Europaweite Job-Krise

Die Wirtschaftskrise schlägt auf den europäischen Arbeitsmarkt voll durch. Die Arbeitslosenzahlen steigen; Deutschland liegt mit elf Prozent im europäischen Mittelfeld. Die EU will nun auf "grüne Technologien" setzen, auch wenn damit Arbeitsplätze in anderen Sektoren verloren gehen.

Beschäftigungskommissar Vladimír Špidla hat schlechte Nachrichten. Die Wirtschaftsrise hat Arbeitsplätze zerstört und auch grüne Technologien wird kaum neue Jobs schaffen. Foto: EC
Beschäftigungskommissar Vladimír Špidla hat schlechte Nachrichten. Die Wirtschaftsrise hat Arbeitsplätze zerstört und auch grüne Technologien wird kaum neue Jobs schaffen. Foto: EC

Die Wirtschaftskrise schlägt auf den europäischen Arbeitsmarkt voll durch. Die Arbeitslosenzahlen steigen; Deutschland liegt mit elf Prozent im europäischen Mittelfeld. Die EU will nun auf „grüne Technologien“ setzen, auch wenn damit Arbeitsplätze in anderen Sektoren verloren gehen.

Vier Millionen Jobs wurden in der EU seit Ausbruch der Krise vernichtet. Das geht aus dem Bericht "Beschäftigung in Europa 2009" hervor, den EU-Beschäftigungskommissar Vladimír Špidla heute vorgestellt hat.

Špidla betonte, dass die Beschäftigungspolitik den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft in den Mittelpunkt rücken solle. Doch grüne Technologien werden keinensfalls ein Job-Motor sein, warnt die Kommission vor zu hohen Erwartungen.

Sie kalkuliert, dass "die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze ’netto‘ nicht sehr hoch ausfallen" werde, denn die positiven Effekte durch neue grüne Arbeitsplätze "werden durch den Verlust einiger vorhandener Arbeitsplätze zum Teil wieder aufgehoben".

Vor allem Männer, junge Menschen, Geringqualifizierte und Beschäftigte mit befristeten Arbeitsverträgen haben in der Krise ihren Arbeitsplatz verloren. Abgefedert wurden die Auswirkungen bisher vor allem durch die Verlängerung der Kurzarbeit. "Doch diese kurzfristigen Maßnahmen, so wichtig sie auch sein mögen, bieten allein keinen erfolgreichen Ausweg aus der Krise", stellt die Kommission ernüchternd fest.

Arbeitsplatzwechsel erwünscht

Neben dem angestrebten Strukturwandel hin zu "grünen" Arbeitsplätzen setzt die Kommission zugleich auf den Übergang zu "Beschäftigung entsprechend den Flexicurity-Grundsätzen". Sie sieht darin den "Schlüssel für den Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit und den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit" und freut sich zugleich, dass die europäischen Arbeitsmärkte in den letzten Jahren "eine bemerkenswerte Dynamik" bewiesen haben, denn jedes Jahr wechseln etwa 22 Prozent der Europäer ihren Job.

Europäische Langzeitarbeitslosigkeit

Dennoch bleibt die Langzeitarbeitslosigkeit weiterhin eines der größten Probleme auf dem europäischen Arbeitsmarkt. Laut dem Bericht hat jeder Zweite (45 Prozent), der seinen Job verliert, auch nach einem Jahr noch keine neue Arbeit gefunden. In den USA geht das meist schneller. Nur 10 Prozent der Arbeitslosen in den USA sind Langzeitarbeitslose.

Am 9. Dezember wird die Kommission dem EU-Rat ihren Vorschlag für den neuen gemeinsamen Beschäftigungsbericht vorlegen. Die analytische Basis dafür bietet der heute vorgelegte Bericht "Beschäftigung in Europa 2009".

mka

Dokumente

Kommission: Europas Arbeitsmarkt von der Krise hart getroffen (23. November 2009)
Kommission: Zugang zum Bericht "Beschäftigung in Europa"