURACTIV.de vom 17. Dezember 2010) seien nun im Detail auszuarbeiten. Klar müsse werden, wie der Weg zum Stabilisierungsmechanismus ab 2013 aussieht und wie private Gläubiger künftig bei Schuldenkrisen beteiligt werden. Beides sei bislang vage. "Das ist so, als ob Sie den Patienten in den Operationssaal führen und ihm dann sagen: Der Arzt studiert gerade die Operationstechnik."
awr
Links
Presse
FAZ: "Die Euro-Krise wird 2011 weitergehen". Interview mit Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer (26. Dezember 2010)
Handelsblatt: Experten fürchten Ausweitung der Schuldenkrise (26. Dezember 2010)
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de
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"In Griechenland herrscht ein Klima der Verzweiflung" (22. November 2010)
Dokumente zum EU-Gipfel am 16./17. Dezember
EU-Kommission: Remarks by President Barroso at the press conference of the first day of the European Council (17. Dezember 2010)
Rat: Opening remarks by President Herman Van Rompuy at the meeting of Heads of State or Government (16. Dezember 2010)
Rat: Tagung des Europäischen Rates 16./17. Dezember 2010 – Schlussfolgerungen (17. Dezember 2010)
Bundesregierung: Pressestatement von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rande des Europäischen Rates (16. Dezember 2010)
EU-Parlament: Legitimität und klare Regeln sind unabdingbar für einen effektiven Krisenmechanismus (16. Dezember 2010)
Dokumente zum Rettungsschirm
Rat: Statement by the Eurogroup and ECOFIN Ministers: Irland-Hilfe (28. November 2010)
Rat: Statement by the Eurogroup: Irland-Hilfe (28. November 2010)
Rat: Pressemitteilung zur außerordentlichen Sitzung der EU-Finanzminister (10. Mai 2010)
Rat: Verodnung 407/2010 zur Einführung eines europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus (11. Mai 2010)
European Financial Stability Facility / EFSF: Internetseite
Finanzministerium: European Financial Stability Facility (EFSF)- Rahmenvertrag (7. Juni 2010)
Bundestag: Entwurf eines Gesetzes zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus. Drucksache 17/1685 "(11. Mai 2010)