Starker Anstieg sexuell übertragbarer Infektionen in Europa
Am Welttag der sexuellen Gesundheit (4. September) forderte das Europäische Zentrum für die Kontrolle von Krankheiten dringende Maßnahmen, um die Ausbreitung von sexuell übertragbaren Infektionen in der EU und im Europäischen Wirtschaftsraum einzudämmen. Unterdessen steigen die diagnostizierten Fälle.
Am Welttag der sexuellen Gesundheit (4. September) forderte die zuständige EU-Agentur dringende Maßnahmen, um die Ausbreitung sexuell übertragbarer Infektionen in Europa einzudämmen. Die Zahl der diagnostizierten Fälle steigt derzeit.
In der jüngsten Studie des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (EDCD) meldeten die EU-Mitgliedstaaten 300.000 neue Diagnosen von sexuell übertragbaren Infektionen (STI) pro Jahr.
Diese Infektionskrankheiten werden in der Regel durch ungeschützte sexuelle Kontakte übertragen. Sie können aber auch während der Schwangerschaft, bei der Geburt und beim Stillen durch Blutinfektionen weitergegeben werden.
Die Studie konzentrierte sich auf Daten, die zu vier der häufigsten und heilbaren Infektionen gesammelt wurden: Chlamydien, Gonorrhöe, Trichomoniasis und Syphilis. Diese spezifischen Infektionen haben in Europa im vergangenen Jahr stark zugenommen. So stieg die Zahl von Gonorrhöe-Fällen um 48 Prozent, die von Syphilis um 34 Prozent und die von Chlamydien um 16 Prozent.
Zu den Risikogruppen für sexuell übertragbare Infektionen gehören der Studie zufolge junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren, Männer, die mit Männern schlafen, und Sexarbeiter.
Die Studie ergab, dass junge Frauen eine höhere geschätzte Chlamydienrate von 5,54 Prozent aufweisen als Frauen im Allgemeinen (2,76 Prozent). Auch bei Männern, die mit Männern schlafen, sind den Daten zufolge Chlamydien- und Gonorrhöe-Raten weit verbreitet.
Mehr Einsatz notwendig
In früheren Berichten hat das Europäische Zentrum die Aufklärung über sexuelle Gesundheit als Mittel zur Förderung sachgemäßer Tests und Behandlungen gefördert. Diese kann dazu beitragen, die Übertragung solcher Infektionen zu verringern. Alle vier in der Studie untersuchten sexuell übertragbaren Infektionen sind mit Antibiotika und anderen Behandlungen potenziell heilbar.
Das Zentrum vertritt die Ansicht, dass Strategien zur regelmäßigen Bereitstellung von sexueller Aufklärung und Gesundheitsfürsorge dazu beitragen werden, die Ausbreitung zu bekämpfen.
Präventivmaßnahmen sind in den letzten Jahren in immer mehr Staaten leichter zugänglich geworden. In Frankreich zum Beispiel sind Kondome für junge Menschen unter 26 Jahren umsonst erhältlich.
In der Studie wird auch hervorgehoben, dass zur Bekämpfung der zunehmenden Ausbreitung von sexuell übertragbaren Infektionen weitere Forschungsarbeiten unerlässlich sind. Dies gilt insbesondere für Hochrisikogruppen.
Abschließend rät das Zentrum den europäischen Staaten, mehr Daten über unzureichend untersuchte Bevölkerungsgruppen wie Sexarbeiter zu sammeln. Auf diese Weise sollen bessere Präventionsstrategien entwickelt werden.
„Datenlücken erschweren es, das Ausmaß der Ausbreitung von sexuell übertragbaren Infektionen vollständig zu verstehen und die Anfälligkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen zu ermitteln“, erklärte das Zentrum in seinem Bericht.
[Bearbeitet von Martina Monti/Nick Alipour]