EU-Parlament will Polens Abtreibungsverbot untersuchen
Das EU-Parlament wird in Kürze eine öffentliche Anhörung abhalten, in der den Abgeordneten eine Liste der Frauen vorgelegt wird, die angeblich infolge der Verschärfung der polnischen Abtreibungsgesetze, die ein De-facto-Verbot darstellen, gestorben sind.
Das EU-Parlament wird in Kürze eine öffentliche Anhörung abhalten, in der den Abgeordneten eine Liste der Frauen vorgelegt wird, die angeblich infolge der Verschärfung der polnischen Abtreibungsgesetze, die ein De-facto-Verbot darstellen, gestorben sind.
Die Anhörung wird am 17. November vor zwei Parlamentsausschüssen stattfinden, an der auch Vertreter von Frauenrechtsorganisationen teilnehmen werden. Der Abgeordnete der Neuen Linken und Vorsitzende des Ausschusses für die Rechte der Frau und die Gleichstellung der Geschlechter Robert Biedroń ist einer der Initiatoren der Anhörung.
Die Liste der Opfer wird von Kamila Ferenc, einer Juristin der Stiftung für Frauen und Familienplanung (FEDERA), vorgestellt.
Das Europäische Parlament hat Polen bereits 2021 in einer Entschließung verurteilt, ein Jahr nachdem das Verfassungsgericht entschieden hatte, dass Abtreibungen aufgrund fötaler Defekte verfassungswidrig sind, und Abtreibungen nur in Fällen erlaubt sind, in denen Geburten aus Vergewaltigung oder Inzest resultieren oder das Leben der Mutter bedrohen.
Seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs im Herbst 2020 wurde in den Medien ausführlich über Fälle berichtet, in denen Frauen, die eine Abtreibung vornehmen lassen wollten, starben, weil sie von Ärzten, die eine strafrechtliche Verfolgung fürchteten, nicht behandelt wurden.
Ein Fall, über den in den Medien viel berichtet wurde, ist der einer 30-jährigen, die in einem Krankenhaus in Pszczyna an einer Sepsis starb, weil die Ärzte sie erst nach dem Tod des Fötus behandeln wollten.
„Das Urteil hat sich negativ auf die Verfügbarkeit von Pränataltests und sogar auf die Behandlung von Patienten in den Abteilungen für Gynäkologie und Geburtshilfe ausgewirkt. Es werden viel mehr schwerkranke Babys geboren, die unmittelbar nach der Geburt sterben. All dies bedeutet für viele Frauen eine psychische Belastung“, sagte Ferenc für Rzeczpospolita.
Die Frage des Schwangerschaftsabbruchs ist nach wie vor eines der wichtigsten Themen der öffentlichen Debatte in Polen.
Jüngsten Umfragen zufolge hat sich das umstrittene Urteil des Verfassungsgerichts negativ auf die Bereitschaft der polnischen Frauen ausgewirkt, Kinder zu gebären.