Arbeit in Deutschland deutlich billiger als in Frankreich
Deutsche Arbeitgeber kommen deutlich günstiger weg als ihre Konkurrenten in den Nachbarländern im Norden und Westen. Bulgarien ist das Billiglohnland der EU. Dänische Arbeitgeber zahlen am meisten.
Deutsche Arbeitgeber kommen deutlich günstiger weg als ihre Konkurrenten in den Nachbarländern im Norden und Westen. Bulgarien ist das Billiglohnland der EU. Dänische Arbeitgeber zahlen am meisten.
Für eine Arbeitsstunde mussten sie im vergangenen Jahr in der Privatwirtschaft im Schnitt 29,20 Euro zahlen, wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Damit liegt Deutschland bei den Arbeitskosten auf dem siebten Rang. In der zweitgrößten Euro-Volkswirtschaft Frankreich müssen die Arbeitgeber dagegen mit 33,10 Euro spürbar mehr bezahlen, auch die Niederländer liegen höher. Am teuersten ist eine Arbeitsstunde in Dänemark mit 37,60 Euro, am billigsten in Bulgarien mit 3,10 Euro.
Ebenfalls sehr niedrig liegen die Löhne in der Privatwirtschaft von Polen (7 Euro), Lettland (5,70 Euro), Litauen (5,30 Euro) und Rumänien (4,30 Euro). Der Durchschnitt in der Europäischen Union liegt bei 22,10 Euro.
Dagegen sind die Bruttolöhne plus Nebenkosten in Deutschland vor allem in der Energiebranche hoch: Sie liegen im Schnitt bei 44,50 Euro pro Stunde. Banken und Versicherungen zahlen 43,70 Euro. Kellner, Köche und andere Beschäftigte im Gastgewerbe kommen ihren Arbeitgebern dagegen günstig: Für ihre Arbeit fallen lediglich Kosten von 14,30 Euro an.
Im Verarbeitenden Gewerbe, das besonders stark im internationalen Wettbewerb steht, liegt Deutschland mit seinen Arbeitskosten auf dem fünften Rang. Für eine Stunde fielen hier Kosten von 33,10 Euro an. Spitzenreiter ist hier Belgien mit 38,50 Euro, Schlusslicht ebenfalls Bulgarien mit 2,60 Euro.
In den besonders von der Schuldenkrise betroffenen Staaten müssen Arbeitgeber in Portugal am wenigsten bezahlen: Hier liegen die durchschnittlichen Arbeitskosten in der Privatwirtschaft bei zwölf Euro. In Griechenland ist Arbeit mit 17,50 Euro spürbar teurer, in Irland fallen sogar mit 27,60 Euro höhere Kosten als im EU-Durchschnitt insgesamt an. Erst vergangene Woche hatte Portugal Hilfe aus dem Euro-Rettungsschirm beantragt. Das Land war auch wegen seines jahrelang schwachen Wachstums in finanzielle Schwierigkeiten geraten.
Die Arbeitskosten setzen sich aus Bruttolöhnen plus Lohnnebenkosten zusammen. Je 100 Euro Bruttolohn müssen deutsche Arbeitgeber 28 Euro Nebenkosten zahlen, drei Euro weniger als im EU-Durchschnitt. Deutschland liege hier auf dem 15. Rang innerhalb der EU und damit im Mittelfeld, schrieben die Statistiker. Besonders hohe Nebenkosten werden in Schweden mit 51 und in Frankreich mit 49 Euro fällig, besonders niedrige in Malta mit zehn und Dänemark mit elf Euro.
EURACTIV/rtr/awr
Links
Destatis: EU-Vergleich der Arbeitskosten und Lohnnebenkosten für das Jahr 2010 (11. April 2011)
Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK): Neuer europäischer Arbeitskostenvergleich des IMK. Deutsche Arbeitskosten entwickeln sich weiter unterdurchschnittlich – Platz im europäischen Mittelfeld. Pressemitteilung (1. März 2011)
Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK): Deutsche Arbeitskosten und Lohnstückkosten im europäischen Vergleich – Auswirkungen der Krise. Auswertung der aktuellen Eurostat-Statistik bis 2010 (1. März 2011)
Eurostat: Arbeistmarktdaten 2010
Eurostat: Viertes Quartal 2010 gegenüber viertem Quartal 2009
Arbeitskosten pro Stunde im Euroraum um 1,6 Prozent gestiegen (16. März 2011)
Eurostat: Januar 2011. Arbeitslosenquote des Euroraums bei 9,9 Prozent. Quote der EU27 bei 9,5 Prozent (1. März 2011)
Mehr zum Thema auf EURACTIV.de:
Eurozone: Deutsche Arbeitskosten bleiben im Mittelfeld (2. März 2011)