Rekordwerte bei deutschen Exporten
Wegen der starken Nachfrage aus Europa verkauften deutsche Exporteure im März so viel ins Ausland wie noch nie. Experten sehen die deutsche Wirtschaft vor einem goldenen Jahrzehnt.
Wegen der starken Nachfrage aus Europa verkauften deutsche Exporteure im März so viel ins Ausland wie noch nie. Experten sehen die deutsche Wirtschaft vor einem goldenen Jahrzehnt.
Auch für das Gesamtjahr wird ein Bestwert erwartet. "Die Billionen-Marke wird erstmals geknackt", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Die Importe erreichten ebenfalls einen Rekordwert, was auf mehr Konsum und höhere Investitionen hindeutet.
Die Unternehmen setzten Waren im Wert von 98,3 Milliarden Euro im Ausland ab, teilte das Statistische Bundesamt am Montag mit. Das waren 15,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die bisherige Bestmarke von April 2008 wurde damit um knapp zehn Milliarden Euro übertroffen. Dafür sorgte die kräftige Nachfrage aus den EU-Ländern, die mit 16,0 Prozent überdurchschnittlich anzog.
Bei den EU-Ländern, die nicht zur Euro-Zone gehören, gab es sogar ein Plus von 20,0 Prozent. "Die Impulse kommen jetzt vor allem von unseren europäischen Nachbarn und nicht mehr nur aus boomenden Schwellenländern wie China oder Brasilien", sagte Treier. "Das lässt hoffen, dass der Aufschwung nicht so schnell abreißt – denn die Erholung in Europa ist noch jung."
"Wo viel Sonne ist, ist auch Schatten"
Obwohl die Exporteure die Finanzkrise endgültig verdaut haben, warnt der Branchenverband BGA vor Risiken. "Wo viel Sonne ist, ist auch Schatten", sagte BGA-Präsident Anton Börner. "So ist die brisante Lage in Libyen und Syrien nicht gebannt und könnte destabilisierende Auswirkungen auf die gesamte Region haben." Auch die Schuldenkrise in Europa sei längst nicht ausgestanden. Gleichzeitig nehme der Inflationsdruck stark zu. Erfolge im Außenhandel seien deshalb "keine Selbstläufer", sagte Börner.
Die Importe kletterten um 16,9 Prozent auf 79,4 Milliarden Euro – auch das ist der höchste Wert seit Einführung der Statistik 1950. Der alte Rekord lag bei 74,1 Milliarden Euro und wurde im vergangenen November erreicht. "Wir konsumieren und investieren mehr in Deutschland", sagte Treier. Aber auch hohe Rohstoffpreise hätten den Einfuhrwert steigen lassen. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle sieht im Importboom einen Beleg dafür, "dass sich die Binnennachfrage weiter belebt und dies auch unseren Handelspartnern zugutekommt".
Deutsche Wettbewerbsvorteile
Experten erwarten trotz zahlreicher Risiken kein Ende des Exportbooms. "Deutschland hat eine goldene Dekade vor sich", sagte Analyst Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Die Wettbewerbsvorteile, die sich Deutschland seit Beginn der Agenda 2010 erarbeitet hat, zahlen sich jetzt aus." Auch hohe Rohstoffkosten und der teure Euro konnten den Boom nicht stoppen. "Die deutschen Exporteure sind international sehr gut aufgestellt und offensichtlich in der Lage, den Belastungen zu trotzen", sagte Thorsten Polleit von Barclays. Allerdings könnten Sondereffekte wie die späten Osterferien zum außergewöhnlich guten Ergebnis beigetragen haben.
Auch wegen des boomenden Exports trauen Analysten der Wirtschaft im ersten Quartal ein Wachstum von bis zu 1,2 Prozent zu. Eine erste Schätzung veröffentlicht das Statistikamt am Freitag. Damit hätte die Wirtschaft ihr Tempo gegenüber dem Jahresende 2010 verdreifacht – vor allem durch Nachholeffekte in der Baubranche. Sie konnte im Dezember wegen Schnee und Frost kaum arbeiten, hat den Rückstand aber aufgeholt.
"Zuwachsraten beim Außenhandel werden so nicht weitergehen"
Ein solch kräftiges Wachstum dürfte es aber so schnell nicht wieder geben. "Die sehr hohen Zuwachsraten, die wir in der Vergangenheit gesehen haben, werden beim Außenhandel nicht so weitergehen", sagte Ulrike Kastens von Sal. Oppenheim. "Bei den Auftragseingängen lässt das Tempo bereits nach, ebenso beim Welthandel." Die Aufträge der exportabhängigen Industrie waren im März um vier Prozent eingebrochen. Dennoch rechnen viele Experten für dieses Jahr mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von rund drei Prozent. 2010 hatte es mit 3,6 Prozent das größte Plus seit der Wiedervereinigung gegeben.
Im Vergleich zum Vormonat kletterten die Exporte im März um 7,3 Prozent. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten lediglich ein kalender- und saisonbereinigtes Plus von 0,8 Prozent erwartet. Die Importe legten um 3,1 Prozent zu. Hier war mit plus 0,4 Prozent gerechnet worden. Der bereinigte Handelsbilanzüberschuss – die Differenz zwischen Aus- und Einfuhren – kletterte auf 15,2 Milliarden Euro.
EURACTIV/rtr/dto
Links
Dokumente
Statistisches Bundesamt Deutschland: Rekordwerte bei deutschen Aus- und Einfuhren im März 2011 (9. Mai 2011)
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