CRIS: "Mehr Biss" für den Stabilitätspakt

Kurz nachdem EU-Kommissar Olli Rehn seine Pläne zur Reform des Stabilitäts- und Wachstumspaktes vorgelegt hat, verabschieden die Abgeordneten des EU-Parlaments eigene Vorschläge. Sie fordern, eine Finanztransaktionssteuer einzuführen, um "exzessive Kurzfristigkeit auf den Märkten einzudämmen".

Eine Finanztransaktionssteuer ist „nicht nur machbar, sondern sogar äußerst sinnvoll“, sagen EU-Parlamentarier. Foto: dpa
Eine Finanztransaktionssteuer ist "nicht nur machbar, sondern sogar äußerst sinnvoll", sagen EU-Parlamentarier. Foto: dpa

Kurz nachdem EU-Kommissar Olli Rehn seine Pläne zur Reform des Stabilitäts- und Wachstumspaktes vorgelegt hat, verabschieden die Abgeordneten des EU-Parlaments eigene Vorschläge. Sie fordern, eine Finanztransaktionssteuer einzuführen, um „exzessive Kurzfristigkeit auf den Märkten einzudämmen“.

Der Sonderausschuss Wirtschaftskrise (CRIS) des EU-Parlaments hat am Mittwoch (29. September) Vorschläge zur Stabilisierung des Euro gemacht. Mit ihren Forderungen gehen die Abgeordneten über die Vorschläge hinaus, die Wirtschaftskommissar Olli Rehn zur Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts (SWP) vorgestellt hat (EURACTIV.de vom 29. September 2010).

Der Ausschussvorsitzende Wolf Klinz (FDP) zog aus der Krise die Lehre, dass die EU eine "koordinierte Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik" benötige. Man stehe "am Scheideweg: Nicht zu handeln, bewahrt nicht den Status Quo, sondern wäre ein Rückschritt".

Transaktionssteuer gefordert

Der Zwischenbericht empfiehlt unter anderem, eine Finanzmarkttransaktionssteuer einzuführen, um "exzessive Kurzfristigkeit auf den Märkten einzudämmen". In dem Zwischenbericht fordert der Sonderausschuss die EU-Kommission auf, "zügig eine Machbarkeitsstudie vorzulegen, auf die dann konkrete Gesetzgebungsschritte folgen sollten".

Die Fraktion der Grünen im EU-Parlament hatte Mitte der Woche eine Studie vorgelegt, die erstmals die technische Machbarkeit einer europäischen Finanztransaktionssteuer aufzeigt. Sven Giegold, Sprecher der Grünen im Ausschuss für Wirtschaft und Finanzen, sagte, eine derartige Steuer sei "nicht nur machbar, sondern sogar äußerst sinnvoll."

Er forderte die nationalen Regierungen auf, eine Transaktionssteuer einzuführen. "Abgesehen von mangelndem politischen Willen" gebe es keinen Grund, die Einführung weiterhin zu verzögern. Die Finanzminister treffen sich am Donnerstag in Brüssel. Dort werden sie unter anderem auch über eine Transaktionssteuer beraten.

Verschärfter Europäischer Sanktionsmechanismus?

Außerdem soll der SWP laut Klinz "mehr Biss" bekommen: "Sanktionen müssen schneller und effektiver greifen." Dazu fordern die Abgeordneten im Zwischenbericht einen "verschärften Europäischen Sanktionsmechanismus".

Der Zwischenbericht fordert zudem eine öffentliche EU-Ratingagentur. "Mehr Wettbewerb im Markt könnte die Qualität der Ratings verbessern", heißt es. Der stellvertretende wirtschaftspolitische Sprecher der EVP-Fraktion, Burkhard Balz (CDU) und die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier sehen einen "ganz klaren Interessenkonflikt, wenn Ratingagenturen gleichzeitig beraten und die Bonität prüfen", dem sie mit einer unabhängigen Agentur entgegenwirken wollen.

Der Sonderausschuss untersucht die Ursachen und Folgen der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise und gibt Handlungsempfehlungen. Der Abschlussbericht des Sonderausschusses Wirtschaftskrise soll bis zum Jahresende vorliegen.


hme

Links


Informationen/ Dokumente

Sonderausschuss Finanz-, Wirtschafts- und Sozialkrise: Homepage

Fraktion der Grünen im EU-Parlament: Machbarkeitsstudie Transaktionssteuer (28. September 2010)

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