Verbesserter Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs weckt Hoffnungen

Die WHO gab am Montag bekannt, dass ein Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs entdeckt wurde, bei dem bereits eine Dosis ausreiche - eine vielversprechende Entdeckung angesichts des weltweiten Mangels an HPV-Impfstoffen.

EURACTIV.com
Children receive HPV vaccine
Einem Kind wird am 14. Februar 2022 in Dordrecht, Niederlande, der HPV-Impfstoff verabreicht. Bisher durften sich nur Mädchen ab 13 Jahren impfen lassen, aber das Alter wurde auf 10 Jahre gesenkt. Außerdem können jetzt auch Jungen geimpft werden. Das humane Papillomavirus (HPV) verursacht unter anderem Gebärmutterhalskrebs. [[EPA-EFE/Marco de Swart]]

Wie die WHO am Montag (11. April) bekanntgab, scheint bei einem neuen Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs bereits eine Dosis auszureichen – eine vielversprechende Entdeckung angesichts des weltweiten Mangels an HPV-Impfstoffen.

Die von der Strategischen Beratenden Expertengruppe für Immunisierung (SAGE) der WHO ausgewerteten Daten zeigen, dass die HPV-Impfung mit einer Einzeldosis eine vergleichbare Wirksamkeit aufweist wie Impfung mit zwei oder drei Dosen.

Eine Einzeldosis des Impfstoffs sei billiger, weniger ressourcenintensiv und einfacher zu verabreichen, so die stellvertretende WHO-Generaldirektorin Princess Nothemba Simelela.

Der neu entwickelte Impfstoff ist daher eine vielversprechende Entwicklung im Kampf gegen Gebärmutterhalskrebs, die vierthäufigste Krebsart bei Frauen.

Die einfache Impfung erleichtere die Durchführung von Aufholkampagnen. Außerdem falle die Nachverfolgung weg, die für die zweite Dosis bislang nötig war und organisatorische Schwierigkeiten mit sich brachte. Die Neuentdeckung „ermöglicht es zudem, finanzielle und personelle Ressourcen für andere Gesundheitsprioritäten einzusetzen“, so Simelela in einer Pressemitteilung.

HPV-Impfstoffe sind in der EU seit 2006 erhältlich und wurden im Laufe der Zeit in Europa und weltweit immer leichter erhältlich. „Bis 2020 wird etwa die Hälfte aller Länder eine HPV-Impfung eingeführt haben, die etwa ein Drittel der infrage kommenden Mädchen abdeckt“, heißt es in einem Bericht von Eurosurveillance.

Alle EU-Mitgliedstaaten haben die HPV-Impfung in ihre nationalen Programme aufgenommen. Dennoch bestehen in Europa nach wie vor Ungleichheiten und Diskrepanzen“, warnte Vaccines Europe, eine Fachgruppe des EU-Pharmaverbands EFPIA.

Zeitpläne für die Impfung

Die WHO bezeichnete die neuen Ergebnisse als einen „Wendepunkt in der Prävention der Krankheit“, der es ermöglichen würde, mehr Dosen des lebensrettenden Impfstoffs zu verabreichen.

Im Jahr 2020 starben mehr als 3.400 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. „Das bedeutet, dass Gebärmutterhalskrebs die vierthäufigste Krebserkrankung bei Frauen ist und etwa alle zwei Minuten eine Frau daran stirbt“, sagte der SAGE-Vorsitzende Alejandro Cravioto bei der SAGE-Pressekonferenz am Montag. 95 Prozent der Gebärmutterhalskrebserkrankungen werden durch HPV verursacht.

„Der HPV-Impfstoff ist hochwirksam bei der Prävention der HPV-Serotypen 16 und 18, die 70 Prozent der Gebärmutterhalskrebsfälle verursachen“, sagte Cravioto.

Cravioto forderte „alle Länder auf, HPV-Impfstoffe einzuführen und den altersübergreifenden Nachholbedarf bei versäumten und älteren Jahrgängen vorrangig zu behandeln.“

Die beratende Gruppe empfahl, die HPV-Dosierungsschemata auf Grundlage der verschiedenen Altersgruppen zu aktualisieren. Für die Hauptzielgruppe der Mädchen im Alter von neun bis 14 Jahren sowie für junge Frauen im Alter von 15 bis 20 Jahren wird ein Impfschema mit einer oder zwei Dosen empfohlen. Frauen über 21 sollen zwei Dosen im Abstand von 6 Monaten erhalten.

Immungeschwächte Personen, einschließlich HIV-Infizierter, erhalten drei Dosen, wenn möglich, ansonsten zwei, damit sie vollständig immunisiert sind. Laut WHO gebe es nur begrenzte Belege für die Wirksamkeit einer einzigen Dosis bei dieser Gruppe.

„Diese Empfehlungen werden es mehr Mädchen und Frauen ermöglichen, sich impfen zu lassen und so verhindern, dass sie im Laufe ihres Lebens an Gebärmutterhalskrebs und all seinen Folgen erkranken“, sagte Cravioto.

Er betonte, dass sich nicht nur Mädchen impfen lassen sollten. „Bei Jungen und älteren Männern empfehlen wir dasselbe System wie bei den Mädchen, nämlich eine oder zwei Impfdosen“, so Cravioto.

HPV-Impfstoffknappheit

Die WHO hat einen Plan zur Ausrottung von Gebärmutterhalskrebs aufgestellt, dem der europäische Plan zur Krebsbekämpfung folgte. Dieser setzt sich zum Ziel, bis 2030 90 Prozent der Mädchen geimpft zu haben und die Impfquote von Jungen zu erhöhen.

Das Haupthindernis sei jedoch der Mangel an HPV-Impfstoffen, von dem laut Eurosurveillance „vor allem Mädchen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen betroffen sind.“

Die WHO prognostiziert, dass der derzeitige Engpass bis 2024 andauern könnte.

Sibilia Quilici, Geschäftsführerin von Vaccines Europe, erklärte gegenüber EURACTIV, dass der Hauptgrund für die Engpässe bei der HPV-Impfung die stark gestiegene Bedarf sei. „Die Nachfrage nach HPV-Impfstoffen war fünf Jahre lang stabil, und 2018 hat sie sich plötzlich verdoppelt“, so Quilici.

Sie fügte hinzu, dass die Hersteller von Impfstoffen Zeit brauchen, um sich an die veränderte Nachfrage anzupassen. „Impfstoffe sind eines der komplexesten biologischen Produkte, die produziert und hergestellt werden“, sagte sie. Quilici fügte hinzu, dass der Prozess bei HPV-Impfstoffen insgesamt bis zu vier Jahre dauern kann.

Die neuen Erkenntnisse über die einmalige Impfung könnten daher einen erheblichen Einfluss auf die Impfziele haben. Similela sagte: „Diese Empfehlung für die Einzelimpfung hat das Potenzial, uns schneller zu unserem Ziel zu bringen, bis 2030 90 Prozent der Mädchen bis zum Alter von 15 Jahren zu impfen.“

„Ich bin fest davon überzeugt, dass die Ausrottung von Gebärmutterhalskrebs möglich ist“, betonte sie.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]