"Wir erwarten strengen Bankenstresstest"
Irlands Krisenbanken bestanden den europäischen Stresstest und führten trotzdem ein ganzes Land an den Abgrund. Europa muss nun einen strengen Gesundheitscheck des Bankensektors nachholen, sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Die Ergebnisse dürften mit Spannung erwartet werden.
Irlands Krisenbanken bestanden den europäischen Stresstest und führten trotzdem ein ganzes Land an den Abgrund. Europa muss nun einen strengen Gesundheitscheck des Bankensektors nachholen, sagt Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Die Ergebnisse dürften mit Spannung erwartet werden.
Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer rechnet damit, dass der für Februar geplante Bankenstresstest in Europa weit schärfer ausfällt als die erste Kontrolle im Sommer 2010. Man sei an die Frage der Stabilität des Bankensektors viel nachlässiger herangegangen als die USA, so Mayer am Freitag gegenüber Journalisten in Berlin. "Es ist schon bedenklich, wenn irische Banken einen solchen Test bestehen und wenige Monate später mehr oder weniger bankrott sind", so Mayer. "Das spricht Bände über den ersten Stesstest."
Nach bestandenen Tests benötigten die Allied Irish Bank und die Bank of Ireland weitere Milliarden Euro öffentlicher Hilfe, um einer Insolvenz zu entgehen. Die Bankenrettungen zwangen Irland schließlich unter den Euro-Rettungsschirm.
Eine große Schwachstelle der Tests sei bislang gewesen, keine Staatsinsolvenzen als Szenario durchzuspielen, so Deutsche-Bank-Chefsvolkswirt Mayer. Der Bereinigungsprozess im europäischen Finanzsektor sei noch lange nicht vorbei, so Mayer unter Verweis auf die deutschen Landesbanken und die spanischen Sparkassen.
Mayer erwartet, dass die neue Europäische Bankaufsichtsbehörde EBA einen strengen Test durchsetzen wird. "Die neue Behörde wird es sich nicht erlauben können, wieder einen weichgespülten Test zu machen, der durch die folgenden Ereignisse ad absurdum geführt wird." Man dürfe die neue Prüfung mit Spannung erwarten. Die EBA hat im Januar 2011 ihre Arbeit aufgenommen. Sie geht aus dem Aussschuss der nationalen Aufsichtsbehörden CEBS hervor, hat jedoch mehr Kompetenzen als dieser und wird auch hochrangiger, nämlich von den Behördenchefs, geführt.
Scharfe Kritik am ersten Stresstest übte neben zahlreichen deutschen Ökonomen auch Sven Giegold, wirtschafts- und finanzpolitscher Sprecher der Grünen im EU-Parlament. "Aufgrund der schwachen und unrealistischen Kriterien in den Stresstests sind sie nicht geeignet, Transparenz zu erhöhen oder das Vertrauen an den Märkten zu verbessern", so Giegold im Juli (EURACTIV.de vom 26. Juli 2010).
Hintergrund
Europas Banken sollen sich Anfang Februar erneut einem Belastungstest unterziehen. Im Juli 2010 wurden insgesamt 91 Banken geprüft. Dabei waren nur sieben Banken durchgefallen (EURACTIV.de vom 23. Juli 2010). Darunter war allerdings keine irische Banken. Die EU-Kommission will deshalb dieses Mal nicht nur die Liquiditätslage der Banken, sondern auch ihre Resistenz gegen Immobilienkrisen untersuchen. Letzteres soll sich aber auf die besonders davon betroffenen Länder Spanien, Irland und Portugal beschränken, wie es in EU-Kreisen hieß.
awr mit EURACTIV/rtr
Links
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de:
Stress nach dem Test – Schäuble vs. Giegold (26. Juli 2010)
Deutsche Banken erweisen sich im Stresstest als robust (23. Juli 2010)
Dokumente
EU-Ratspräsidentschaft: New financial watchdogs on duty (4. Januar 2011)
European Banking Authority (EBA): Intenetseite
EU-Kommission / EZB / CEBS: Gemeinsame Pressemitteilung – Veröffentlichung der Ergebnisse der EU-weiten Stresstests (23. Juli 2010)
EU-Kommission / EZB / CEBS: Questions & Answers 2010 EU-wide stress testing exercise (23. Juli 2010)
CEBS: 2010 EU-wide stress testing. Alle Dokumente (23. Juli 2010)
Bundesbank: Stresstest für deutsche Banken. Übersicht (23. Juli 2010)
BaFin: Stresstest für deutsche Banken. Übersicht (23. Juli 2010)