#Breitscheidplatz: Festgenommener Verdächtiger wieder frei
Ein Lkw ist in einen Berliner Weihnachtsmarkt gefahren. Zwölf Menschen wurden getötet. Innenminister de Maizière spricht nun klar von einem Anschlag. Die Bundeskanzlerin will den Tatort heute besuchen.
Ein Lkw ist in einen Berliner Weihnachtsmarkt gefahren. Zwölf Menschen wurden getötet. Innenminister de Maizière spricht nun klar von einem Anschlag. Die Bundeskanzlerin will den Tatort heute besuchen.
– Eine Person wurde festgenommen.
– Der Lkw wurde laut dem Bundesinnenminister vorsätzlich in die Menschenmenge gesteuert. De Maizière spricht von einem Anschlag.
– Unter den Toten befindet sich auch der Beifahrer des Lastwagens. Bei ihm handelt es sich der Polizei zufolge um einen Polen. Er habe den Wagen nicht gesteuert.
– Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen.
+++ 19.00 Uhr +++ Festgenommener Verdächtiger wieder frei
Der zunächst festgenommene Verdächtige ist wieder frei. Gegen den 23-jährigen Pakistani sei kein Haftbefehl erlassen worden, teilte die Bundesanwaltschaft am Dienstagabend in Karlsruhe mit. Aus Sicherheitskreisen hieß es, dass man den Verdächtigen dennoch „weiter im Blick“ habe.
Auf der Webseite der Generalbundesanwalt heißt es: „Die bisherigen Ermittlungsergebnisse ergaben keinen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten. Dieser machte in einer polizeilichen Vernehmung umfangreiche Angaben, bestritt jedoch eine Tatbeteiligung. Eine lückenlose Verfolgung des LKW-Fahrers nach dem durchgeführten Anschlag ist durch Augenzeugen nicht erfolgt. Die durchgeführten kriminaltechnischen Untersuchungen konnten eine Anwesenheit des Beschuldigten während des Tatgeschehens im Führerhaus des LKW bislang nicht belegen.“ (mit Tagesspiegel/dpa/Reuters)
+++ 14.00 Uhr +++ Pressekonferenz des Berliner Senats
- Müller zeigt sich fassungslos. „Es ist ein Anschlag auf unser aller Leben und unsere Freiheit“
- Brandenburger Tor wird am Abend in Schwarz-Rot-Gold leuchten
- Innensenator Geisel fordert Berliner auf, kühlen Kopf zu wahren. Sicherheitskonzept für Silvesterparty wird laut Geisel überarbeitet
- Polizeipräsident Kandt erklärt, dass es Zweifel daran gebe, dass der festgenommene Tatverdächtige wirklich der gesuchte Fahrer des LKW sei. „Die Ermittlungen laufen weiter.“
Festgenommener Verdächtiger stammt aus Pakistan
Der Tatverdächtige stammt laut dem Innenminister aus Pakistan. In den Terrordateien sei er nicht verzeichnet. Sein Asylverfahren laufe noch. Der Mann leugne die Tat weiterhin.
De Maizière: Kein Zweifel mehr an Anschlag
Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat in einer Pressekonferenz alle letzten Hoffnungen aufgelöst: „Wir haben keinen Zweifel mehr, dass es sich bei dem schrecklichen Ereignis gestern Abend um einen Anschlag gehandelt hat.“ De Maizière sagte: „Lassen Sie uns gemeinsam den Feinden unserer rechtsstaatlichen Gesellschaft die Stirn bieten. Wir trauern und wir kämpfen um unsere Freiheit.“
Verdächtiger womöglich über Passau eingereist
Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen soll der festgenommene Verdächtige am 31. Dezember 2015 in einer Gruppe von etwa 15 Flüchtlingen nach Deutschland eingereist sein. Seine Personalien sollen von der Bundespolizei im bayerischen Passau aufgenommen worden sein. Am 19. Februar habe er in Berlin einen Asylantrag gestellt.
Die Polizei überwacht den Gedenkgottesdinst in der Gedächtniskirche
Die Polizei überwacht den Gedenkgottesdienst #Breitscheidplatz pic.twitter.com/ZMAl0Z5f4k
— Raffaela Singer (@singerraffaela) December 20, 2016
Verdächtiger bestreitet Tat
Der festgenommene Tatverdächtige streitet die Tat laut der Deutschen Presse-Agentur ab. Die dpa beruft sich auf Sicherheitskreise.
Polens Ministerpräsidentin kondoliert „der deutschen Nation“
Die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo hat „der deutschen Nation“ ihr Beileid ausgesprochen. Europa müsse vereint „gegen den Terrorismus kämpfen“ und „effiziente Maßnahmen für die Verteidigung seiner Bürger“ ergreifen, erklärte Szydlo. Sie kündigte an, dass sie mit Angela Merkel telefonieren werde. „Das erste Opfer dieser abscheulichen Gewalttat“ sei ein polnischer Bürger gewesen, hieß es in der Erklärung Szydlos mkt blick auf den erschossenen polnischen Lkw-Fahrer.
In der Gedächtniskirche am Breitscheidplatz zeigen Politiker ihre Anteilnahme.
Inside #berlin's memorial church, people, politicians file in to sign condolences book. #Breitscheidsplatz pic.twitter.com/Qdv2lWBZP3
— Naomi Conrad (@NaomiConrad) December 20, 2016
Merkel: „Wir wollen nicht damit leben, dass uns die Angst lähmt“
Das ZDF unterbricht das laufende Programm für eine Rede von Bundeskanzlerin Merkel, die schwarz trägt. „Wir müssen nach jetzigem Stand von einem terroristischen Anschlag ausgehen“, sagt die Kanzlerin auf einer Pressekonferenz. Dass die Tat vielleicht von einem Menschen begangen wurde, der in Deutschland Schutz und Asyl gesucht habe, sei besonders widerwärtig.
Merkel will am Nachmittag den Breitscheidplatz besuchen, um ihre Anteilnahme auszudrücken. Vorher wird sie das Sicherheitskabinett einberufen, um über mögliche Konsequenzen zu sprechen.
Die Kanzlerin trägt schwarz. Sie will am Nachmittag zum #Breitscheidplatz kommen. pic.twitter.com/BtjA2EbE3a
— Matthias Deiss (@MatthiasDeiss) December 20, 2016
Merkel versucht, die Menschen zu beruhigen und sagt, die Angst vor dem Bösen dürfe nicht lähmen. „Viele Menschen fragen sich heute morgen, wie an einem Ort, an dem wir das Leben feiern, ein Mörder so vielen den Tod bringt. Eine einfache Antwort darauf habe auch ich nicht.“
Kardinal Marx warnt vor Kurzschlussreaktionen
Kardinal Reinhard Marx“ hat vor Kurzschlüssen gewarnt: „Verheerend zu sagen, die Flüchtlinge sind schuld.“
Kardinal #Marx warnt vor Kurzschluss: "Verheerend zu sagen, die Flüchtlinge sind schuld." #BerlinAttack pic.twitter.com/UZMAYUDifx
— Tilmann Kleinjung (@TilmannKk) December 20, 2016
„Im Kriegszustand“
„Wir müssen konstatieren: Wir sind in einem Kriegszustand, obwohl das einige Leute, die immer nur das Gute sehen, nicht sehen möchten.“ So lautet die Einschätzung des Vorsitzenden der Innenministerkonferenz, Klaus Bouillon (CDU). Bouillon sagte, es werde weiter verschärfte Sicherheitsmaßnahmen geben. „Wir werden, wo wir es für erforderlich halten, auch mit schwerem Gerät antreten. Das heißt: Langwaffen, Kurzwaffen, Maschinenpistolen.“ Die Zufahrten zu Veranstaltungen müssten in den Sicherheitskonzepten berücksichtigt werden.
Berliner Weihnachtsmärkte bleiben geschlossen
Die Weihnachtsmärkte in Berlin öffnen heute auf Bitte des Berliner Innensenators Andreas Geisel (SPD) nicht. Die Betreiber sollten aus Rücksichtnahme auf die Opfer und deren Angehörige die Märkte geschlossen halten.
Die Polizei in Berlin kontrolliert dichter.
Wir haben vorsorglich die Zahl der Streifen in #Berlin erhöht. Wie in allen Bundesländern gehen die Kolleg. mit Schutzweste & MP auf Streife
— Polizei Berlin Einsatz (@PolizeiBerlin_E) December 20, 2016
Bundesweit sind die Weihnachtsmärkte jedoch wie geplant geöffnet. Das Bundesinnenministerium ließ nach einer Telefonkonferenz der Ressortchefs wissen, dass sich die Innenminister von Bund und Ländern eine Absage von Weihnachtsmärkten und ähnlicher Veranstaltungen in Deutschland entschlossen haben. Vor Ort solle über „lageangepasste und angemessene Maßnahmen“ zur Erhöhung der Sicherheit entschieden werden.
Polnischer Beifahrer wurde erschossen
Der Beifahrer des Lkw – vermutlich ursprünglich der Fahrer – wurde erschossen. Der Kontakt zwischen ihm und der polnischen Spedition des Fahrzeugs war am Montagnachmittag gegen 16 Uhr abgebrochen.
Berlin: Lkw-Beifahrer wurde offenbar erschossen https://t.co/3qvbo3Cibh
— tagesschau Eil (@tagesschau_eil) December 20, 2016
Treffen der Innenminister
Die Innenminister der Bundesländer beraten noch heute über die sicherheitspolitischen Folgen des Vorfalls. Im Sender WDR 5 kündigte der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger an, die Wachsamkeit und Präsenz der Sicherheitskräfte zu erhöhen. Geplant sind schwerer bewaffnete Kontrollen der Polizei in Doppelstreifen und verdeckte Maßnahmen zur Beobachtung insbesondere der islamistischen Szene.
Innenminister Jäger: "Wir müssen jetzt noch mehr Wachsamkeit und noch mehr Präsenz zeigen." #Breitscheidplatz @wdr5 https://t.co/aoIEKSbo0A
— Staatskanzlei NRW (@landnrw) December 20, 2016
Festgenommener ist 23-jähriger Pakistaner
Das Medium „Zeit Online“ hat aus Sicherheitskreisen erfahren, dass es sich bei dem in der vergangenen Nacht festgenommenen Verdächtigen um einen 23-jährigenVon der Polizei bestätigt wurde das allerdings noch nicht. Laut der Nachrichtenagentur Reuters lebte der Mann zuletzt in der Flüchtlingsunterkunft im stillgelegten Flughafen Tempelhof.
Großeinsatz im ehemaligen Flughafen Tempelhof
Die Berliner Polizei hat einen Einsatz am ehemaligen Flughafen Tempelhof gestartet. Sie stürmte dort gegen 3 Uhr nachts die größte Flüchtlingsunterkunft Berlins und befragte schließlich vier junge Männer Ende 20.
Viele der bis zu 250 Einsatzkräfte wurden bald wieder abgezogen, da die Situation ruhig bleib. Festnahmen gab es nicht laut Sascha Langenbach, Sprecher des Landesamtes für Flüchtlingsangelegenheiten Berlin.
Die Innenminister der Länder wollen heute über sicherheitspolitische Konsequenzen beraten. Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger kündigte bereits an, die Wachsamkeit und Präsenz der Sicherheitskräfte zu erhöhen. Die Polizei werde in Doppelstreifen und schwerer bewaffnet kontrollieren, außerdem werde es verdeckte Maßnahmen geben, um vor allem die islamistische Szene zu beobachten, sagt er dem Sender WDR 5.
Botschaft vieler Muslime in Deutschland
In Deutschland lebende Muslime wie dieser Mann mit pakistanischen Wurzeln verurteilen auf Twitter den Terror.
Mein Name ist Malik Riaz, ich habe pakistanische Wurzeln und bin Muslim. Ich hasse Terror, 1,5 Mrd. Muslime auch. #Berlin #Breitscheidplatz
— Malik Riaz Hai Naveed (@MalikRiaz) December 19, 2016
Grüne werfen AfD nach Berliner Anschlag Hetze vor
Grünen-Chef Cem Özdemir wirft der AfD vor, den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt für das Schüren ausländerfeindlicher Ressentiments zu nutzen.
„Die, die diese Anschläge machen, dass sind die Hassprediger“, erklärte er am Dienstag im ZDF. „Davon brauchen wir nicht noch mehr“, sagte er mit Blick auf einen Tweet des AfD-Landeschefs in NRW, Marcus Pretzell. Der hatte darin Bundeskanzlerin Angela Merkel die Schuld an dem Attentat gegeben: „Wann schlägt der deutsche Rechtsstaat zurück? Wann hört diese verfluchte Heuchelei endlich auf? Es sind Merkels Tote!“
.@cem_oezdemir ruft zu Zusammenhalt u. Anstand auf: "Hassprediger haben wir schon genug" als Reaktion auf Tweet von @MarcusPretzell #ZDFmoma pic.twitter.com/z5aarjtzuN
— ZDF Morgenmagazin (@morgenmagazin) December 20, 2016
„Die entlarven sich selber“, sagte Özdemir mit Blick auf die AfD, die die Sicherheit in Deutschland durch die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung gefährdet sieht. Bei so einen Anschlag rücke man zusammen, das gebiete der Anstand. Der aber sei offenbar nicht überall verbreitet.
Mutmaßlicher Täter über Balkanroute eingereist
Der mutmaßiche Attentäter vom Breitscheidplatz soll laut der Nachrichtenagentur dpa über die Balkanroute eingereist sein und in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft gelebt haben. Afghanistan, Pakistan, Polen – über die Herkunft gibt es widersprüchliche, zum Teil bereits widerlegte, Angaben.
Fahrzeug eines polnischen Spediteurs vermutlich entwendet
Nach Aussage des polnischen Spediteurs Ariel Zurawski, dem der Lastwagen gehört, gab es seit 16.00 Uhr keinen Kontakt mehr zu dem Fahrer, seinem Cousin. Seither sei dieser nicht ans Telefon gegangen, sagte er dem Sender TVN 24. Der Lkw habe am Dienstag in Berlin entladen werden sollen. Er gehe davon aus, dass das Fahrzeug entwendet worden sei. Der Polizei zufolge befanden auf der Ladefläche Stahlträger. Es bestehe der Verdacht, dass der Lkw in Polen von einer Baustelle gestohlen worden sei.
Gabriel warnt vor voreiligen Spekulationen
Sigmar Gabriel hat auf Twitter vor voreiligen Schlüssen gewarnt.
Das ist eine unfassbar traurige Nacht. Ich bin zutiefst erschüttert. Es ist jetzt nicht die Zeit für Spekulationen. #breitscheidplatz
— Sigmar Gabriel (@sigmargabriel) December 19, 2016
Die Berliner Polizei empfiehlt Facebook Safety Check
Facebook hat #SafetyCheck geschaltet. Nutzen Sie ihn, um zu erfahren, ob Ihre Lieben sicher sind.#Breitscheidplatzhttps://t.co/cbeIICZksQ
— Polizei Berlin Einsatz (@PolizeiBerlin_E) December 19, 2016
Angela Merkel mit Berlins Bürgermeister in Verbindung
Bundeskanzlerin Angela Merkel steht nach Angaben ihres Sprechers Steffen Seibert mit de Maiziere und Bürgermeister Müller in Verbindung. „Wir trauern um die Toten und hoffen, dass den vielen Verletzten geholfen werden kann“, twitterte Seibert.
#Breitscheidplatz – Wir trauern um die Toten und hoffen, dass den vielen Verletzten geholfen werden kann. (2)
— Steffen Seibert (@RegSprecherStS) December 19, 2016
Auch Bundespräsident Joachim Gauck zeigte sich erschüttert: „Das ist ein schlimmer Abend für Berlin und unser Land, der mich wie zahllose Menschen sehr bestürzt.
Der Berliner Polizeisprecher Thomas Neuendorf sieht derzeit keine Gefahr mehr.
— Euractiv Deutschland (@Euractiv_DE) December 19, 2016
Lkw vielleicht in Polen gestohlen
Möglicherweise ist der Lkw, der in den Weihnachtsmarkt gefahren ist, auch in Polen auf einer Baustelle gestohlen worden. Diesem Verdacht wird ebenfalls nachgegangen, meldet die Berliner Polizei. Insgesamt, so die Polizei „leiten und unterstützen“ sieben Berliner Staatsanwälte die Ermittlungen. Der Generalbundesanwalt hat ein paralleles Verfahren eröffnet.
Aktuell bleibt der #Breitscheidplatz weiträumig für die Tatortarbeit unserer Ermittler/innen gesperrt.
— Polizei Berlin Einsatz (@PolizeiBerlin_E) December 19, 2016
Die @Berliner_Fw hat ihren Rettungseinsatz am #Breitscheidplatz beendet.
45 z.T. schwer Verletzte wurden in Berliner Krankenhäuser gebracht.— Polizei Berlin Einsatz (@PolizeiBerlin_E) December 19, 2016
Über die Nationalität der Fahrer existieren widersprüchliche Angaben. Im Umlauf: Tschetschene, Pakistaner, Afghane, Pole. Letzteres ist eine Fehlinfo, ansonsten weiß man noch nichts Genaues.