Großer CO2-Diebstahl: mögliche 28 Millionen Euro Beute an Zulassungen
Bis zu zwei Millionen CO2-Quoten der Europäischen Union (EUA) im Wert von 14 Euro pro Tonne könnten aus Registern in der ganzen Europäischen Union gestohlen worden sein. Dies stellt den größten Betrug, der je auf das EU-Emissionshandelssystem (EHS) abzielte, dar.
Bis zu zwei Millionen CO2-Quoten der Europäischen Union (EUA) im Wert von 14 Euro pro Tonne könnten aus Registern in der ganzen Europäischen Union gestohlen worden sein. Dies stellt den größten Betrug, der je auf das EU-Emissionshandelssystem (EHS) abzielte, dar.
Man habe noch nie eine Anzahl wie zwei Millionen gestohlener Quoten gehabt, sagte Maria Kokkonen, Pressesprecherin der EU-Kommissarin für Klimapolitik, Connie Hedegaard.
Der Angriff sei unerhörten Umfanges.
Am 19. Januar hat die Europäische Kommission nach dem Verschwinden von 475.000 EUA aus dem tschechischen Register den Handel auf den CO2-Spotmärkten vorübergehend ausgesetzt. Darüber hinaus brachte eine Reihe an anderen Attacken die Nationalregister dort und in Griechenland, Estland, Polen und Österreich dazu zu schließen.
Die gestohlenen Kredite, die circa 0,02 Prozent des Gesamtwertes des EHS ausmachen, wurden dann innerhalb einiger Minuten auf den Spotmärkten eingelöst.
Es sind Fragen über das Aufmerksamkeitsniveau, das einige Länder dem EHS gewährt haben, aufgeworfen worden. Jos Delbeke, Generaldirektor der Kommissionsabteilung für Klimapolitik, sagte, er sei über die Nachlässigkeit, die einige Mitgliedsstaaten an den Tag gelegt hätten, ein wenig sprachlos.
Seine Bedenken teilt die Pressesprecherin Maria Kokkonen: Sie erklärte, sie hätten die Mitgliedsstaaten andauernd darauf gedrängt, ihre Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken.
Es sei in ihrem eigenen Interesse, ihre Unternehmen zu schützen. Jedoch habe man 14 Mitgliedsstaaten, deren Register nicht aufgerüstet worden seien, was Sicherheitsangelegenheiten betreffe, sagte Kokkonen.
Hacken und Phishing
Alle nationalen CO2-Register in der EU werden wahrscheinlich geschlossen bleiben, bis die Identifizierungsprotokolle in den problematischen Computersystemen gefestigt werden. Je schneller sie die Sicherheitsmaßnahmen verbessern, desto schneller könne man die Systeme wieder öffnen, sagte Kokkonen.
Trevor Sikorski, Direktor für die CO2-Märkte und die Forschung über Umweltprodukte bei Barclays Capital, sagte voraus, das Schließen der Märkte könnte CO2-Händler circa 70 Millionen Euro pro Woche kosten.
Die EU-Beamten machen eine Mischung aus Computerhacken und „Phishing“-Betrügen für den Diebstahl verantwortlich – dabei seien falsche Webseiten, die Investoren trügerisch dazu führen, den Betrügern ihre Passwortdetails zu geben, geschaffen worden.
Diese Passwortinformationen werden dann genutzt, um Zugang zu den Zulassungen zu haben. Dann werden diese auf offenen Spotmärkten durch Händler, die fiktive Identitäten nutzen, verkauft. Die Kommission lehnte es ab, die Möglichkeit auszuschließen, dass Händler aus einigen Firmen innerhalb des EHS für den Betrug verantwortlich seien.
Man denkt, dass die gestohlenen EUA auf ein Konto in Estland – einem der ersten Länder, die am Mittwoch ihr Register geschlossen haben – transferiert worden sind.
Strengere Sicherheit
Nach einer Reihe an Mehrwertsteuer-Karussell- und „Phishing“-Betrügen letztes Jahr hat die Kommission strengere Sicherheitsmaßnahmen vorgeschlagen. Mehrere Mitgliedsstaaten haben jedoch ihre Umsetzung abgelehnt, weil sie sagten, sie könnten es sich nicht leisten.
Ein Vertreter der Kommission wies darauf hin, dass Zehntausende von Euro, die für die Sicherheit ausgegeben würden, Millionen von Euro an Verlusten sparen könnten. Es handele sich auch um ihr nationales Image, sagte die EU-Pressesprecherin Maria Kokkonen EURACTIV.
Stig Schjolset, ein leitender Marktanalyst bei Point Carbon, sagte, dass die Sperrung der Spotmärkte auch das Handelsvolumen auf den Terminmärkten senken werde. Es sei für das Marktvertrauen sicherlich sehr schlecht, erklärte er EURACTIV.
Es sei ebenfalls für den Ruf des CO2-Markts sehr schlecht, da es noch zu anderen ähnlichen Vorkommnissen aus den letzten Jahren dazukomme, sagte Schjolset.
Er schätze ab, dass die Hälfte der Mitgliedsstaaten der EU die vereinbarten Sicherheitsverbesserungen auf Grund von Arbeitskraft- und Finanzierungsproblemen und Problemen bei der Prioritätensetzung nicht durchgesetzt hätten.