Portugal besteht ersten Härtetest

Die Anleger haben dem Euro-Wackelkandidaten Portugal eine Atempause verschafft. Bei einer mit Spannung erwarteten Auktion am Kapitalmarkt sammelte das hoch verschuldete Land die angepeilte Summe von rund 1,25 Milliarden Euro ein.

Der portugiesische Ministerpräsident José Sócrates und Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos sehen keinen Grund, von der Strategie abzuweichen, sich über den Kapitalmarkt zu refinanzieren. Foto: dpa
Der portugiesische Ministerpräsident José Sócrates und Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos sehen keinen Grund, von der Strategie abzuweichen, sich über den Kapitalmarkt zu refinanzieren. Foto: dpa

Die Anleger haben dem Euro-Wackelkandidaten Portugal eine Atempause verschafft. Bei einer mit Spannung erwarteten Auktion am Kapitalmarkt sammelte das hoch verschuldete Land die angepeilte Summe von rund 1,25 Milliarden Euro ein.

Der Zinssatz für die Staatsanleihen erreichte 6,716 Prozent und blieb damit unter der erwarteten Höhe. In den vergangenen Tagen war der Zinssatz, den das südeuropäische Land für langfristige Anleihen zahlen muss, auf mehr als sieben Prozent gestiegen.

Portugal hat sich mit knapp 1,25 Milliarden Euro am Kapitalmarkt eingedeckt und gab im Gegenzug zehn- und vierjährige Staatsanleihen aus. Die Schuldenagentur des Landes teilte mit, das Volumen der Auktion entsprach den Erwartungen.

Kein Hilfsgesuch an Brüssel

Damit will der als Anwärter für den Euro-Rettungsschirm gehandelte EU-Staat vorerst kein Hilfsgesuch an Brüssel stellen. "Wir sehen keinen Grund, von unserer Strategie abzuweichen, uns über den Kapitalmarkt zu refinanzieren", sagte Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos.

Allerdings musste Portugal den Investoren zumindest für seine knapp vierjährigen Anleihen höhere Renditen bieten als zuletzt. Bei den zehnjährigen Staatstiteln fielen die Zinsen hingegen etwas niedriger aus.

Experten sehen dies als Hoffnungszeichen: "Hauptsache ist, dass die zehnjährige Rendite unter sieben Prozent lag und besser war als bei der letzten Versteigerung von zehnjährigen portugiesischen Papieren", sagte Huw Worthington von Barclays Capital. Auch Teixeira dos Santos hatte bereits vor Monaten die Marke von sieben Prozent als Schmerzgrenze für die Refinanzierung des Landes bezeichnet.

Eigentlicher Härtetest im Frühjahr

Nach Ansicht der meisten Experten wird das hoch verschuldete Portugal jedoch letztlich Schutz unter dem EU-Schirm suchen müssen. In Kreisen der Euro-Länder hieß es, ein Paket von 50 bis 100 Milliarden Euro an Kreditgarantien werde bereits vorbereitet. "Es sieht so aus, dass wir sofort Maßnahmen ergreifen müssen, um neuen Krisenkandidaten zu helfen", erklärte Ungarns Botschafter József Czukor (EURACTIV.de vom 12. Januar 2011).

Ministerpräsident Jose Socrates hält Hilfe von außen allerdings trotz eines drohenden Rückfalls in die Rezession für unnötig. Doch zum Schwur dürfte es spätestens im Frühjahr kommen, wie Ökonom Paolo Pizzoli von ING betont: "Mit geplanten Bruttoemissionen für 2011 in einer Größenordnung von 20 Milliarden Euro steht der Haupttest noch bevor, da sich die Tilgungen im April auf 4,5 Milliarden Euro belaufen und im Juni weitere fünf Milliarden Euro anstehen."

EURACTIV/rtr/dto

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