Frankreich: Jugendliche rauchen und trinken seit Pandemie weniger
Französische Jugendliche konsumieren seit Beginn der Pandemie im März 2020 deutlich weniger Alkohol, Tabak und Cannabis, wie eine aktuelle Studie zeigt. Die Lockdown-Maßnahmen waren dabei jedoch offenbar nicht der einzige Grund für den Rückgang.
Französische Jugendliche konsumieren seit Beginn der Pandemie im März 2020 deutlich weniger Alkohol, Tabak und Cannabis, wie eine aktuelle Studie zeigt. Die Lockdown-Maßnahmen waren dabei jedoch offenbar nicht der einzige Grund für den Rückgang.
Die Studie wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Zusammenarbeit mit EnCLASS durchgeführt und am Freitag (16. Dezember) veröffentlicht.
„Diese Ergebnisse zeigen, dass die Pandemie den Abwärtstrend beim Alkohol-, Tabak- und Cannabiskonsum unter französischen Jugendlichen beschleunigt hat“, erklärte Hans Kluge, WHO-Regionaldirektor für Europa, in einer Mitteilung.
In vielen Ländern, darunter auch Frankreich, wurde der Schulbetrieb unterbrochen, um die Ausbreitung des Virus während der Pandemie einzudämmen, was nicht nur zu einer Unterbrechung des Unterrichts, sondern auch des sozialen Lebens der Jugendlichen führte.
Eine Folge davon ist der deutliche Rückgang des Tabak-, Alkohol- und Cannabiskonsums, wie die Umfrage unter 2.000 14-jährigen Schüler:innen ergab.
So ist beispielsweise der Alkoholkonsum junger Menschen rückläufig, wobei die Werte im Jahr 2021 den niedrigsten Stand seit 2010 erreichten. Die Zahlen waren jedoch nicht erst seit der Pandemie, sondern bereits seit 2018 rückläufig.
„Diese positive Entwicklung zeigt, dass die sozialen Interaktionen junger Menschen den Substanzmissbrauch sowie die Wirksamkeit gezielter Maßnahmen und Kampagnen beeinflussen können“, so Emmanuelle Godeau, eine der Hauptautoren der EnCLASS-Studie.
Dieser Trend sei jedoch nicht allein auf die Lockdown-Maßnahmen zurückzuführen, sondern auch auf „erfolgreiche öffentliche Maßnahmen und Strategien, einschließlich des Kampfes gegen die Normalisierung des Tabakkonsums“, betonte sie.
Zigaretten und Schnaps
Obwohl auch der Konsum von Cannabis und Alkohol unter Jugendlichen zurückgegangen ist, ist der Abwärtstrend beim Tabakkonsum am deutlichsten.
Im Jahr 2021 hatten nur 30 Prozent der französischen Teenager jemals Zigaretten geraucht, verglichen mit 37,5 Prozent im Jahr 2018 und fast 52 Prozent im Jahr 2010, so die Umfrage.
Auch der Anteil der regelmäßigen Raucher:innen unter den Jugendlichen, die in den letzten 30 Tagen mindestens eine Zigarette geraucht haben, sank von 13,6 Prozent im Jahr 2018 auf 10,2 Prozent im Jahr 2021.
Der Konsum von E-Zigaretten ist jedoch laut der Studie während der Pandemie stabil geblieben. Die zunehmende Beliebtheit von E-Zigaretten unter französischen Jugendlichen sehen die Autor:innen als „beunruhigenden“ Trend.
Der Anteil des lebenslangen E-Zigarettenkonsums ist der Studie zufolge inzwischen höher als der lebenslange Tabakkonsum.
Positive und negative Nebeneffekte
Auch der Cannabiskonsum ist rückläufig: 2021 hatten nur noch 9,1 Prozent der 14-jährigen Schüler:innen Cannabis probiert – fast dreimal weniger als 2010 (23,9 Prozent).
Kluge argumentiert, dass die Umfrageergebnisse „sowohl die Bedeutung intelligenter politischer Maßnahmen als auch den Einfluss unserer Umwelt auf unser Verhalten“ zeigen.
Gleichzeitig dürfe nicht vergessen werden, dass die Lockdown-Maßnahmen neben dieser positiven Wirkung auch viele negative Folgen für die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hatten.
„Diese Ergebnisse werfen die Frage auf, inwieweit sich die Pandemie auf die allgemeine Gesundheit junger Menschen ausgewirkt hat, und es ist von entscheidender Bedeutung, dass die politischen Entscheidungsträger diese Auswirkungen weiter untersuchen, unabhängig davon, ob sie sich positiv oder negativ auf die Gesundheit der Bevölkerung auswirken“, warnte Kluge.
Einem Bericht zufolge, den das Europäische Parlament im September verabschiedet hat, sind Kinder und Jugendliche von negativen Folgen der Corona-Maßnahmen besonders betroffen: Zwischen 10 und 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen hatten vor der Pandemie und den Mehrfacheinweisungen psychische Probleme, jetzt ist die Zahl auf etwa 20 bis 25 Prozent gestiegen.
In ihrer Rede zur Lage der Union kündigte die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, an, dass die EU-Strategie für psychische Gesundheit in der zweiten Jahreshälfte 2023 vorgelegt werden soll.
„Wir müssen den Zugang zur psychischen Gesundheitsversorgung verbessern, was einer der Grundsätze der europäischen Säule sozialer Rechte ist“, erklärte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides in einer Debatte mit Europaabgeordneten im vergangenen Oktober.
[Bearbeitet von Daniel Eck/Nathalie Weatherald]