Uni Heidelberg wehrt sich gegen Koch-Mehrins Vorwürfe

Waren die Schwächen der Doktorarbeit Silvana Koch-Mehrins von Anfang an bekannt? Die Schwächen schon, die abgeschriebenen Stellen nicht, sagt Manfred Berg, Dekan an der Universität Heidelberg. Berg wehrt sich gegen Kritik der ertappten FDP-Politikerin.

Silvana Koch-Mehrin kann die Aberkennung ihres Doktortitels nicht nachvollziehen. Foto: EP.
Silvana Koch-Mehrin kann die Aberkennung ihres Doktortitels nicht nachvollziehen. Foto: EP.

Waren die Schwächen der Doktorarbeit Silvana Koch-Mehrins von Anfang an bekannt? Die Schwächen schon, die abgeschriebenen Stellen nicht, sagt Manfred Berg, Dekan an der Universität Heidelberg. Berg wehrt sich gegen Kritik der ertappten FDP-Politikerin.

Manfred Berg, Vorsitzender des Promotionsausschusses der Philosophischen Fakultät der Universität Heidelberg, hat Vorwürfe der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin zurückgewiesen, wonach die Schwächen ihrer Doktorarbeit aus dem Jahr 2000 von vorneherein bekannt gewesen seien. "Ich verwehre mich in aller Schärfe gegen die Unterstellung, dass die Gutachter damals schon die Plagiate erkannt haben und Frau Koch-Mehrin trotzdem promoviert worden ist", so Berg am Freitag im Interview mit Spiegel Online.

In einer Erklärung unterstellt Koch-Mehrin der Universität, sie habe von Anfang an gewusst, mit was für einer Arbeit sie es zu tun hatte. Der Promotionsausschuss habe ihr im Jahr 2000 in "voller Kenntnis aller eklatanten Schwächen" ihrer Arbeit den Doktortitel verliehen, so die FDP-Politikerin. Ihr sei auch im nun erfolgten Prüfungsverfahren niemals der Vorwurf der Täuschung gemacht worden. 

Die Universität stellte dagegen in dieser Woche fest, von Koch-Mehrin getäuscht worden zu sein (EURACTIV.de vom 15. Juni 2011). Die Zulassung zur Promotion und die Aushändigung der Doktorurkunde seien aufgrund "schwerwiegender falscher Angaben" über die Eigenständigkeit der erbrachten wissenschaftlichen Leistung erfolgt, so das Fazit des Promotionsausschusses. Dies habe zur Folge, dass Frau Koch-Mehrin der Doktorgrad zu entziehen sei.

Anfang Mai war Koch-Mehrin von allen Spitzen-Ämtern zurückgetreten. Die Internetplattform Vroni-Plag kommt zu dem Ergebnis, dass sich auf 34 Prozent der Seiten Plagiate finden. Bei der Uni Heidelberg heißt es: "Auf rund 80 Textseiten der Dissertation finden sich über 120 Stellen, die nach Bewertung des Promotionsausschusses als Plagiate zu klassifizieren sind." Dekan Berg erklärte: "Angesichts der Vielzahl und des systematischen Charakters der Plagiate kann kein Zweifel daran bestehen, dass sich Frau Koch-Mehrin in ihrer Dissertation fremdes geistiges Eigentum angeeignet und als das eigene ausgegeben hat."

Plagiats-Champion Jorgo Chatzimarkakis

 
Auch den Vorwurf, Koch-Mehrin habe im Verfahren zur Prüfung ihrer Doktorarbeit keine Akteneinsicht erhalten, weist Berg zurück. "Wir haben sie angehört, wir haben ihr alle Unterlagen zur Verfügung gestellt, die Akten liegen für sie bereit", so der Dekan.

Koch-Mehrin hat angekündigt, rechtliche Schritte gegen die Aberkennung ihres Doktortitels prüfen zu lassen.

Zumindest kann sich Koch-Mehrin zugute halten, nicht ganz so viel geschummelt zu haben wie ihr Partei-Kollege Jorgo Chatzimarkakis. In der Doktorarbeit des FDP-Europaabgeordneten finden sich laut "Vroni Plag" auf 71 Prozent der Seiten Plagiate.

awr

Links


Presse

Spiegel Online: Doktor-Affäre. Uni-Dekan widerspricht Koch-Mehrin (17. Juni 2011)

Dokumente

Universität Heidelberg: Silvana Koch-Mehrin – Universität Heidelberg beschließt die Entziehung des Doktorgrades (15. Juni 2011) 

VroniPlag Wiki: Internetseite

Mehr zum Thema auf EURACTIV.de

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