Deutsche Versicherer wehren sich gegen Solvency II

Die deutschen Versicherer laufen Sturm gegen die geplanten Eigenkapital-Regeln für die Branche in Europa. "Das gäbe Chaos. Solvency II ist nicht funktionsfähig", sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth.

Die Versicherungsregulierung Solvency II sei theoretisch richtig, aber vor allem für kleine Versicherer praktisch nicht machbar, warnt der Hauptgeschäftsführer des GDV. Angesichts hoher Kosten drohen sie aus dem Markt gedrängt zu werden. Foto: dpa
Die Versicherungsregulierung Solvency II sei theoretisch richtig, aber vor allem für kleine Versicherer praktisch nicht machbar, warnt der Hauptgeschäftsführer des GDV. Angesichts hoher Kosten drohen sie aus dem Markt gedrängt zu werden. Foto: dpa

Die deutschen Versicherer laufen Sturm gegen die geplanten Eigenkapital-Regeln für die Branche in Europa. „Das gäbe Chaos. Solvency II ist nicht funktionsfähig“, sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg von Fürstenwerth.

Die europäischen Versicherungsaufseher hatten im Herbst in der fünften und letzten Auswirkungsstudie (QIS5) seit 2005 nochmals überprüft, wie die Branche mit den neuen Regeln fertig würde. Diese sollen die Versicherten schützen, indem die Versicherer gezwungen werden, die Risiken in den Büchern besser einzuschätzen.

Der Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Jörg von Fürstenwerth, sagte am Mittwoch in Frankfurt, die QIS5-Studie habe massiven Nachbesserungsbedarf an dem als "Solvency II" bekannten Regelwerk gezeigt, das Anfang 2013 in Kraft treten soll. "Das gäbe Chaos. Solvency II ist nicht funktionsfähig", sagte der Verwaltungschef des Branchenverbandes.

"Es geht nicht um Kosmetik"

Auch längere Übergangsfristen lösten das Problem allein nicht. "Es geht nicht um Kosmetik." Frankreich, Spanien und Großbritannien sieht der deutsche Verband dabei auf seiner Seite. Die EU-Kommission hatte einen Anpassungszeitraum von bis zu zehn Jahren in Aussicht gestellt.

Die neue Aufsichtsbehörde EIOPA will die Ergebnisse der QIS5-Studie Anfang März offiziell vorstellen. "Unsere Unternehmen stehen in der QIS5 gut da", sagte Geschäftsführer Axel Wehling vom GDV. Sie hätten dort die Eigenkapitalanforderungen wie schon in der vorangegangenen QIS4 deutlich übertroffen.

Dennoch übte der GDV Kritik am turbulenten Ablauf der Studie und an der Umsetzbarkeit der Regeln. Ständige Nachbesserungen an den mehr als 1.000 Seiten starken Studien-Unterlagen hätten das Vertrauen der Versicherer in Solvency II erschüttert. 60 Prozent der deutschen Branchenunternehmen hatten sich an QIS5 beteiligt.

Theoretisch richtig, aber zu komplex

Solvency II sei in der bei der "Generalprobe" vorgestellten Form zu komplex. "Solvency II ist theoretisch richtig, aber vor allem für kleine Versicherer praktisch nicht machbar." Sie drohten angesichts hoher Kosten aus dem Markt gedrängt zu werden. Die Kennziffern, mit deren Hilfe der Eigenkapitalbedarf der Versicherer ermittelt werden soll, schwankten viel zu stark. Sie verlangten Prognosen der Zinsentwicklung über bis zu 135 Jahre und zeigten plötzlich einen Eigenkapitalbedarf an, obwohl sich an den Finanzen nichts geändert habe. "Dann müsste die ganze Branche zur gleichen Zeit Kapitalerhöhungen durchführen", warnte von Fürstenwerth. Langfristige Zinsgarantien würden dadurch teurer oder unmöglich.

Damit drohe Geschäft von der klassischen Lebensversicherung in Pensionsfonds abzuwandern, die nicht von Solvency II erfasst werden, sagte von Fürstenwerth. Einzelne Risiken in den Geldanlagen der Versicherer würden überbewertet. Zudem gebe das System falsche Anreize für die Versicherer, ihr Geld nur noch kurzfristig zu investieren. "Unsere Rolle als langfristige Investoren am Kapitalmarkt können sie dann vergessen", sagte der Verbandsgeschäftsführer. Allein die deutschen Versicherer haben rund 1,2 Billionen Euro angelegt.

EURACTIV/rtr/dto

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