Macrons Energievision: Atomlastig mit Fokus auf Erneuerbare
Zu dem Energieplan gehören: Eine Verzehnfachung der Solarkapazität, die Errichtung von rund fünfzig Offshore-Windparks und der Bau von sechs EPR-2-Kernreaktoren.
Verzehnfachung der Solarkapazität, Errichtung von rund fünfzig Offshore-Windparks und der Bau von sechs EPR-2-Kernreaktoren. Alles Teil des langfristigen Energieplans, den Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag (10. Februar) vorgestellt hat. EURACTIV Frankreich berichtet.
„Selbst wenn wir unseren Energieverbrauch um 40 Prozent senken, bedeutet der Ausstieg aus Erdöl und -gas in den nächsten dreißig Jahren, dass wir einen Teil unseres Verbrauchs an fossilen Brennstoffen durch Strom ersetzen müssen“, sagte der Präsident in seiner Rede während eines Besuchs in Belfort im Osten Frankreichs.
„Wir werden in der Lage sein müssen, bis zu 60 Prozent mehr Strom zu produzieren als heute“, betonte er und wies darauf hin, dass die Dekarbonisierung dieses Stroms die größte Herausforderung sein wird.
„Der Schlüssel zu einer möglichst kohlenstoffarmen, sicheren und souveränen Stromerzeugung liegt in einer pluralen Strategie“, so der Staatschef weiter.
Energie und Industrie
„Wir müssen unsere Kapazität zur Erzeugung erneuerbarer Energien erhöhen“, sagte Macron und versprach eine „Aufhebung der regulatorischen Hindernisse, solange die Projekte lokal akzeptiert werden“.
Zu den konkreten Zielen des Staatschefs gehören die „Verzehnfachung der Solarkapazität bis 2050“ auf „über 100 Gigawatt“ und die Erhöhung des Anteils an erneuerbarem Gas um 10 Prozent bis 2030.
Auch die Schaffung von rund fünfzig Offshore-Windparks mit dem Ziel, „bis 2050 40 Gigawatt in Betrieb zu nehmen“, und die Verdopplung der Kapazität der Onshore-Windenergie gehören zu den angegebenen Zielen.
„Noch in diesem Jahr werden wir den ersten Offshore-Windpark vor Saint-Nazaire in Betrieb nehmen“, sagte Macron. Ziel sei es, kohlenstoffarme Energien und einen Industriesektor zu entwickeln, fügte er hinzu.
„Wir werden die Entwicklung der industriellen Beschäftigung und der Investitionen fortsetzen, damit diese wichtigen Entscheidungen für die Offshore-Windenergie mit der Schaffung von Arbeitsplätzen überall in unserem Land einhergehen“, so Macron.
Viele weitere Kernkraftwerke
Der Energiemix, den Macron für Frankreich vorgestellt hat, ist ebenfalls stark auf die Kernenergie ausgerichtet. Diese wurde von der Europäischen Kommission kürzlich in die viel diskutierte grüne Taxonomie der EU aufgenommen, die private Investitionen erleichtern soll.
Frankreich soll außerdem sechs neue EPR-2-Kernreaktoren „bis 2028 bauen, wobei der erste Reaktor 2035 in Betrieb genommen werden soll“, fügte der Präsident hinzu.
Bei EPR 2 handelt es sich um eine optimierte Variante der EPR-Technologie, eines Druckwasserreaktors der dritten Generation, der hauptsächlich von Framatome und der französischen Elektrizitätsgesellschaft EDF entwickelt wurde.
Macron denkt auch über die Möglichkeit nach, acht weitere Reaktoren zu bauen.
„Wir werden in den kommenden Wochen mit den Vorbereitungsarbeiten beginnen. Dazu werden wir die Planungsstudien abschließen, die Angelegenheit an die nationale Kommission für öffentliche Debatten verweisen, die Standorte für drei EPR-Paare festlegen und die Industrie in Schwung bringen.“
In Bezug auf die bereits vorhandenen Reaktoren sagte Macron, dass deren Laufzeit verlängert werden sollte.
„Ich hoffe für die Zukunft auf keine Schließung eines in Betrieb befindlichen Kernreaktors, da unser Strombedarf sehr stark ansteigt. Es sei denn, es gibt Sicherheitsgründe hierfür.“
Macron forderte daher „die EDF auf, in Zusammenarbeit mit der Behörde für nukleare Sicherheit, die Bedingungen für eine Verlängerung der Lebensdauer des Reaktors über 50 Jahre hinaus zu prüfen.“
Eine umstrittene Strategie
Macron sagte, Frankreich habe „keine andere Wahl, als gleichzeitig auf diese beiden Säulen [Atomkraft und erneuerbare Energien] zu setzen. Es ist die beste Wahl aus ökologischer Sicht und die beste aus wirtschaftlicher Sicht. Und schließlich ist sie auch aus finanzieller Sicht am günstigsten. Aus diesem Grund werden wir diese Entscheidung treffen.
Diese Entscheidung für Frankreichs Energiemix hat jedoch schon Kritik von Macrons politischen Gegnern geerntet.
„Atomkraft ist ein Verzicht auf alternative Energien“, sagte Jean-Luc Mélenchon, Spitzenkandidat der linksradikalen Partei La France Insoumise bei den Präsidentschaftswahlen im April.
Bruno Retailleau, Vorsitzender der rechtsgerichteten Fraktion „Les Républicains“ im Senat, sagte, Macrons „strategischer Fehler bei der Kernenergie wird Frankreich Jahre der Verzögerung, Tausende von Arbeitsplätzen und Hunderte von Millionen Euro kosten. Alle Rückschläge der Welt werden diesen unglaublichen Schlamassel nicht wettmachen“.
Der Kandidat der Grünen für die Präsidentschaftswahlen Yannick Jadot warf Macron vor, „Frankreich bis zum Ende des Jahrhunderts zur energetischen und industriellen Obsoleszenz zu verdammen“.
„6 EPR = 6 Fiaskos. Ohne jegliche Debatte und für einen Betrag, der dem Budget der öffentlichen Krankenhäuser entspricht! Unverantwortlich!“, sagte er.
Für Brice Lalonde, Präsident des Think-Tanks „Equilibre des énergies“ und ehemaliger Umweltminister, ist die Vision des Präsidenten hingegen „kohärent“.
„Atomkraft und erneuerbare Energien ergänzen sich. Wir müssen ihre Entwicklung planen (…). Frankreich entscheidet sich jetzt für eine zugängliche, kohlenstoffarme und souveräne Energiepolitik“, so Lalonde.
Bevor die angekündigten Projekte jedoch umgesetzt werden, will Macron „in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 eine breite öffentliche Konsultation zum Thema Energie (…) durchführen.“
Im Anschluss an diese Konsultation „werden im Jahr 2023 parlamentarische Diskussionen stattfinden, um das mehrjährige Energieprogramm zu überarbeiten“, fügte der Präsident hinzu.
[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]