Betreiber legen Plan für europäisches Stromnetz vor
Der Ausbau des europäischen Stromnetzes kostet in den kommenden fünf Jahren zwischen 23 und 28 Milliarden Euro, schätzt der europäische Branchenverband ENTSO-E. Das viel diskutierte Wüstenstromprojekt DESERTEC wurde noch nicht berücksichtigt.
Der Ausbau des europäischen Stromnetzes kostet in den kommenden fünf Jahren zwischen 23 und 28 Milliarden Euro, schätzt der europäische Branchenverband ENTSO-E. Das viel diskutierte Wüstenstromprojekt DESERTEC wurde noch nicht berücksichtigt.
Bis 2020 sollten 35.300 Kilometer neue Übertragungsleitungen verlegt und 6900 Kilometer des bestehenden Netzes erneuert werden, schlägt der Verband der Europäischen Netzbetreiber (ENTSO-E) vor. Bislang misst das Übertragungsnetzwerk der Mitgliedsunternehmen rund 300.000 Kilometer.
Der Zusammenschluss von 42 Übertragungsnetzbetreibern hat im Auftrag der EU-Kommission einen Zehn-Jahres-Plan (Ten-Year Network Development Plan / TYNDP) vorgelegt. Die EU-Staaten könnten sich an diesem Plan orientieren. ENTSO-E rechnet in den ersten fünf Jahren mit Kosten von 23 bis 28 Milliarden Euro für zunächst 18.700 Kilometer.
Der Zehn-Jahres-Plan könne ein wichtiger politischer Input für die Definition der Nationalen Aktionspläne zu Erneuerbaren Energien (National Renewable Energy Action Plans / NREAPs) sein, die die EU-Staaten bis Ende Juni 2010 vorlegen müssen (Siehe EURACTIV vom 29. Januar 2010), heißt es von Seiten des Verbandes.
Zusätzliche Übertragungskapazität sei oft entscheidend, um zusätzliche erneuerbare Energiequellen in das System zu integrieren. Obwohl die europäischen Übertragungsnetzbetreiber bereit und fähig seien, die Investitionen zu tätigen, seien die geeigneten rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen für solche Projekte sowie die allgemeine gesellschaftliche Akzeptanz von größter Wichtigkeit. Oft klagen Anwohner gegen den Netzausbau, was die Projekte in die Länge zieht.
Die Stromnetze gelten als Schlüsselfaktor für die großräumige Umstellung auf Erneuerbare Energien. In Deutschland müssen etwa immer mehr Windparks im Norden mit Verbrauchszentren im Süden verbunden sein. Wasserkraftanlagen in Skandinavien, die stabil Ökostrom liefern, sollen in den Visionen einer emissionsfreien Stromversorgung auch die südlichen Nachbarn beliefern.
Besonderen Handlungsbedarf sieht ENTSO-E bei der Integration der baltischen Staaten ins europäische Netz, grenzüberschreitenden Leitungen in Südosteuropa und der Anbindung von Wind- und Sonnenenergieanlagen in Südeuropa.
DESERTEC-Investitionen noch ungewiss
Keine besondere Rolle im derzeitigen Zehn-Jahres-Plan spiele indes das Projekt DESERTEC, sagte Verbandsgeneralsekretär Konstatin Staschus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Montagsausgabe). DESERTEC stecke bislang noch zu sehr in der Planungsphase, um genau sagen zu können, wo welche Investitionen nötig seien. Die deutsch dominierte Industrie-Initiative fordert derzeit stabile Rahmenbedingungen, um Investitionen von mehreren hundert Milliarden Euro anzustoßen (Siehe EURACTIV.de vom 18. Februar 2010 ).
Mit Erneuerbarer Energie aus Afrika will DESERTEC bis 2050 etwa 15 Prozent des europäischen Strombedarfs decken. Für den Transport sind sogenannte HGÜ-Leitungen (Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) vorgesehen.
awr/dpa
Link
ENTSO-E: Ten-Year Network Development Plan (TYNDP). Pressemitteilung (1. März 2010).