Frankreich: Tabakgegner kritisieren geringe Steuererhöhung
Führende Tabakgegner und einige Parlamentarier haben die Maßnahmen der französischen Regierung gegen das Rauchen als zu milde kritisiert. Die von der Regierung angekündigten Preiserhöhungen seien ambitionslos.
Führende Tabakgegner und einige Parlamentarier haben die Maßnahmen der französischen Regierung gegen das Rauchen als zu milde kritisiert. Die von der Regierung angekündigten Preiserhöhungen seien ambitionslos.
Derzeit erwägt die französische Regierung, den Preis für Zigarettenschachteln zwischen 2024 und 2027 anzuheben, um die Finanzierung des Sozialversicherungshaushalts zu sichern.
Die Regierung könnte den Preis für eine Schachtel Zigaretten ab Anfang 2024 auf 12 Euro anheben, sagte Regierungssprecher Olivier Véran am Montag (28. August) gegenüber RMC.
Nach Ansicht der Lobbygruppe Französische Allianz gegen den Tabak (ACT), in der sich Anti-Tabak-Organisationen zusammengeschlossen haben, ist diese Maßnahme jedoch der Herausforderung für die öffentliche Gesundheit nicht gewachsen.
„Nur eine starke und nachhaltige Politik wird es uns ermöglichen, die Prävalenz des Rauchens in unserem Land wirksam und dauerhaft zu reduzieren“, sagte Loïc Josseran, Präsident der ACT, in einer am Mittwoch veröffentlichten Presseerklärung.
„Diese Geißel betrifft immer noch fast 12 Millionen Franzosen“, warnte er.
Während die Regierung plant, den Preis für eine Schachtel mit 20 Zigaretten bis 2027 auf 13 Euro zu erhöhen, möchte die ACT, dass eine Schachtel bis dahin 16 Euro kostet.
Die ACT möchte auch eine Preiserhöhung für andere Tabakerzeugnisse wie Drehtabak, um Raucher von so genannten herkömmlichen Zigaretten davon abzuhalten, auf diese Produkte umzusteigen.
Die französische linke Parlamentarierin Anne Sophie Pelletier (La Gauche) stimmt dem zu.
„Die Maßnahmen der Regierung müssen weiter gehen. Eine Präventionspolitik, Unterstützung für Menschen, die an Tabakabhängigkeit leiden, ein Beitrag der Tabakindustrie zur Gesundheitspolitik des Landes, die Einhaltung des WHO-Protokolls und ein Verbot des Parallelmarktes“, erklärte sie gegenüber EURACTIV.
Die Idee, den Tabakpreis zu erhöhen, um die Zahl der Raucher zu reduzieren, ist nicht neu – sie ist eine der wichtigsten Empfehlungen des MPOWER-Pakets der Weltgesundheitsorganisation.
MPOWER wurde 2008 ins Leben gerufen und ist ein Handbuch, welches den Ländern helfen soll, wirksame gesundheitspolitische Maßnahmen im Kampf gegen den Tabakkonsum umzusetzen.
„Eine Preiserhöhung um 10 Prozent senkt den Konsum in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen im Durchschnitt um 5 bis 8 Prozent und in Ländern mit hohem Einkommen um etwa 4 Prozent“, schrieb die WHO in einem im Juli veröffentlichten Bericht über den weltweiten Tabakkonsum.
12 Millionen Raucher in Frankreich
In Frankreich gibt es fast zwölf Millionen Raucher, also mehr als 30 Prozent der 18- bis 75-Jährigen, wie aus den von Santé publique France im Jahr 2022 veröffentlichten Daten hervorgeht.
„Nach einem beispiellosen Rückgang des täglichen Rauchens zwischen 2016 und 2019 (von 29 auf 24 Prozent im europäischen Teil Frankreichs), hat sich die Prävalenz seit 2019 stabilisiert“, so Santé publique France in seiner Studie.
Dieser Rückgang der Zahl der Raucher lässt sich zum Teil durch eine Erhöhung der Tabaksteuer im Jahre 2020 erklären, die den Preis einer Packung Zigaretten auf durchschnittlich 10 Euro anhob.
„Es ist auch wichtig, vorgefasste Meinungen zu widerlegen und darauf hinzuweisen, dass das Rauchen den Staat weit mehr kostet als es einbringt: Während die Steuern jedes Jahr 13 Milliarden Euro einbringen, werden die sozialen Kosten des Rauchens auf 156 Milliarden Euro geschätzt“, fügte Josseran hinzu.
Die sozialen Kosten des Tabakkonsums umfassen alle direkten und indirekten Kosten, die mit dem Tabakkonsum verbunden sind: Gesundheitsversorgung, Passivrauchen, Todesfälle und Produktivitätsverluste.
Jedes Jahr sterben in Frankreich 66.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums, was dem Krankenversicherungssystem Kosten in Höhe von bis zu 26 Milliarden Euro verursacht.
„Eine Politik zur Eindämmung des Tabakkonsums ist unerlässlich, aber wir dürfen nicht vergessen, dass die Erhöhung des Tabakpreises der Industrie dient und unter dem Deckmantel der öffentlichen Gesundheit die Tabakkonzerne am meisten profitieren“, so Pelletier abschließend.
Zusammen mit der grünen Europaabgeordneten Michèle Rivasi (EELV/Les Verts) leitet Pelletier eine unabhängige parlamentarische Arbeitsgruppe zur Tabakindustrie, die ihre Arbeit im Oktober in Brüssel wieder aufnehmen wird.
Lesen Sie den französischen Originalartikel hier.
[Bearbeitet von Kjeld Neubert]