Donaustrategie: Koordinatoren und Schwerpunkte stehen fest

EU-Regionalkommissar Johannes Hahn gab heute (Donnerstag) in Budapest gemeinsam mit seinem ungarischen Kollegen János Martonyi die Koordinatoren für die elf Themen der EU-Donaustrategie bekannt. Die Donaustrategie soll die Zusammenarbeit zwischen acht EU-Ländern und sechs weiteren europäischen Staaten im Donauraum verstärken. EURACTIV.de dokumentiert, welche Länder welche Schwerpunktbereiche koordinieren.

Ein EU-Kommissar Hahn mit leeren Händen? Foto: dpa
Ein EU-Kommissar Hahn mit leeren Händen? Foto: dpa

EU-Regionalkommissar Johannes Hahn gab heute (Donnerstag) in Budapest gemeinsam mit seinem ungarischen Kollegen János Martonyi die Koordinatoren für die elf Themen der EU-Donaustrategie bekannt. Die Donaustrategie soll die Zusammenarbeit zwischen acht EU-Ländern und sechs weiteren europäischen Staaten im Donauraum verstärken. EURACTIV.de dokumentiert, welche Länder welche Schwerpunktbereiche koordinieren.

Ende 2010 hat die Europäische Kommission eine globale Strategie für den Donauraum vorgestellt, der sich über acht EU-Mitgliedstaaten und sechs weitere europäische Länder erstreckt. Mit dieser Strategie soll das riesige Wirtschaftspotenzial der Donau stärker ausgebaut werden.

In ihrem Mittelpunkt stehen konkrete Aktionsbereiche wie die Verbesserung von Schiffbarkeit, Wasserqualität und Zusammenarbeit im Bereich der Sicherheit sowie die Förderung des Tourismus.

Zur konkreten Umsetzung der Strategie hat der für Regionalpolitik zuständige EU-Kommissar Johannes Hahn heute, Donnerstag, in Budapest gemeinsam mit dem ungarischen Außenminister János Martonyi bekanntgegeben, welche Länder und Regionen die einzelnen Schwerpunktbereiche koordinieren werden. Die benannten Länder werden die Umsetzung der Strategie vorantreiben, indem sie in Abstimmung mit den anderen beteiligten Ländern und Partnern, wie Nichtregierungsorganisationen, ein Arbeitsprogramm aufstellen und Finanzierungsquellen ausfindig machen.

Keine zusätzlichen Finanzmittel

Es wurden elf Schwerpunktbereiche benannt. Mit der Strategie soll erreicht werden, dass die Länder eng zusammenarbeiten und die verfügbaren EU-Mittel effizienter nutzen; zusätzliche Finanzmittel werden nicht bereitgestellt, und es werden auch keine neuen Rechtsvorschriften erlassen oder neue Einrichtungen geschaffen.

Vor der Bekanntgabe der Koordinatoren für die Schwerpunktbereiche sagte Hahn: "Mit der Strategie erhält die Zusammenarbeit in der Region eine neue und ehrgeizige Komponente. Ich freue mich sehr, dass jeder der Anrainer-Mitgliedstaaten mindestens einen Schwerpunktbereich koordiniert und dass sich auch mehrere Nichtmitgliedstaaten aktiv einbringen."

"Realer Beitrag für bessere Zukunft"

Die Koordinatoren sollen nun die vorrangigen Maßnahmen ermitteln, mit deren Hilfe die Region aufblühen und ihr wirtschaftliches Potenzial ausschöpfen kann. "Wir haben in der Strategie die vorrangigen Themen wie Mobilität, Energie, Umweltverschmutzung, Innovation, Beschäftigung und Sicherheit aufgegriffen, so dass ich sicher bin, dass sie einen realen Beitrag für eine bessere Zukunft in diesem Teil Europas leisten wird."

Der Donauraum erstreckt sich von Deutschland im Westen bis zur Ukraine im Osten. Er steht vor vielen Herausforderungen unterschiedlichster Art: brachliegendes Schifffahrtspotenzial, unzureichende Straßen- und Schienenverkehrsverbindungen, unkoordinierte Vorhaben in den Bereichen Bildung, Forschung und Innovation.

Konzept für Ostseeraum als Vorbild

Die Zusammenarbeit in der "Makroregion" soll eine effizientere Abstimmung ermöglichen. Dieses Konzept – es wurde im Ostseeraum erstmals angewandt – sieht keine neuen Rechtsvorschriften oder Einrichtungen vor, sondern stärkt die Verbindungen zwischen verschiedenen Politikbereichen und koordiniert die Bemühungen zahlreicher beteiligter Akteure.

Diese Form der Zusammenarbeit soll u. a. bei Problemen wie Hochwasser, Zerstörung von Habitaten mit hoher biologischer Vielfalt und Warenschmuggel zum Tragen kommen. Sie kann auch neue Perspektiven bieten, indem z. B. die Schiffbarkeit des Flusses verbessert wird und die nationalen Energiemärkte miteinander verflochten werden, um Engpässe in der Strom- und Brennstoffversorgung auszuschließen.

Mit der EU-Strategie für den Donauraum sind zwar keine zusätzlichen EU-Mittel verbunden, doch werden bereits beträchtliche Mittel aus zahlreichen EU?Programmen für die Region bereitgestellt. Es gilt nun, diese Mittel – allein 100 Milliarden Euro im Rahmen der Kohäsionspolitik (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung, Kohäsionsfonds, Europäischer Sozialfonds) im Zeitraum 2007?2013 – effizienter zu nutzen und zu zeigen, wie makroregionale Zusammenarbeit zur Lösung lokaler Probleme beitragen kann.

Nachdem die Koordinatoren für die einzelnen Schwerpunktbereiche nun benannt sind, muss die Strategie im Juni vom Europäischen Rat gebilligt werden.

Aktionsplan auf vier Pfeilern

Die Strategie umfasst einen ausführlichen Aktionsplan, der auf vier Pfeilern ruht:

– Anbindung des Donauraums (z. B. Verbesserung der Mobilität, Förderung der Nutzung nachhaltiger Energien sowie Förderung von Kultur und Tourismus)

– Umweltschutz im Donauraum (z. B. Wiederherstellung der Wasserqualität, Management von Umweltrisiken und Erhalt der Artenvielfalt)

– Aufbau von Wohlstand im Donauraum (z. B. Ausbau der Forschungskapazität, Verbesserung der Bildung und Weiterentwicklung der Informationstechnologien, Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen sowie Investitionen in Menschen und ihre Qualifikationen)

– Stärkung des Donauraums (z.B. Erweiterung der institutionellen Kapazität und Verbesserung der Zusammenarbeit zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität)

Zeitlich befristete Ziele

Darüber hinaus umfasst die Strategie eine Reihe zeitlich befristeter Schwerpunktziele, darunter:

– Entwicklung effizienter multimodaler Terminals in den Donauhäfen, um die Binnenwasserstraßen bis 2020 mit Straße und Schiene zu verbinden

– Umsetzung von Hochwasserrisikoplänen für die gesamte Donau – sie sind nach der EU-Hochwasserrichtlinie 2015 fällig –, wodurch u. a. das Hochwasserrisiko bis 2021 deutlich verringert wird

– Verringerung der Nährstoffausbringung, damit die Ökosysteme im Schwarzen Meer bis 2020 erneut den Stand von 1960 erreichen

– Breitbandhochgeschwindigkeitszugang zum Internet für alle EU-Bürgerinnen und Bürger in der Region bis 2013

– Investition von 3 Prozent des BIP in Forschung und Entwicklung bis 2020

Eine der ersten Aufgaben der koordinierenden Länder wird es sein, diese Ziele mit denjenigen Ländern abzustimmen und zu konkretisieren, die am stärksten in den jeweiligen Aktionsbereich eingebunden sind.

EU-STRATEGIE FÜR DEN DONAURAUM


EURACTIV.de dokumentiert, welche Länder welche Schwerpunktbereiche koordinieren.

(Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro können bei Bedarf ebenfalls miteinbezogen werden.)

1. Verbesserung der Mobilität und der Multimodalität:
Binnenwasser­straßen: Österreich, Rumänien
Schienen-, Straßen- und Luftverkehr: Slowenien, Serbien
(Interessens­bekundung: Ukraine)

2. Förderung der Nutzung nachhaltiger Energien:
Ungarn, Tschechische Republik

3. Förderung von Kultur und Tourismus, des Kontakts zwischen den Menschen:
Bulgarien, Rumänien

4. Wiederherstellung und Sicherstellung der Qualität der Gewässer:
Ungarn, Slowakei

5. Management von Umweltrisiken:
Ungarn, Rumänien

6. Erhaltung der biologischen Vielfalt, der Landschaften und der Qualität von Luft und Boden:
Deutschland (Bayern), Kroatien

7. Entwicklung der Wissensgesellschaft (Forschung, Bildung sowie Informations- und Kommunikations­technologien):
Slowakei, Serbien

8. Förderung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen:
Deutschland (Baden-Württemberg), Kroatien

9. Investitionen in Menschen und Qualifikationen:
Österreich, Moldau

10. Verbesserung der institutionellen Kapazität und Zusammenarbeit:
Österreich (Wien), Slowenien

11. Zusammenarbeit zur Förderung der Sicherheit und zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität:

Deutschland, Bulgarien

Hintergrund

An der EU-Strategie für den Donauraum beteiligen sich folgende Länder: Deutschland (Baden-Württemberg und Bayern), Österreich, Ungarn, Tschechien, die Slowakei, Slowenien, Bulgarien, Rumänien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, Montenegro, die Republik Moldau und die Ukraine.

Die Kommission hat den Vorschlag für die Strategie auf Ersuchen des Europäischen Rates vorgelegt. Die Strategie dürfte während der ungarischen EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2011 von den Mitgliedstaaten gebilligt werden.

Red.

Weitere Informationen:

http://ec.europa.eu/regional_policy/cooperation/danube/index_en.htm