Alarmglocken läuten über Atomausdehnung Europas

Während sich die Atomkrise Japans vertieft, wachsen Sorgen im Windsektor Europas über Pläne der Europäischen Kommission, nach 2020 in einer CO2-armen Gesellschaft die Kernkraft auf eine Stufe mit den erneuerbaren Energien zu stellen.

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Während sich die Atomkrise Japans vertieft, wachsen Sorgen im Windsektor Europas über Pläne der Europäischen Kommission, nach 2020 in einer CO2-armen Gesellschaft die Kernkraft auf eine Stufe mit den erneuerbaren Energien zu stellen.

Die 2050-Strategie der EU, die am 8. März eingeleitet wurde, ist von Umweltschützern viel gelobt worden. Allerdings unterlässt sie nach 2020 jegliche Erwähnung „erneuerbarer“ Ziele und spricht stattdessen von „CO2-armen“ Zielen – was die Kernkraft, mit CO2-Abscheidung und –speicherung (oder CCS, von „carbon capture and storage“) ausgerüstete Kohlekraftwerke und Gas einbeziehen könnte.

Das Verschwinden des Diskurses über „erneuerbare Energien“ nach 2020 sei problematisch und störend, da man wisse, dass es von der Atom- und CCS-Lobby komme, erklärte Steve Sawyer, der Generalsekretär des Weltwindenergierates („Global Wind Energy Council“) EURACTIV gegenüber.

Auch einige Unternehmen, die an der Konferenz des Europäischen Windenergieverbandes („European Wind Energy Association“) teilnahmen, waren über die Wortwahl der Kommission besorgt, obwohl sich wenige öffentlich ausdrücken wollten, da sie fürchteten, mögliche Kunden abzuschrecken.

Einer, unter denjenigen, die es trotzdem getan haben, war Marcello Deplano, „Business Development Manager“ beim führenden italienischen Unternehmen für erneuerbare Energien Relight.

Für sie sei es „furchtbar“, solche Veränderungen zu erleben, weil man dann keine „Bestimmtheit“ habe, erklärte er EURACTIV. Solle die EU widersprüchliche Botschaften vermitteln, fürchte er, die Pläne der Mitgliedsstaaten würden in Zweifel gezogen werden.

Für sie stelle dies die größere Gefahr dar, sagte er. Wenn sich die Sachen von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat, veränderten, dann werde es schwierig, etwas zu bewirken.

Theoretisch verspricht die Strategie, die CO2-Emissionen im Stromsektor um zwischen 93 und 97 Prozent im Vergleich zu den Niveaus aus dem Jahre 1990 zu reduzieren. In der Praxis fürchten jedoch die Umweltschützer, dass sie kurzfristigen, CO2-intensiven Projekten die Tür offen lasse, welche dieses Ziel unterhöhlen würden.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) und die Europäische Investitionsbank (EIB) haben bereits Projekten zugestimmt wie einem Kredit im Wert von 770 Millionen Euro für ein Braunkohlekraftwerk in Slowenien, die es für dieses Land unmöglich machten, das 2050-Ziel zu erfüllen.

Die EIB hat auch Kredite im Wert von 6,6 Milliarden Euro bereitgestellt zur Finanzierung von Kernkraftwerken, experimentellen Atomkraftanlagen und von nuklearen Brennstoffkreislaufprojekten in Frankreich, Belgien, Großbritannien und Italien.

Seit 2007 hat sie Atomprojekte im Rahmen ihrer Politik „Saubere Energie für Europa“ in Betracht gezogen.

Christian Kjaer, Geschäftsführer des Europäischen Windenergieverbandes (EWEA), behauptet, dass es „wissenschaftlich falsch“ wäre, die CO2-armen Eigenschaften der Kernkraft zu hinterfragen.

Man könne es zwar als vieles Anderes bezeichnen – wie möglicherweise radioaktiv, erklärte er der EWEA-Konferenz als Antwort auf eine Frage EURACTIVs.

„CO2-arm“ sei jedoch ein relativer Begriff, sagte Steve Sawyer, der für einen kommenden Bericht des Weltklimarates („Intergovernmental Panel on Climate Change“ oder IPCC) über erneuerbare Energien wissenschaftliche Kommentare abgab. „Im Vergleich wozu?“

Sawyer zufolge wird der kommende IPCC-Bericht aufdecken, dass CO2-Emissionen von Atomkraftanlagen zwischen 100 und 200 Gramm CO2-Emissionen per Kilowattstunde (kWh) mit sich bringen. „Reingas“ emittiere circa 350 Gramm CO2 per Kilowattstunde.

Windturbinen emittierten jedoch kein CO2, wenn sie Strom erzeugen.

Eine Ökobilanz von der Onshore-Turbine „Vestas V90-3.0MW“ – welche die Herstellung von Bestandteilen miteinschließe – habe befunden, dass sogar dort nur 4,64 Gramm CO2 per Kilowattstunde geschaffen würden.

Die Atomkraft sei im Allgemeinen das teuerste, komplizierteste und gefährlichste Mittel, das sich die Menschen ausgedacht hätten, um Wasser zum Kochen zu bringen, sagte Sawyer in einer Zusammenfassung seiner Antiatomargumentation.

Warum jemand die nutzen wolle, um Strom zu erzeugen, sei für ihn nicht einzusehen, es sei denn, man sei an dem interessiert – wie es die meisten europäischen Staaten in der Atomfrühgeschichte gewesen seien –, was daraus folge: spaltbares Material für Atomwaffen, fügte er hinzu.