Spanien will Banken verstaatlichen

Im Kampf gegen die Finanzkrise knöpft sich die spanische Regierung schwache Banken vor. Können die Institute neue Eigenkapital-Anforderungen nicht erfüllen, werden sie teilweise verstaatlicht, wie Wirtschaftsministerin Elena Salgado ankündigte.

Die spanische Wirtschaftsministerin Elena Salgado zusammen mit dem Minister für Infrastrukturförderung, José Blanco. Salgado kündigte die teilweise Verstaatlichung von gefährdeten Kreditinstituten an. Foto: dpa
Die spanische Wirtschaftsministerin Elena Salgado zusammen mit dem Minister für Infrastrukturförderung, José Blanco. Salgado kündigte die teilweise Verstaatlichung von gefährdeten Kreditinstituten an. Foto: dpa

Im Kampf gegen die Finanzkrise knöpft sich die spanische Regierung schwache Banken vor. Können die Institute neue Eigenkapital-Anforderungen nicht erfüllen, werden sie teilweise verstaatlicht, wie Wirtschaftsministerin Elena Salgado ankündigte.

Mit der Aufstockung der Kapitalreserven wolle Spanien das Finanzsystem stabilisieren und das Vertrauen der Investoren stärken, so Elena Salgado.

Das hoch verschuldete Euroland könnte sich mit dem Schritt eine Entlastung verschaffen. Falls Spanien dieses Problem aus eigener Kraft stemmt, dürften Spekulationen über eine Flucht unter den EU-Rettungsschirm verstummen.

Eigenkapitalquote von mindestens acht Prozent

Alle Geldinstitute müssen nach Aussage der Ministerin ab September über eine Eigenkapitalquote von mindestens acht Prozent verfügen. Bislang lag der Wert bei sechs Prozent. Für nicht an der Börse notierte Banken werde eine noch höhere Quote verlangt.

Die Regierung gehe davon aus, dass Spaniens Banken maximal 20 Milliarden Euro an frischem Kapital benötigten, ergänzte Salgado. Die Summe könnte gänzlich von privaten Investoren aufgebracht werden. Einige Experten hatten den Rekapitalisierungsbedarf sogar auf über 100 Milliarden Euro geschätzt.

Von 2007 bis 2010 hätten die Banken Verluste von schätzungsweise 92 Milliarden Euro angehäuft, fügte Salgado hinzu. Vor allem mit den krisengeschüttelten Sparkassen wolle die Regierung bei der Rekapitalisierung zusammenarbeiten. Im Herbst solle bekanntgegeben werden, welche Banken frisches Kapital benötigten. Der staatliche Bankenrettungsfonds FROB solle jene Banken mit Kapital versorgen, die die neuen Anforderungen nicht erfüllen könnten.

Achillesferse des Bankensektors

Die traditionell im Hypothekengeschäft stark engagierten Sparkassen (Cajas de Ahorros) kämpfen nach dem Platzen einer Immobilienblase mit Problemkrediten in ihren Bilanzen. Die regional agierenden Cajas gelten daher als Achillesferse des Bankensektors.

Über den Fonds FROB waren bereits mehr als elf Milliarden Euro in den Sektor gepumpt worden, ohne das Problem nachhaltig lösen zu können. Die spanische Notenbank hatte schon 2010 eine Konsolidierung des Sparkassensektors angestoßen.

Die Ratingagentur Moody’s teilte am Montag mit, dass eine Reform im Bankensektor die Kreditwürdigkeit und die Wahrnehmung des EU-Landes an den Märkten verbessern könnte. Spanien will dem Schicksal Irlands entgehen, das wegen der Schieflage im Bankensektor unter den EU-Rettungsschirm flüchten musste.

EURACTIV/rtr/dto

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