Estland kommt erneut in Europa an
Vom 1. Januar 2011 an wird Estland offiziell Mitglied der Euro-Zone. Estland "ist erneut in Europa angekommen", erklärte Staatschef Toomas Hendrik Ilves. Die Wirtschaft der ehemaligen Sowjetrepublik gilt als bestens vorbereitet.
Vom 1. Januar 2011 an wird Estland offiziell Mitglied der Euro-Zone. Estland „ist erneut in Europa angekommen“, erklärte Staatschef Toomas Hendrik Ilves. Die Wirtschaft der ehemaligen Sowjetrepublik gilt als bestens vorbereitet.
Mit dem Beitritt des baltischen Staates können somit 330 Millionen Bürger in 17 EU-Mitgliedsstaaten den Euro als Zahlungsmittel nutzen. Die Regierung in Tallinn hofft, durch den Euro weitere ausländische Investoren anzulocken und den Handel zu stärken. Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves erklärte Estland für erneut in Europa angekommen.
Die Euro-Münzen und Scheine kommen zum Jahreswechsel in Umlauf. In den ersten zwei Wochen kann parallel noch mit Kronen gezahlt werden. Laut dem festgelegten Wechselkurs ist ein Euro 15,6466 Estische Kronen wert. Nach der Abschaffung des nationalen Zahlungsmittels im Januar müssen die Preise in den Läden noch bis zum 30. Juni 2011 auch in der alten Währung ausgeschrieben werden.
Estland ist das fünfte der seit 2004 beigetretenen zwölf Mitgliedsstaaten, das die gemeinsame europäische Währung einführt. Als erstes trat am 1. Januar 2007 Slowenien, ein Jahr später Zypern und Malta und am 1. Januar 2009 schließlich auch die Slowakei in die Eurozone ein. Estland ist das erste Land in der Eurozone, das früher zur Sowjetunion gehörte.
Vertrauensbeweis für die Gemeinschaftswährung?
Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten Mitte Juni bei einem Gipfeltreffen in Brüssel ihre endgültige Zustimmung gegeben. Die EU-Kommission hatte zuvor bereits empfohlen, Estland aufzunehmen. Das kleine Land mit 1,3 Millionen Einwohnern habe Inflation und Schulden im Griff und erfülle alle Beitrittskriterien.
Die EU-Verantwortlichen sahen den Wunsch Tallinns, die heimische Krone gegen den Euro zu tauschen, als Vertrauensbeweis für die angeschlagene Gemeinschaftswährung. Die Wirtschaft des Landes gilt als bestens vorbereitet: Das Haushaltsdefizit liegt derzeit bei knapp 1,5 Prozent – die Maastricht-Kriterien zur Euro-Einführung erlauben drei Prozent. Die Gesamtverschuldung des Staates erreicht mit 7,2 Prozent einen einsamen Spitzenwert in Europa.
Will Estland im EZB-Rat eine hohe Inflation?
"Das Land hat notwendige Reformen durchgeführt und Ausgaben gekürzt, statt Steuern zu erhöhen", lobt der Ökonom Ansgar Belke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) dem "Fokus". "Die Esten haben den Griechen vorgemacht, wie es geht."
Allerdings warnt Belke davor, dass Estland im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) auf eine Niedrigzinspolitik setzen könnte. "Es besteht die Gefahr, dass die Esten versuchen, die Arbeitslosigkeit durch Inflation zu drücken", so Belke. Die Arbeitslosigkeit ist in Estland in den vergangenen Jahren stark gestiegen, auf aktuell 17,5 Prozent. Eine höhere Inflation bedeutet in der Regel ein Sinken der Reallöhne, was Estlands Arbeitskräfte wettbewerbsfähiger machen könnte.
Euroraum – ein sicherer Hafen?
EU-Währungskommissar Olli Rehn konnte nach seinem Aufenthalt in Tallinn im September berichten, dass die Esten vom Euro überzeugt seien (EURACTIV.de vom 23. September 2010). Den Esten sowie den Märkten versicherte er hingegen: "Wir unternehmen die notwendigen Schritte, damit der Euroraum ein sicherer Hafen bleibt und um ihn dynamischer und leistungsfähiger für nachhaltigen Wachstum und für die Schaffung von Arbeitsplätzen zu machen."
Eine weitere Ausweitung der Eurozone ist derzeit nicht in Sicht. Wegen der Wirtschaftskrise stiegen überall in der EU die Defizite an. So wollen beispielsweise Lettland und Litauen 2014 in den Euro-Club kommen.
dto
Links
Presse
Fokus: Ein Sparfuchs für das Euro-Land (28. Dezember 2010)
Ungarischer Ratsvorsitz: Estland: Willkommen in der Euro-Zone! (29. Dezember 2010)
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de
Estland wird Mitglied der Eurozone (8. Juni 2010)
Olli Rehn in Berlin: Euro-Zone ist sicherer Hafen (23. September 2010)