Merkel für Draghi als Trichet-Nachfolger?
Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt Medienberichten zufolge den italienischen Notenbankchef Mario Draghi als Nachfolger von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. In Berliner Koalitionskreisen gibt es offenbar wenig Einwände gegen dessen Kandidatur.
Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt Medienberichten zufolge den italienischen Notenbankchef Mario Draghi als Nachfolger von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. In Berliner Koalitionskreisen gibt es offenbar wenig Einwände gegen dessen Kandidatur.
Angela Merkel habe alle Pläne aufgegeben, einen deutschen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Dies berichtete die "Bild"-Zeitung in einer Vorabmeldung unter Berufung auf Regierungskreise.
Die Bundesregierung wies die Darstellung einer Entscheidung Merkels für Mario Draghi zurück. "Für die Bundesregierung gilt weiterhin, dass sie sich zu möglichen Kandidaten rechtzeitig äußern wird", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstagabend.
Eine Entscheidung stehe erst im Juni an. Zudem betonte er, dass Deutschland klare Kriterien bei der Kandidatenauswahl habe. "Dabei ist eine Übereinstimmung mit der Währungsstabilitäts-Philosophie der Bundesregierung das wichtigste Kriterium", sagte Seibert.
In Berliner Koalitionskreisen gibt es offenbar wenig Einwände gegen eine Kandidatur Draghis für das Spitzenamt der Europäischen Zentralbank. "Der neue Präsident muss eine Persönlichkeit sein, die unabhängig ist und die für eine Stabilitätskultur steht", sagte der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Michael Meister der Nachrichtenagentur Reuters. Bezogen auf diese Merkmale hätte er gegen Draghi nichts einzuwenden. Er wolle dies aber nicht als klare Unterstützung für diesen einen Kandidaten gewertet wissen.
Merkel will sich "rechtzeitig" äußern
Die Bundesregierung betonte in den vergangenen Tagen mehrfach, eine Entscheidung über den neuen EZB-Präsidenten werde erst im Juni fallen. Merkel werde sich "rechtzeitig" äußern, wen Deutschland als größter Euro-Staat unterstütze.
In Regierungskreisen war zugleich in den vergangenen Wochen mehrfach betont worden, dass die Qualitäten Draghis unbestritten seien. Frankreich, Italien und Luxemburg haben sich bereits öffentlich für Draghi ausgesprochen. Im Gerangel um die Nachfolge Jean-Claude Trichets gilt Draghi als klarer Favorit, seit sich Bundesbankpräsident Axel Weber mit der Aufgabe seines Amtes selbst aus dem Rennen nahm.
EURACTIV/rtr/dto
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