Vor Krisengipfel: Rating-Agentur setzt Eurozone unter Druck
Erst Griechenland, jetzt Spanien. Die US-Ratingagentur Moody's stuft diese Woche die Kreditwürdigkeit von Euroländern herab. Kurz vor dem Euro-Gipfel in Brüssel ist die Schuldenkrise wieder voll da.
Erst Griechenland, jetzt Spanien. Die US-Ratingagentur Moody’s stuft diese Woche die Kreditwürdigkeit von Euroländern herab. Kurz vor dem Euro-Gipfel in Brüssel ist die Schuldenkrise wieder voll da.
Die US-Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit von Spanien um eine Note herabgesetzt. Statt ein "Aa1" erhält Madrid nur noch ein "Aa2", teilte die Agentur am Donnerstag mit. Auch der Ausblick bleibe negativ. Zur Begründung führt Moody’s Spaniens Probleme im Sparkassensektor und das nur moderate Wirtschaftswachstum an. Der Euro büßte nach der Entscheidung leicht ein.
Athen wehrt sich
Moody’s hatte erst am Montag die Bonitätsnote Griechenlands um drei Stufen auf "B1" gesenkt. Die Kreditwürdigkeit Griechenlands ist nun schlechter als die Ägyptens und so hoch wie die Weißrusslands oder Boliviens. Das griechische Finanzministerium wehrte sich in einer Stellungnahme gegen die Herabstufung: "In Zeiten einer schwachen Weltwirtschaft und nervöser Märkte kann eine unausgewogene und ungerechtfertigte Entscheidung wie die von Moody’s zu einer zerstörerischen, sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden."
Diskussion um Umschuldung in Greichenland
Die Herabstufungen machen den Staats- und Regierungschefs der Eurozone kurz vor ihrem Gipfel am Freitag deutlich: die europäische Schuldenkrise ist noch lange nicht ausgestanden. Auf der Agenda stehen die Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts (SWP), der Wettbewerbspakt und der dauerhafte Euro-Rettungsschirm (ESM). Auch eine Umschuldung Griechenlands wird von Seiten der EU und einiger nationaler Regierungen zumindest in Erwägung gezogen.
Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise warnte am Dienstag vor den Folgen dieses Schrittes: "Sollte Griechenland zwangsweise umgeschuldet werden, würde ein Präzedenzfall geschaffen, der sofort unterstellt, dass Portugal und Irland ein ähnliches Schicksal droht." Der Ökonom hält es für möglich, dass Athen eine Umschuldung noch abwenden kann. Heise fordert in einem Standpunkt auf EURACTIV.de bei der Reform des SWP möglichst frühzeitige und automatische Sanktionen für Schuldensünder.
Der EU-Finanzmarktexperte Ansgar Belke (DIW) fordert dagegen, es müsse langfristig die Möglichkeit der Umschuldung für Euroländer geschaffen werden. "Eine langfristige Strategie gegen Überschuldungskrisen im Euroraum erfordert die Möglichkeit einer Staatsinsolvenz mit anschließender Umschuldung", so Belke im Interview mit EURACTIV.de. Dabei sei es von zentraler Bedeutung, dass auch private Gläubiger zumindest auf einen Teil ihrer Forderungen gegenüber Schuldnerstaaten verzichten müssen. Der DIW-Experte teilt diese Position mit 190 deutschen Wirtschaftsprofessoren, dem Plenum der Ökonomen.
awr
Links
Presse
FTD: Moody’s stuft Spanien herab (9. März 2011)
Information
Moody’s: Internetseite
Griechisches Finanzministerium: Announcement regarding Moody’s downgrading of the Greek sovereign debt rating (7. März 2011)
Dokumente
EPP Leaders: 5 Punkte zur europäischen Schuldenkrise (4. März 2011)
Eurogruppe: Erklärung zum ESM (28. November 2011)
Plenum der Ökonomen: Stellungnahme zur EU-Schuldenkrise (17. Februar 2011)
Szenarien zur Staatsverschuldung in Europa (8. März 2011)
Dauerhafter Rettungsmechanismus (ESM): "Drohender Teufelskreis" (7. März 2011)