EU-Gesetz gegen gefälschte Arzneimittel
Patienten sollen künftig besser vor gefälschten Medikamenten geschützt werden. Das EU-Parlament hat gestern einem Gesetz zugestimmt, um neue Sicherheitsmerkmale und einen Kontrollmechanismus für Arzneimittel einzuführen.
Patienten sollen künftig besser vor gefälschten Medikamenten geschützt werden. Das EU-Parlament hat gestern einem Gesetz zugestimmt, um neue Sicherheitsmerkmale und einen Kontrollmechanismus für Arzneimittel einzuführen.
Das EU-Parlament hat am Mittwoch (16. Februar) einem EU-Gesetz zugestimmt, das Patienten schützen und das Fälschen von Medikamenten erschweren soll.
Das neue Gesetz führt Sicherheitsmerkmale für Arzneimittel-Verpackungen ein, um die Echtheit jeder Packung zu garantieren. Die Sicherheitsmerkmale selbst müssen noch von der Kommission entwickelt werden. Möglich sind beispielsweise Seriennummern, die von den Apotheken überprüft werden können.
Diese Sicherheitsmerkmale sollen grundsätzlich nur für verschreibungspflichtige Medikamente gelten, außer es liegt kein Fälschungsrisiko vor. Für nichtverschreibungspflichtige Medikamente sollen sie nur bei einem Fälschungsrisiko gelten.
Kampf gegen stille Killer
Die portugiesische EU-Abgeordnete Marisa Matias erklärte, dass gefälschte Medikamente "stille Killer" seien. "Sie haben entweder keine Wirkung oder enthalten giftige Substanzen, die die Patienten schädigen oder sogar töten können. Diese kriminelle Aktivität hat stark zugenommen: seit 2005 wurden 400 Prozent mehr gefälschte Arzneimittel sichergestellt. Der Schutz der Patienten ist Kern dieser Richtlinie", meint die Abgeordnete der europäischen Linksfraktion. Als Berichterstatterin des EU-Parlaments war Matias federführend an der Einigung zu dem Gesetz beteiligt.
Die deutschen CDU-Abgeordneten Peter Liese und Thomas Ulmer stimmen dieser Einschätzung zu: "Besonders beunruhigend ist, dass nicht mehr nur noch so genannten Lifestyle-Medikamente, wie beispielsweise Viagra, gefälscht werden, sondern auch lebenswichtige Krebsmedikamente."
Die SPD-Europaabgeordnete Dagmar Roth-Behrendt unterstreicht, dass das Ergebnis "ein großer Fortschritt für die Patientensicherheit" sei. "Nur wenn der Weg, den die Medikamente vom Hersteller bis zur Apotheke gehen, lückenlos überwacht wird, können Fälschungen wirksam bekämpft werden", so Roth-Behrendt. Sollte es dennoch zu Problemen kommen, wird künftig ein Frühwarnsystem dafür sorgen, dass Medikamente, die bereits an Patienten ausgegeben wurden, mit Hilfe von Apotheken und Ärzten zurückgerufen werden können.
Der FDP-Europaabgeordnete Holger Krahmer lobt die Regelung als ein "gutes Beispiel sinnvoller EU-Gesetzgebung". "Mit dieser Richtlinie wird kriminellen Fälschern das Handwerk erschwert und somit trägt sie erheblich zur Patientensicherheit bei. Das in Europa ohnehin hohe Sicherheitsniveau von Arzneimitteln wird nun durch diese Richtlinie ergänzt", erklärte Krahmer.
Gefahr im Internet
Über das Internet gelangen gefälschte Arzneimittel am häufigsten auf den europäischen Markt. Künftig dürfen nur zertifizierte Apotheken Medikamente über das Internet verkaufen. Alle genehmigten Internet-Apotheken erhalten ein gemeinsames Logo und werden mit einer zentralen Website der Mitgliedsstaaten verlinkt, die wiederum mit einer europäischen Webseite verlinkt wird.
Umsetzung in zwei Jahren
Die EU-Parlementarier hatten sich vor der Abstimmung informell mit den Vertretern der Mitgliedsstaaten auf das neue Gesetz geeinigt. Der Rat muss die neue EU-Richtlinie in einer seiner nächsten Sitzungen noch formal absegnen. Nach der Unterzeichnung haben die Mitgliedsstaaten zwei Jahre Zeit, um ihre nationale Gesetzgebung anzupassen.
mka
Links
Parlament: Gefälschte Arzneimittel: Parlament will Patienten besser schützen (16. Februar 2011)
Kommission: Website zum Gesetz gegen gefälschte Arzneimittel