Olympische Spiele bereiten London Umweltsorgen
London bereitet sich auf die Olympischen Spiele 2012 vor. Der ohnehin verschmutzten Stadtluft wird das nicht gut tun, befürchten Umweltexperten. Londons Bürgermeister will das Problem mit Hilfe innovativer Technologien und dreier Alternativen zum Autofahren in den Griff bekommen. Ein Überblick zu Problemen und Lösungsansätzen.
London bereitet sich auf die Olympischen Spiele 2012 vor. Der ohnehin verschmutzten Stadtluft wird das nicht gut tun, befürchten Umweltexperten. Londons Bürgermeister will das Problem mit Hilfe innovativer Technologien und dreier Alternativen zum Autofahren in den Griff bekommen. Ein Überblick zu Problemen und Lösungsansätzen.
London bereitet sich auf die Olympischen Sommerspiele 2012 vor, doch es fehlt noch ein überzeugender Umweltschutzplan, kritisierte Simon Birkett kürzlich gegenüber EURACTIV. Birkett ist Gründer der Initiative Clean Air in London, die sich für saubere Luft in der Stadt einsetzt.
Die Olympia-Veranstalter haben bereits im Frühjahr eingeräumt, dass die zu erwarteten Verkehrsströme und Staus während der Sommerspiele dazu führen werden, dass die Vorschriften zur Luftqualität nicht eingehalten werden, so Birkett.
Alternativen und Innovationen
Die Stadt London will deshalb während der Olympischen Spiele drei Alternativen zum Autofahren fördern: Laufen, Radfahren und die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel. "Eine Hauptpriorität des Bürgermeistes ist es, saubere Luft in London zu haben. Deshalb konzentriert er sich auf gezielte Maßnahmen", sagte Kulveer Ranger, Direktor für Umwelt und Digitales beim Londoner Bürgermeister Boris Johnson. Dazu sollten auch innovative Technologien eingesetzt werden, so etwa Staubminderer oder den Aufbau einer grünen Infrastruktur.
Es gebe aber auch Langzeitinitiativen, so Ranger. Dazu zählten die Einführung schadstoffarmer Fahrzeugen in der Hauptstadt, der Einsatz schadstoffarmer Busse, ein Einfahrtsverbot für schadstoffintensive Taxis oder das Verschärfen der Standards für die Londoner Niedrigemissionszone (LEZ).
Berlin als Vorbild für London
Umweltaktivist Birkett geht noch einen Schritt weiter. Er fordert, dass während der 100 Tage während der Olympischen und Paraolympischen Spiele in der Londoner Innenstadt eine Umweltzone eingerichtet wird, die sich an den Standards der Stadt Berlin orientiert. Dort dürfen seit Anfang 2010 nur noch Diesel-Fahrzeuge in die Umweltzone einfahren, wenn sie mindestens die Euro4-Norm erfüllen oder alternativ die Euro3-Norm plus Partikelfilter. In London seien die LEZ-Vorschriften weniger streng. Selbst die strikteren Vorgaben, die ab 2012 gelten, erlauben die Einfahrt für Fahrzeuge über 1,25 Tonnen mit Euro3-Norm, so Birkett.
NO2-Problem beim Diesel
Für ihn sind die Diesel-Abgase das größte Problem. "Der Straßenverkehr ist für etwa 80 Prozent der schädlichen Emissionen in London verantwortlich und das ist hauptsächlich ein Dieselproblem", so Birkett.
Der Umweltaktivist verweist auf aktuelle Statistiken, wonach Diesel-Autos die Luft 20 mal mehr verschmutzen als Benziner. Auch die Europäische Umweltagentur EUA verweist in einem aktuellen Bericht darauf, dass die Stickstoffdioxid-Emissionen (NO2), die bei der Verbrennung in Automotoren entstehen, signifikant gestiegen sind – und zwar "durch die gestiegene Verbreitung von Diesel-Fahrzeugen". Diesel-Fahrzeuge emittieren bis zu 50 Prozent ihrer Stickstoffoxide (NOx) als Stickstoffdioxid (NO2), ein Schadstoff, der Asthma und sonstige Atemwegserkrankungen hervorrufen kann.
Besonders problematitisch ist die Situation in London. Nach Angaben von Birkett ist London die Hauptstadt mit den höchsten NO2-Werten innerhalb der EU27. Menschen, die bereits an Asthma und anderen Atemwegserkrankungen leiden, werden von steigenden NO2-Emission zuerst betroffen sein, warnt Susana Palkonen vom Europäischen Dachverband der Vereinigungen von Patienten mit Allergien und Atemwegserkrankungen (EFA). "Diese Menschen sind eine Art Radar für die Luftqualität", so Palkonen.
Doch auch die Sportler könnten von zu hoher Luftverschmutzung betroffen sein, warnt Birkett. "Wenn wir wieder so hohe Ozonwerte bekommen, wie wir sie dieses Jahr einige Male hatten, könnte das für die Sportler nächstes Jahr zum Problem werden", so Birkett.
EURACTIV.com/mka
Ein englischsprachiger Beitrag zu diesem Thema erschien auf EURACTIV.com.
Links
Dokumente der EU
Richtlinie 2008/50/EG über Luftqualität und saubere Luft für Europa (21. Mai 2008)
Website zur Thematische Strategie zur Luftreinhaltung
EUA: Air quality in Europe – report 2011
EUA: Emissionen verkehrsbedingter Schadstoffe
Zum Thema auf EURACTIV.de
Debatte um Reform der EU-Luftpolitik (16. November 2011)
Schlechte Luft: Bulgarien als ein Problemfall in der EU (15. November 2011)
Luftverschmutzung in Europas Hauptstädten (29. September 2011)