Französischer Luftfahrtausrüster: Europas Strategie für Rüstungsgüter verlagert sich

Eine Präferenz für europäische Produkte könnte die europaweite industrielle Zusammenarbeit zu fördern, sagte Olivier Andriès, CEO des französischen Technologiekonzerns Safran. Das Unternehmen ist einer der Schlüsselakteure bei der Herstellung von Verteidigungsgütern.

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French President Macron visits Safran site in Villaroche near Paris
"Wir werden sehen, dass europäische Länder anfangen werden, darüber nachzudenken, eher europäische als amerikanische Produkte zu kaufen", sagte Safran-Chef Olivier Andriès (Bild L.) in einem Interview mit Euractiv. [EPA-EFE/GONZALO FUENTES / POOL MAXPPP OUT]

Eine Präferenz für europäische Produkte könnte die europaweite industrielle Zusammenarbeit zu fördern, sagte Olivier Andriès, CEO des französischen Technologiekonzerns Safran. Das Unternehmen ist einer der Schlüsselakteure bei der Herstellung von Verteidigungsgütern.

Brüssel – „Wir werden sehen, dass europäische Länder anfangen werden, darüber nachzudenken, eher europäische als amerikanische Produkte zu kaufen“, sagte Safran-Chef Olivier Andriès in einem Interview mit Euractiv.

Für Andriès war das kontroverse Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj im Oval Office ein Wendepunkt für die Beschaffungsstrategien der europäischen Länder – oder hätte es zumindest sein sollen.

Laut Daten des Stockholm International Peace Research Institute sind die Europäer die größten Kunden der USA, wenn es um Verteidigungsgüter geht. Andriès wies darauf hin, dass „zwischen den USA und Europa ein großes Handelsdefizit bei Verteidigungsgütern besteht“.

Da die meisten europäischen Länder bei der Verteidigung weitgehend von den USA abhängig sind, hat die wachsende Unsicherheit über die US-Beteiligung an der Sicherheit Europas zu einer Neubewertung der Beschaffungsstrategien geführt.

„Wir werden sehen, was passiert“, sagte der Safran-CEO.

„In Anbetracht der Ereignisse der letzten Wochen spricht einiges dafür, dass Fortschritte bei den Kriterien [für eine europäische Präferenz] erzielt werden, insbesondere bei der Designhoheit“, die in den Händen der EU-Industrie verbleibe.

Die Designhoheit ermöglicht es Herstellern, ein Produkt je nach Bedarf zu ändern – und auch der Endverbraucher kann es nach seinen Wünschen verwenden, ohne dass ein fremdes Land eingreift.

„Ohne die Kontrolle über seine eigenen Waffen kann ein Land nicht souverän sein“, fügte Andriès hinzu.

Zu Safrans Produktkatalog gehören unter anderem die Langstreckenrakete Scalp und die Mistral-Raketen, von denen Frankreich einige an die Ukraine geschickt hat.

Scalp ist ein Beispiel dafür, wie Frankreich und seine Industrie seit langem daran arbeiten, die Fähigkeit zu bewahren, Ausrüstungen anzupassen oder fremdkontrollierte Komponenten zu entfernen.

Im Gegensatz dazu musste London beispielsweise das britische Scalp-Äquivalent Storm Shadow zurückhalten, da es von der USA kontrollierte Technologie enthält.

Ein heikles Thema

Die Idee einer Bevorzugung für europäische Produkte ist umstritten.

Während Paris aus Gründen der „strategischen Autonomie“ seit langem dafür plädiert, hat der Rest Europas lange Zeit Verteidigungspartnerschaften mit den USA und ihrem militärisch-industriellen Komplex unterhalten.

Die EU-Kommission hat kürzlich einen Plan zur Subventionierung der gemeinsamen Beschaffung von Waffen in Europa durch Kredite in Höhe von 150 Milliarden Euro vorgeschlagen. Darin wurde einer starken Präferenz für die in der EU ansässige Industrie deutlich.

Der Plan soll dringende Lücken zu schließen. Deshalb könnten sich Drittländer, mit denen die EU erstmals Kooperationsabkommen abschließen würde, anschließen, hieß es.

Zusammenarbeit der Industrie

Der US-Vorstoß für mehr europäische Eigenständigkeit könnte ein Geschenk für die europäischen Länder sein, die ihre Zusammenarbeit im Ausland verstärken wollen, sagte Andriès.

Er „wird die Zusammenarbeit zwischen europäischen Ländern in der Verteidigungsindustrie fördern“.

Ein Konzern wie Safran wird nicht investieren oder Partnerschaften mit anderen Unternehmen in anderen europäischen Ländern eingehen, wenn die lokale Regierung es vorzieht, im Ausland zu kaufen – insbesondere in Amerika. „Ich kann nicht damit rechnen, dass sie ihre Meinung ändern“, sagte er.

„Aber es gibt jetzt einen anderen Kontext, es gibt eine Öffnung, also ist es vielleicht an der Zeit, etwas zu unternehmen.“

Auf die Argumente, dass die europäische Industrie nicht schnell genug produzieren könne und dass die europäische Ausrüstung weniger effizient sei, sagte er, dass diese Argumente „falsch“ seien. Außerdem würde es zu „sich selbst erfüllenden Prophezeiungen“ kommen, würde man diesen Argumenten nachgeben.

Auf die Frage, ob er in den letzten Monaten eine Veränderung in den Beschaffungsabsichten der europäischen Länder gespürt habe, sagte er: „Es gibt Vibrationen“, ohne nähere Angaben zu machen.

[MM/KN]