Digitale Kluft als Chance für den Generationenaustausch
Die derzeitige digitale Kluft zwischen jungen und älteren Menschen kann einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge eine Chance sein, mehr Interaktionen und einen stärkeren Zusammenhalt zwischen den Generationen zu ermöglichen.
Die derzeitige digitale Kluft zwischen jungen und älteren Menschen kann einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge eine Chance sein, mehr Interaktionen und einen stärkeren Zusammenhalt zwischen den Generationen zu ermöglichen.
Der Versuch, die Wissenslücke zwischen den Generationen zu schließen, die durch die größere Vertrautheit der Jüngeren mit der Technologie entsteht, kann engere Verbindungen zwischen der jüngeren und der älteren Generation schaffen, so die Studie, die auf einer Umfrage unter 12 850 europäischen Bürger:innen beruht.
Rund 40 Prozent der Befragten aus der älteren Generation würden am liebsten neue Technologien und digitale Medienkenntnisse von jüngeren Menschen erlernen.
Umgekehrt scheinen ähnlich viele jüngere Befragte daran interessiert zu sein, ihr Wissen über digitale Technologien mit älteren Menschen zu teilen, wobei der höchste Prozentsatz in Spanien (48 Prozent), Irland (44 Prozent) und Italien (43 Prozent) erreicht wurde.
Laut Jean-Luc Lemercier, Corporate Vice-President EMEA, Kanada und Lateinamerika bei Edwards Lifesciences, dem pharmazeutischen Unternehmen, das die Studie veröffentlicht hat, wird der Einsatz digitaler Hilfsmittel im Leben älterer Menschen immer wichtiger.
Und die Bedeutung der Technologie geht über reine Kommunikationsaspekte hinaus. „Für Menschen über 70 ist der Kontakt mit der digitalen Welt in ihrem Alltag bereits Realität“, so Lemercier.
Seiner Meinung nach muss die jüngere Generation die Älteren unterstützen und ihnen helfen, ihre digitalen Fähigkeiten zu verbessern und zu lernen, wie sie die Technologie in ihrem täglichen Leben besser nutzen können.
„Dies ist ein wichtiger Faktor für die Solidarität zwischen den Generationen“, fügte er hinzu.
Das Konzept der Solidarität zwischen den Generationen beinhaltet ein besseres Verständnis für die Stärken sowohl der jüngeren als auch der älteren Menschen und dafür, was sie zur Gesellschaft beitragen können.
„Bei der Solidarität zwischen den Generationen geht es darum, alle Altersgruppen zusammenzubringen und den Wert anzuerkennen, den sie alle zur Förderung des Zusammenhalts zwischen den Generationen beitragen können“, sagte Adrienne McCann, Forschungsmanagerin am Innovation Value Institute in Maynooth, die auch an der Ausarbeitung des Berichts beteiligt war.
Ihrer Meinung nach gibt es viele Möglichkeiten, ältere und junge Menschen im Hinblick auf ihre jeweiligen Stärken zusammenzubringen, insbesondere im Bereich der digitalen Kompetenz, wo ältere Menschen den Umgang mit der Technologie erlernen wollen, während junge Menschen es ihnen beibringen können.
„Jüngere und ältere Menschen haben nicht immer die gleichen Interessen. Wenn man also versucht, eine Verbindung zu schaffen, kann man nicht erwarten, dass sie sich einfach einklinken“, betonte sie und spielte damit auf die Möglichkeit an, dass die digitale Wissenslücke zu einer Brücke zwischen den Generationen werden könnte.
Gegenseitiger Austausch
Wie wichtig die neuen Technologien für die Verbesserung der gesellschaftlichen Beziehungen sind, zeigte sich während der Pandemie, als die verschiedenen Altersgruppen stärker voneinander isoliert wurden, wenn sie nicht über soziale oder digitale Kanäle in Kontakt treten konnten.
„Aus der Sicht älterer Menschen, vor allem wenn sie an einer Grunderkrankung litten, war die Angst, sich mit Corona zu infizieren, sehr groß, sodass sie sich nicht außerhalb ihrer Blase bewegen wollten“, sagte McCann.
Sie wies darauf hin, dass in ihrer Heimat Irland ältere Menschen wie in einem Kokon gefangen waren und ihr Zuhause nicht verlassen durften, was zu Problemen in Bezug auf soziale Isolation, psychische Probleme und Wohlbefinden führte.
Beide Altersgruppen in der Umfrage scheinen sich einig zu sein, dass sich jüngere und ältere Menschen seit der Pandemie weiter voneinander entfernt haben.
Wenn die digitale Welt während der Pandemie die einzige Möglichkeit zu sein schien, miteinander in Kontakt zu treten, kann die Entwicklung von Schulungsprogrammen zur Interaktion mit digitalen Medien nun neue Möglichkeiten zur Förderung der Solidarität bieten.
Der Bericht schlägt die Einführung von Programmen vor, die es älteren Menschen ermöglichen, ihre digitalen Fähigkeiten und ihre Konnektivität auszubauen, um so sozialer Isolation entgegenzuwirken.
Dieser generationenübergreifende Austausch ist jedoch keineswegs einseitig, da es auch Aktivitäten gibt, bei denen ältere Menschen ihre Erfahrungen mit jüngeren Menschen teilen können.
„Das wichtigste Ergebnis [der Umfrage] war, dass ich gesehen habe, wie sehr sich junge Menschen für die Arbeit mit älteren Menschen interessieren. Es gibt eine bestimmte Gruppe Jugendlicher, die sich ganz natürlich mit älteren Menschen austauschen möchte, weil sie mehr Lebenserfahrung haben – vielleicht mit ihren Großeltern“, so McCann.
Der Bericht zeige aber auch, dass Menschen, die in ihrer Kindheit nicht viel mit älteren Menschen zu tun hatten, sich dennoch an der älteren Bevölkerung orientieren, sie unterstützen und ihnen Gesellschaft leisten wollen.
„Die politischen Entscheidungsträger:innen müssen die Solidarität zwischen den Generationen durch geeignete politische Initiativen stärken, die das Fachwissen, die Fähigkeiten und die Erfahrung der älteren Generation nutzbar machen. Dadurch können neue Möglichkeiten für ältere Menschen geschaffen werden, als Mentoren zu fungieren und ihr Wissen an jüngere Generationen weiterzugeben“, so Lemercier von Edwards Lifescience abschließend.
[Bearbeitet von Alice Taylor]