Griechenlands Haushaltsloch deutlich größer als erwartet
Nicht nur Portugal steckt tiefer in den roten Zahlen als bislang angenommen. Das Haushaltsdefizit Griechenlands lag 2010 dem europäischen Statistikamt Eurostat zufolge bei 10,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und damit deutlich höher als geplant.
Nicht nur Portugal steckt tiefer in den roten Zahlen als bislang angenommen. Das Haushaltsdefizit Griechenlands lag 2010 dem europäischen Statistikamt Eurostat zufolge bei 10,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und damit deutlich höher als geplant.
Das griechische Haushaltsdefizit lag im letzten Jahr bei 10,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, wie Eurostat am Dienstag mitteilte. Damit verfehlte das südosteuropäische Land sein Sparziel von acht Prozent.
Zuletzt hatten die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einem Fehlbetrag von 9,6 Prozent gerechnet. 2009 lag das griechische Defizit allerdings noch bei 15,4 Prozent.
Bereits am Samstag hatte Portugal sein Defizit nach oben korrigiert. Es lag 2010 den neuen Angaben zufolge bei 9,1 Prozent des BIP (EURACTIV.de vom 26. April 2011).
Athen hält an Sparplan fest
Die Regierung in Athen kündigte an, an dem Sparplan festzuhalten, der mit EU und IWF vereinbart wurde. Die nötigen Maßnahmen würden ergriffen, teilte das Finanzministerium mit. Grund für die Revision der Defizitzahlen sei, dass das Land tiefer in der Rezession stecke als erwartet. Wegen der schrumpfenden Wirtschaftsleistung seien die Steuereinnahmen geringer und die Sozialausgaben höher ausgefallen als geplant.
Vor genau einem Jahr hatte Griechenland Sonderhilfen von 110 Milliarden Euro zugesagt bekommen. Eigentlich soll das Land 2012 an den normalen Kapitalmarkt zurückkehren. Die weiter horrenden Zinserwartungen von 15 Prozent für zehnjährige Anleihen haben aber Zweifel an dem mit dem IWF vereinbarten Fahrplan geweckt.
Experten rechnen deshalb mit einem Schuldenschnitt, bei dem die privaten Gläubiger Aufschub gewähren oder sogar auf einen Teil ihrer Forderungen an den griechischen Staat verzichten. Dadurch könnte der Schuldenberg von über 150 Prozent des BIP schrumpfen. In Deutschland liegt der Wert bei gut 80 Prozent.
Defizit in Euro-Zone geht etwas zurück
In den meisten anderen Euro-Staaten bauten die Regierungen laut Eurostat ihr Haushaltsdefizit ab. Für den gesamten Währungsraum schrumpfte der Fehlbetrag auf sechs Prozent der Wirtschaftsleistung, nach 6,3 Prozent 2009. Die Gesamtverschuldung stieg dennoch weiter auf 85,1 Prozent von 79,3 Prozent 2009.
In Irland schnellte das Haushaltsdefizit jedoch auf 32,4 Prozent der Wirtschaftsleistung in die Höhe, nach 14,3 Prozent 2009. Die hohen Kosten der Bankenrettung machen der Regierung in Dublin schwer zu schaffen und haben das Land unter den Euro-Rettungsschirm gezwungen.
Im Jahr 2010 wurden die höchsten öffentlichen Defizite als Prozent des BIP in Irland (-32,4 Prozent), Griechenland (-10,5), dem Vereinigten Königreich (-10,4), Spanien (-9,2), Portugal (-9,1), Polen (-7,9), der Slowakei (-7,9), Lettland (-7,7), Litauen (-7,1) und Frankreich (-7,0) verzeichnet.
Die niedrigsten öffentlichen Defizite wurden in Luxemburg (-1,7 Prozent), Finnland (-2,5) und Dänemark (-2,7) verzeichnet. Estland (0,1) registrierte einen geringen öffentlichen Überschuss im Jahr 2010 und Schweden (0,0) war ausgeglichen. Insgesamt verzeichneten 21 Mitgliedsstaaten im Jahr 2010 gegenüber dem Jahr 2009 eine Verbesserung ihres Finanzierungssaldos im Verhältnis zum BIP und sechs eine Verschlechterung. In Deutschland wurden -3,3 Prozent im Jahr 2010 verzeichnet (-3,0 im Jahr 2009).
EURACTIV/rtr/dto
Links
Dokumente
Eurostat: Öffentliches Defizit im Euroraum und in der EU27 bei 6,0 Prozent bzw. 6,4 Prozent des BIP (26. April 2011)
EU-Kommission: Portugal’s request for the activation of the financial support mechanisms (6. April 2011)
Euro-Finanzminister: Term sheet on the ESM (21. März 2011)
Rat der EU: Meeting on European Stability Mechanism (18 videos) (21. März 2011)
Bundestag: Stenografischer Bericht. 96. Sitzung (17. März 2011)
Bundestag: Brief von Bundestagspräsident Norbert Lammert an Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Unterrichtung des Bundestages in EU-Fragen (9. März 2011)
Europäische Rat: Council reaches agreement on measures to strengthen economic governance. Pressemitteilung (15. März 2011)
EU-Parlament: Parliaments central to economic governance success. Pressemitteilung (15. März 2011)
Euro-Rat: Schlussfolgerungen der Euro-Regierungen und Ein Pakt für den Euro (11. März 2011)
EU-Kommission: Statement by Commissioner for Economic and Monetary Affairs Olli Rehn on the endorsement of the "European Semester" by the EU Council (7. September 2010)
EU-Kommission:Jahreswachstumsbericht 2011 (12. Januar 2011)
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