Frankreich blockiert weiter Gaspipline zwischen Spanien und Europa

Spanien, Portugal und Deutschland nehmen die Gespräche über die Wiederaufnahme der stillgelegten MidCat-Gaspipeline zwischen der iberischen Halbinsel und Mitteleuropa wieder auf.

EURACTIV France
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Die spanische Umweltministerin Teresa Ribera erklärte am 12. August im spanischen Fernsehen, dass die Arbeiten am MidCat-Projekt auf spanischer Seite in "acht bis neun Monaten" abgeschlossen werden könnten. [Michal Bednarek / Shutterstock]

Spanien, Portugal und Deutschland wollten eigentlich die MidCat-Pipeline zwischen Frankreich und Spanien wieder aufleben lassen, in Paris hält man sich aber bedeckt und zeigt kein großes Interesse.

Infolge des Kriegesausbruchs in der Ukraine suchen die EU-Mitgliedstaaten händeringend nach Lösungen, um Ersatz für das russische Gas zu finden.

Das MidCat-Gaspipeline-Projekt, das 2013 von der spanischen und der französischen Regierung mit Unterstützung der Europäischen Kommission auf den Weg gebracht, aber 2019 fallen gelassen wurde, ist nun wieder auf dem Tisch.

Am 11. August bedauerte Bundeskanzler Olaf Scholz, dass das Projekt aufgegeben wurde, und sagte, es würde in dieser Zeit der Krise Europa „auf dramatische Weise“ fehlen.

Der portugiesische Premierminister Antonio Costa reagierte schnell und erklärte, das Projekt sei „eine Priorität“ für den Kontinent, und forderte Frankreich auf, seine Position in dieser Angelegenheit deutlich zu machen.

Für Experten wie den Science Po-Professor Thierry Bros ist das Projekt allerdings sinnlos.

Frankreich schweigt

Seitdem hat die französische Regierung sich jedoch nicht zu dem Thema geäußert.

Im Juni letzten Jahres erklärte das Ministerium für Ökologie, Energie und Territorien gegenüber EURACTIV Frankreich, dass es „keinen Kommentar“ abgeben wolle.

Im Juli wurde im Vorfeld des Treffens der europäischen Energieminister:innen ein neuer Antrag gestellt.

Das Projekt sei jedoch „nicht realisierbar“, da es in diesen Krisenzeiten an konkretem Interesse fehle, erklärte das Büro des Ministeriums gegenüber EURACTIV Frankreich.

Scholz‘ Bitte scheint jedoch bei der spanischen Umweltministerin Teresa Ribera Gehör gefunden zu haben, denn sie sagte dem spanischen Fernsehen (TVE) am 12. August, dass die Arbeiten am MidCat-Projekt auf spanischer Seite in „acht bis neun Monaten“ abgeschlossen werden könnten.

Um dem Gasmangel entgegenzuwirken, schlägt Ribera zudem vor, zumindest den Bau eines zusätzlichen Kompressors für die beiden kleineren Gaspipelines vorzubereiten, die Spanien derzeit mit Frankreich verbinden.

Der Bau dürfte nur „zwei oder drei Monate“ dauern und könnte schnell „2 bis 2,5 Prozent“ des europäischen Gasverbrauchs bereitstellen – eine Schätzung, die von den Analysten von S&P Global auf Anfrage von La Tribune bestätigt wurde.

Am selben Tag bekräftigte das französische Ministerium für die Energiewende jedoch, was es bereits im Juli gesagt hatte.

Das Projekt lohne sich nicht, und es werde Jahre dauern, bis es in Betrieb genommen werden könne, erklärte das Ministerium gegenüber der spanischen Mediengruppe Ara.

Deutschland würde profitieren

Thierry Bros, der Sciences Po Professor, hält die Pipeline aus Sicht der Energiesicherheit für sinnlos, da sie die katalanische Stadt Figueres mit der Gemeinde Barbaira in Okzitanien verbinden würde – zwei Gebiete, die bereits in der Nähe von Flüssiggasterminals liegen.

„Welchen Sinn hat eine Pipeline, die zwei LNG-Terminals verbindet?“, sagte er gegenüber EURACTIV Frankreich. Für ihn ist der Vorstoß zur Wiederbelebung der Pipeline eher von „politischer Korrektheit“ als von Energiesicherheit motiviert.

Der portugiesische Premierminister Antonio Costa ist da anderer Meinung. Ihm zufolge würde das Projekt dazu dienen, „die Häfen in Nordeuropa zu entlasten“, indem die EU von einer Logistikplattform südlich von Lissabon profitieren könnte.

Bros ist der Meinung, dass das Projekt hauptsächlich Deutschland nütze und dass es keinen Grund gäbe, warum Frankreich und Spanien die Kosten für ein Vorhaben tragen sollten, das Berlin zugutekomme.

„Wir [Europäer:innen] sind keine Vasallen von Berlin“, so Bros weiter.

Nach Ansicht des Professors sind Scholz und die Regierungen der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel die einzigen, die für die derzeitige Energiekrise in Deutschland verantwortlich zu machen sind. Seiner Meinung nach ist die Abschaltung der Kernkraftwerke mit ein Grund für die derzeitige Notlage.

Für den Transport von Wasserstoff?

Dennoch hält Spanien an dem Projekt fest und meint, dass es in Zukunft zum Transport von Wasserstoff beitragen könnte.

Bros seinerseits weist das Wasserstoffargument zurück und erklärt, die Technologie stecke noch in den Kinderschuhen und werde nicht rechtzeitig ausreifen, um Europa bei der Bewältigung der aktuellen Energiekrise zu helfen.

In einem Interview mit dem Fernsehsender LCI am Donnerstag spottete er über die laufenden Gespräche zum Aufbau von Wasserstoffpartnerschaften zwischen Deutschland und Kanada.

Bros bevorzugt den „Pragmatismus“ des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der sich derzeit zu einem „Freundschaftsbesuch“ in Algerien aufhält, um dabei wahrscheinlich auch über den Ausbau von Gaspartnerschaften mit dem Land zu sprechen.

Macrons Reise nach Algerien wird auch von anderen EU-Ländern genau beobachtet. Vor allem Deutschland würde zusätzliche Gaslieferungen aus Algerien begrüßen.