Belgische Abtreibungsrechte laut Experten wegen Ärztemangel „in Gefahr“

Belgische Ärzte und Wissenschaftler haben vor dem derzeitigen Mangel an Ärzten gewarnt, die für die Durchführung medizinischer Schwangerschaftsabbrüche ausgebildet sind.

Euractiv.com
w_57780925
„Gegenwärtig ist die große Mehrheit der Ärzte, die Abtreibungen vornehmen, fast 60 Jahre alt. Und wenn ich sage, die überwiegende Mehrheit, dann sind es mindestens 65 %“, sagte Siham Zaitouni, Gynäkologe und einer der Mitverfasser der Stellungnahme, gegenüber RTBF. [[EPA-EFE/STEPHANIE LECOCQ]]

Belgische Ärzt:innen und Wissenschaftler:innen warnen vor dem derzeitigen Mangel an Ärzten, die für die Durchführung medizinischer Schwangerschaftsabbrüche ausgebildet sind.

Anlässlich des Internationalen Tages der sicheren Abtreibung am Mittwoch haben belgische Wissenschaftler und Ärzte einen Kommentar in der Zeitung Le Soir mitunterzeichnet. Sie kritisieren die in Belgien angebotene medizinische Ausbildung zum Thema Abtreibung und den derzeitigen Mangel an Ärzten, die den Eingriff durchführen können.

„Gegenwärtig ist die große Mehrheit der Ärzte, die Abtreibungen vornehmen, fast 60 Jahre alt. Und wenn ich sage, die überwiegende Mehrheit, dann sind es mindestens 65 Prozent“, sagte Siham Zaitouni, Gynäkologe und einer der Mitverfasser der Stellungnahme, gegenüber RTBF.

Heute sei in Belgien das Recht auf Abtreibung „in Gefahr“, sagte sie. Sie fügte hinzu, dass „die Nachhaltigkeit des Zugangs zur Abtreibung von der Ausbildung der Ärzte abhängt, und wenn wir keine Ärzte mehr haben, die in der Lage sind, Abtreibungen durchzuführen […], ist das ein echtes Problem für die öffentliche Gesundheit“.

Um Abhilfe zu schaffen, fordern die Co-Autoren der Stellungnahme, dass „Abtreibung und die Vermittlung von Abtreibungspraktiken ein fester Bestandteil des Lehrplans für Medizinstudenten sein sollten“.

Die Mitautoren des Artikels werfen jedoch auch das Thema auf, dass Abtreibung nach wie vor ein Tabu ist und dass Patienten und Ärzte davon abgehalten werden, den Eingriff vorzunehmen.

Die vollständige Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und die Verlängerung des Zeitraums, in dem Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden können, von 12 auf 18 Wochen, stehen bis heute auf der Tagesordnung des Parlaments.