Nach Vorfällen in Tschechien: Ermittlungen zu Explosionen in bulgarischen Munitionslagern

Die bulgarische Staatsanwaltschaft gab heute bekannt, dass sie Sabotage durch russische Geheimdienste als wahrscheinlichen Grund für vier Explosionen in bulgarischen Militärdepots vermutet. Die Vorfälle ähneln denen in der Tschechischen Republik.

EURACTIV.bg
Iganovo blast
TV-Bild einer der Explosionen in Iganowo. [EURACTIV BULGARIEN]

Die bulgarische Staatsanwaltschaft gab heute bekannt, dass sie Sabotage durch russische Geheimdienste als wahrscheinlichen Grund für vier Explosionen in bulgarischen Militärdepots vermutet. Die Vorfälle ähneln denen in der Tschechischen Republik 2014, die kürzlich zu einem heftigen diplomatischen Skandal mit Russland geführt haben.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft befanden sich in den drei Depots Produkte der bulgarischen Waffenfirma EMCO, die für den Export in die Ukraine und nach Georgien bestimmt waren.

EMCO ist die Firma des Geschäftsmannes Emilian Gebrew, dessen Waren angeblich auch bei der Explosion in Tschechien 2014 betroffen waren und der 2015 persönlich Ziel eines Vergiftungsversuchs mit dem Nervengift Nowitschok war.

Die bulgarische Staatsanwaltschaft teilte weiter mit, dass aktuell sechs russische Spione verdächtigt werden, von denen einige auch mit dem versuchten Giftanschlag auf Gebrew in Verbindung gebracht werden. Damals war es den bulgarischen Behörden nicht gelungen, den Fall aufzuklären.

Vier Explosionen

Die vier Explosionen ereigneten sich zwischen 2011 und 2020. Die Behörden hatten sie bisher als Zwischenfälle behandelt, die auf Fahrlässigkeit oder möglicherweise Sabotage durch einen lokalen Konkurrenten zurückzuführen seien.

Inzwischen scheint die Staatsanwaltschaft diesbezüglich ihre Ansicht geändert zu haben und meint, eine gewisse gemeinsame „Handschrift“ bei den Explosionen entdeckt zu haben: So sei jedem Vorfall ein Waldbrand in der Nähe der jeweiligen Depots vorausgegangen. Laut den Ermittlungen könnten die Brände bewusst gelegt worden sein, um die Angestellten aus den Depots evakuieren zu lassen und dann die Explosionen aus der Ferne auszulösen.

Der Staatsanwaltschaft zufolge wird der russische Geheimdienst verdächtigt, 2015 ein Depot des staatlichen Militärbetriebs VMZ „Sopot“ ebenso wie dessen Produktionsstätte im Dorf Iganowo bei Karlowo entsprechend sabotiert zu haben.

Die dritte Explosion fand 2011 in einem Depot im Dorf Dolni Dol statt; die vierte im Jahr 2020 in einem Depot für Kapselzünder der Waffenproduktionsanlage „Arsenal“ in der Stadt Maglisch.

Bisher hatte die bulgarische Regierung ihrerseits keinen Hinweis darauf gegeben, ob beziehungsweise wie ernst sie die Explosionen oder den Vergiftungsversuch gegen Gebrew nehme.

Der scheidende Ministerpräsident Bojko Borissow hat auf mehreren EU-Gipfeln zwar den angeblichen russischen Versuch, den Kreml-Kritiker Alexej Nawalny mit Nowitschok zu vergiften, kritisiert und verurteilt. Den Anschlag auf seinen Landsmann Gebrew hingegen hat er bisher nicht thematisiert.

Wichtiger Hersteller

Das Unternehmen EMCO soll angeblich eines von nur zwei EU-Unternehmen sein, das sich auf die Herstellung von hochmoderner Munition spezialisiert hat, die jedoch auch mit Waffen aus der Sowjet-Ära kompatibel ist.

Laut einem Insider ist der andere Hersteller seit 2014 „unter effektiver russischer Kontrolle“, so dass EMCO als einzig möglicher ausländischer Anbieter von Munition für die ukrainische Armee übrig bleiben dürfte.

Die heutigen Erkenntnisse der bulgarischen Staatsanwaltschaft und die Einleitung von Ermittlungen kommen zu einem Zeitpunkt, in der sich Bulgarien selbst in der politischen Schwebe befindet: Borissows Regierung ist nach den Parlamentswahlen vom 4. April zurückgetreten, aber die Bildung eines neuen Kabinetts scheint aktuell unwahrscheinlich. Es könnte zu Neuwahlen im Juli kommen.

Die Hintergründe zur Explosion in Tschechien haben derweil eine noch nie dagewesene Anzahl von Ausweisungen von Diplomaten ausgelöst. Bulgarien hat sich in dieser Angelegenheit bisher weitgehend zurückgehalten.

[Hinweis: Dies ist eine gekürzte Übersetzung. Den Originalartikel in voller Länge (auf Englisch) finden Sie hier. Bearbeitet von Zoran Radosavljevic und Tim Steins]