Polen versetzt Luftverteidigung nach russischen Angriffen auf Kyjiw in höchste Alarmbereitschaft
Polen hat seine Luftverteidigung nach neuen russischen Angriffen auf Kyjiw in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Außenminister Radosław Sikorski sieht darin Moskaus Entschlossenheit, den Krieg fortzuführen.
Polen hat seine Luftverteidigung in den „höchsten Alarmzustand“ versetzt, nachdem eine neue Welle russischer Angriffe auf Kyjiw erfolgt war. Außenminister Radosław Sikorski erklärte, die Attacken zeigten Moskaus Entschlossenheit, den Krieg fortzusetzen.
Russland hatte in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag massive Luftangriffe auf die Ukraine geflogen, darunter ballistische Raketen und Drohnen gegen Kyjiw und weitere Städte. Dabei wurden Zivilisten getötet, auch ein Gebäude der EU-Delegation wurde beschädigt.
Militärflugzeuge in Polen wurden unmittelbar nach Beginn der russischen Angriffe in Alarmbereitschaft versetzt – wie schon bei früheren Angriffen auf ukrainisches Gebiet nahe der Grenze.
„Um die Sicherheit des polnischen Luftraums zu gewährleisten, hat der Einsatzkommandeur der Streitkräfte alle notwendigen Verfahren aktiviert. Polnische und alliierte Flugzeuge haben Operationen aufgenommen, während bodengebundene Luftverteidigungs- und Radaraufklärungssysteme den höchsten Alarmzustand erreichten“, teilte das polnische Militär auf X mit.
Die Einsätze seien vorbeugender Natur gewesen und hätten dem Schutz des Luftraums und der Sicherheit der Bevölkerung – insbesondere in Grenznähe zur Ukraine – gedient.
Bis 7 Uhr am Donnerstagmorgen kehrten die Kampfjets wieder auf ihre Stützpunkte zurück. Es wurden keine Verletzungen des polnischen Luftraums gemeldet. Das polnische Einsatzkommando dankte dem NATO-Luftkommando und der schwedischen Luftwaffe für ihre Unterstützung.
„Putins Raketen haben letzte Nacht ukrainische Zivilisten getötet und ein Gebäude der EU-Delegation beschädigt. So sieht es aus, wenn Russland vorgibt, für den Frieden zu kämpfen“, schrieb Sikorski auf X – mit Blick auf das jüngste Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin in Alaska.
Sikorski bestätigte zudem, dass bei den Angriffen niemand in der polnischen Botschaft in Kyjiw verletzt wurde. Das Gebäude war bereits vor rund einem Monat bei einem russischen Angriff beschädigt worden.
Unterdessen erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow russischen Medien, dass es bislang keine Einigung mit der Ukraine über eine Waffenruhe im Luftkrieg gebe.
„Ich wiederhole noch einmal: Alles, was im Zuge der Suche nach einem Weg zu einer Einigung besprochen werden könnte, muss diskret behandelt werden“, so Peskow.
Bereits Anfang der Woche hatte Polens Präsident Karol Nawrocki ein Gesetz blockiert, das die vorübergehende Unterstützung für ukrainische Flüchtlinge verlängert hätte. Dies löste heftige Kritik sowohl aus der Koalition von Ministerpräsident Donald Tusk als auch von Experten aus.
Das Veto könnte dazu führen, dass bis zu eine Million ukrainische Flüchtlinge in Polen keinen Zugang mehr zu Sozialleistungen, einschließlich Kindergeld, haben. Die Regierung von Tusk hat jedoch zugesagt, neue Maßnahmen einzuführen, die Ausländer insgesamt betreffen sollen.
(de, bts, jl)