Ab ins Auslandspraktikum – ein ESF-Mobilitätsprojekt in Berlin

EU-Arbeitskommissar László Andor hat die “Berlin Event Mobilitätswerkstatt” besucht, die Auslandspraktika für junge Erwachsene organisiert. EURACTIV.de war dabei.

EU-Arbeitskommissar László Andor (L) und sein Kommissionskollege Max Uebe skypen in Berlin mit Jugendlichen in Jakobstad (Finnland). Foto: Sabrina Schadwinkel
EU-Arbeitskommissar László Andor (L) und sein Kommissionskollege Max Uebe skypen in Berlin mit Jugendlichen in Jakobstad (Finnland). Foto: Sabrina Schadwinkel

EU-Arbeitskommissar László Andor hat die “Berlin Event Mobilitätswerkstatt” besucht, die Auslandspraktika für junge Erwachsene organisiert. EURACTIV.de war dabei.

"Can you hear me?" Die acht Jugendlichen auf dem Bildschirm heben grinsend ihre Daumen. "Sie hören uns, wir sie leider nicht… das ist der Vorführeffekt", konstatiert Anne Erretkamps von der Werkstatt neue Technologien und Kultur (WeTeK), ein Träger der "Berlin Event Mobilitätswerkstatt". Also erst einmal Kaffee trinken. Nicht nur bei der Videoschalte ins finnische Jakobstad könnte die Kommunikation besser sein, auch innerhalb des Europäischen Sozialfonds (ESF) knirscht es in der Leitung.

"Der Austausch mit anderen EU-Mitgliedsstaaten und Regionen ist schwierig, weil es 117 operationelle Programme gibt. Transnationale Aktivitäten begrenzen sich zudem vor allem auf den Austausch von Experten", bemängelte Stefan Schulz-Trieglaff vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gegenüber dem EU-Arbeitskommissar László Andor. Andor besuchte am Donnerstag (31. März) in Berlin die "Event Berlin Mobilitätswerkstatt", die im Rahmen des transnationalen Programms "IdA – Integration durch Austausch" vom ESF gefördert wird.

Das IdA-Programm erhält im Zeitraum 2008 bis 2015 insgesamt 121 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds und rund 25 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. Die erste IdA-Förderungsrunde von April 2009 bis Dezember 2012 soll die Ausbildungs- und Beschäftigungschancen benachteiligter junger Menschen durch transnationalen Austausch verbessern. 10.000 Jungen Menschen sollen ins Ausland geschickt werden. 69 Projektverbünde sind beteiligt, die Event Berlin Mobilitätswerkstatt ist einer davon.

Die Event Berlin Mobilitätswerkstatt vermittelt Praktika in der Kreativ- und Eventwirtschaft in Finnland, Großbritannien und Italien. Junge Schulabgänger, die berufliche Orientierung benötigen und junge Erwachsene, die nach der Ausbildung oder dem Studium auf Arbeitssuche sind, bilden die Zielgruppe. Das Programm der Mobilitätswerkstatt läuft in drei Phasen ab: Zu Anfang stehen ein bis zwei Monate zur Vorbereitung für den internationalen Austausch inklusive Sprachtraining, dann folgt der dreimonatige Austausch selbst und im Anschluss stehen zwei Monate zur Nachbereitung an. 2010 haben 43 junge Menschen an der Event Berlin-Mobilitätswerkstatt teilgenommen.

Berlin ist (nicht) die Welt

"Helloooo?" Die Videoschalte steht jetzt doch und Basti erzählt in die Kamera von seiner ersten Woche in Finnland: "Ich vermisse den Sound von Berlin." Es sei schon sehr ruhig in Jakobstad. Die Menschen seien dafür gelassener. Basti ist einer der acht jungen Berliner, die am 21. März nach Jakobstad in Finnland aufgebrochen sind, um durch einen Auslandsaufenthalt ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

"Die Berliner Jugendliche wollen erst gar nicht weg, um die Welt zu sehen. Berlin ist für sie die Welt", berichten die Projektbetreuer. Der 23-jährigen Linda, die ihr Praktikum im britischen Preston schon hinter sich hat, ging es zunächst auch so: "Erst wollte ich nicht für 7 Wochen weggehen, weil ich einfach faul war. Aber jetzt muss ich sagen, es war wirklich die beste Entscheidung. Vorher hatte ich Angst wegen der Sprache, jetzt kann ich fließend Englisch reden." Auch beruflich hat sich der Aufenthalt in Großbritannien für sie ausgezahlt. Linda macht jetzt eine Ausbildung als Mediendesignerin.

Frischluftkur für den Arbeitsmarkt

Die Jugendlichen durch die Auslandserfahrung "mobil" zu machen, lautet das Konzept des Projektes. Sie bräuchten mal "frische Luft", müssten "aus ihrem Alltag herausgeholt" werden, sind sich die Verantwortlichen des Projektes einig. Die jungen Erwachsen würden hoch motiviert aus dem Ausland zurückkehren, was ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt enorm erhöhe. Auch nach ihrer Rückkehr werden die Teilnehmer weiter von ihrem Jobcenter bei der Karriereplanung betreut.

"Diese Betreuung ist für nachhaltige Erfolge entscheidend", ist EU-Kommissar Andor überzeugt. Das Selbstvertrauen der jungen Menschen müsse aufgebaut werden. Gerade sei man beim ESF in der Konsultationsphase. Es werde intensiv über die künftige Finanzierung und die Kapazität des Programms diskutiert. Projekte wie die Berliner Mobilitätswerkstatt zeigten, dass es in die richtige Richtung gehe. "Wir wollen alle Ressourcen nutzen, um diejenigen zu unterstützen, die sie brauchen", so Andor. Wie es mit dem ESF weitergehen soll, hat Andor im Interview mit EURACTIV.de erklärt.

Zum Abschluss der Videokonferenz heißt es "Bye, bye Jakobstad" – EU-Kommissar Andor winkt den Jugendlichen zum Abschied und der Projektor wird ausgeschaltet.

Sabrina Schadwinkel