Kommission ermittelt gegen Deutsche Bank

Die EU-Kommission nimmt das intransparente Geschäft mit Kreditausfallderivaten (CDS) unter die Lupe. Hat sich auch die Deutsche Bank unfair verhalten?

Banken bringen ihre Macht gerne architektonisch zum Ausdruck. Haben auch deutsche Institute eine marktbeherrschende Stellung bei CDS-Geschäften missbraucht? Foto: dpa.
Banken bringen ihre Macht gerne architektonisch zum Ausdruck. Haben auch deutsche Institute eine marktbeherrschende Stellung bei CDS-Geschäften missbraucht? Foto: dpa.

Die EU-Kommission nimmt das intransparente Geschäft mit Kreditausfallderivaten (CDS) unter die Lupe. Hat sich auch die Deutsche Bank unfair verhalten?

Die EU-Kommission hat am Freitag zwei kartellrechtliche Prüfverfahren im Bereich der Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps / CDS) eingeleitet. Betroffen sind auch die Deutsche Bank und die Commerzbank. Untersucht werden mögliche verbotene Absprachen zwischen 16 Investmentbanken und Markit, dem führenden Anbieter von Finanzinformationen auf dem CDS-Markt. Außerdem stehen Vereinbarungen zwischen neun Banken und ICE Clear Europe, der führenden Clearing-Stelle auf dem CDS-Markt, auf dem Prüfstand.

EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia erklärte: "Wir eröffnen zwei neue Verfahren im Interesse von Transparenz und Fairness auf dem CDS-Markt." CDS spielten für Finanzmärkte und Realwirtschaft eine wichtige Rolle.

Die Deutsche Bank wollte die Prüfung gegenüber EURACTIV.de nicht kommentieren.

Hintergrund

Credit Default Swaps dienten ursprünglich zur Absicherung gegen Kreditausfälle. Inzwischen wird mit ihnen aber auch spekuliert, etwa im Rahmen der europäischen Schuldenkrise. Die Marktteilnehmer benötigen Informationen über CDS, um den Wert ihrer Anlageportfolios bestimmen und Anlagestrategien festlegen zu können. Informationsdienste, die im Bereich der CDS-Informationen Produkte und Dienstleistungen anbieten möchten, benötigten wiederum Zugang zu einem gewissen Datenbestand über CDS-Geschäfte und Bewertungen.

Die jüngste Finanzkrise habe gezeigt, dass der außerbörsliche Handel (OTC) mit Derivaten und Finanzinstrumenten nicht transparent genug ist, heißt es von Seiten der Kommission. Angesichts der Verflechtung von Finanzmärkten und Realwirtschaft bemühe man sich um eine bessere Regulierung für CDS und andere Derivate (EURACTIV.de vom 8. März 2011).

awr

Links


Presse

Handelsblatt: Kreditausfallversicherungen:EU nimmt wegen CDS 16 Banken ins Visier (29. April 2011)

FTD: EU-Ermittlungen. 16 Großbanken unter Kartellverdacht (29. April 2011)

Dokumente

EU-Kommission: Kartellrecht: Kommission untersucht Markt für Credit Default Swaps (29. April 2011)

EU-Parlament: MEPs crack down on sovereign debt speculation and naked short selling. Pressemitteilung (7. März 2011)

CEO: Will MEPs vote for amendments written by the derivatives lobby? (3. März 2011)

EU-Kommission: Mehr Sicherheit und Transparenz für die Derivatemärkte in Europa. Pressemitteilung (15. September 2010)

EU-Kommission: Derivate. Übersicht zur EU-Gesetzgebung

EU-Kommission: Proposal for a Regulation on Short Selling and Credit Default Swaps – Frequently asked questions (15. September 2010)

EU-Parlament: Transparenz und strengere Regeln für den Derivatemarkt. Pressemitteilung (15. Juni 2010)

EU-Parlament:
Entschließung zum Derivatehandel (15. Juni 2010)

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de:

Kommissar Gnadenlos? Almunia will harte Kartellstrafen (14. April 2011)

Spekulation mit Staatsschulden: EU-Parlament drängt auf Verbote (8. März 2011)

Derivate-Handel – Transparenz statt "Wilder Westen" (15. September 2010)