EZB deutet Verlängerung der Zinspause an
Trotz der anziehenden Inflation in der Euro-Zone bleibt der Leitzins bei 1,25 Prozent. Bei der EZB-Ratssitzung konnte erstmals der neue Bundesbank-Präsident Jens Weidmann über die Geldpolitik im Euro-Raum mitentscheiden.
Trotz der anziehenden Inflation in der Euro-Zone bleibt der Leitzins bei 1,25 Prozent. Bei der EZB-Ratssitzung konnte erstmals der neue Bundesbank-Präsident Jens Weidmann über die Geldpolitik im Euro-Raum mitentscheiden.
Die EZB signalisierte indirekt, dass sie im Juni aller Wahrscheinlichkeit nach den Leitzins nicht weiter erhöhen würde. "Wir beobachten die Entwicklungen mit Blick auf die Preisstabilität sehr genau", sagte EZB-Chef Jean-Claude Trichet am Donnerstag nach der Ratssitzung der EZB in Helsinki. Das von vielen Experten erwartete Signalwort "starke Wachsamkeit" für eine Zinserhöhung bereits im Juni blieb aus.
Die Notenbanker tasteten den Zielsatz für Zentralbankgeld von 1,25 Prozent nicht an, der seit der Zinswende vom April für die Euro-Zone gilt. Die abwartende Haltung der EZB schickte den Euro auf Talfahrt, der nach den Äußerungen Trichets zeitweilig um deutlich mehr als einen Cent unter die Marke von 1,47 Dollar nachgab. Der Goldpreis legte hingegen zu.
Angeheizt von teuren Rohstoffen und Nahrungsmitteln war die Inflationsrate in den 17 Ländern der Euro-Zone zuletzt auf 2,8 Prozent gestiegen und der Stabilitätsmarke der Währungshüter von knapp zwei Prozent damit weit enteilt. Viele Experten hatten daher angenommen, dass die EZB bereits im Juni bei den Zinsen nachlegen würde. Trichet hielt sich mit Blick auf den weiteren Kurs bedeckt: "Wir legen uns niemals vorab fest. Wir können die Zinsen jedoch jederzeit erhöhen, wenn wir es für angemessen halten."
Trichet: Geldpolitik weiter locker
Analysten rechnen nun erst im Sommer mit dem nächsten Zinsschritt. "Eine Zinserhöhung im Juni hat Trichet nicht angekündigt", sagte Norbert Braems, Experte von Sal. Oppenheim. "Wahrscheinlich kommt der nächste Schritt im Juli und noch einer Ende des Jahres." Das sieht auch Elmar Völker von der LBBW so: "Wahrscheinlich geht die EZB auf einen Drei-Monatsrhythmus".
Die EZB hatte mit ihrer ersten Zinserhöhung seit fast drei Jahren im April einen ersten Pflock im Kampf gegen die Teuerung eingerammt und will nun offenbar erst einmal abwarten. Trichet sagte, die jüngsten Daten zeigten, dass die Geldpolitik weiter sehr konjunkturstimulierend sei.
Mit der nun avisierten Zinspause setzt sich die EZB geldpolitisch nicht weiter von der US-Notenbank Fed und der britischen Zentralbank ab, die beide an der in der Krise eingeleiteten Niedrigzinspolitik festhalten und damit die schwächelnde Wirtschaft weiter stützen. Die Bank of England beließ ihren Leitzins am Donnerstag unverändert bei 0,5 Prozent. Die Aussicht, dass sich die Zinsdifferenz zwischen dem Euroraum und den anglo-amerikanischen Währungsgebieten nun vorerst nicht ausweiten wird, lastete auf der europäischen Gemeinschaftswährung: "Trichet hat gesagt, die Leitzinsen bleiben niedrig. Das hat diejenigen enttäuscht, die von der EZB-Pressekonferenz ein Signal für eine weitere Zinserhöhung erwartet hatten", sagte ein Devisenhändler.
Weidmann erstmals am Ratstisch
Bei der Ratssitzung konnte erstmals auch der neue Bundesbank-Präsident Jens Weidmann mit über die Geldpolitik im Euro-Raum entscheiden. Der 43-jährige hatte am Montag bei seiner Amtseinführung in Frankfurt deutlich gemacht, dass er geldpolitisch in die Fußstapfen seines Vorgängers Axel Weber treten will. Wie sei Mentor und Vorgänger will sich Weidmann so schnell wie möglich von den in der Finanzkrise begonnenen Notmaßnahmen zur Stabilisierung des Bankensystems trennen.
Die EZB muss bei ihrer Geldpolitik jedoch weiter die Probleme der Schuldenstaaten am Rand der Euro-Zone mit im Blick halten. Nach Griechenland und Irland hatte sich zuletzt auch das klamme Portugal in die Arme von EU und Internationalem Währungsfonds geflüchtet. In dem auf 78 Milliarden Euro taxierten Rettungspaket sollen allein zwölf Milliarden Euro zur Stärkung des Bankensektors aufgewendet werden. Im Gegenzug muss das Land harte Sparauflagen erfüllen. Trichet äußerte sich zufrieden: "Das Programm enthält die nötigen Elemente, um die portugiesische Wirtschaft zu stabilisieren."
EURACTIV/rtr/dto
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Bundesfinanzministerium: Ohne Finanzmarktreformen
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