Dänemarks Ministerpräsidentin Frederiksen spricht erstmals nach Angriff

Dänemarks Ministerpräsidentin hat nach dem Angriff auf sie in Kopenhagen erklärt, dass die Grenzen in der Gesellschaft sich schnell verändern, angetrieben durch soziale Medien. Zudem bezeichnete sie das enttäuschende Ergebnis ihrer Koalition bei den Europawahlen als einen "Weckruf".

Euractiv.com
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"Ich habe keinen Zweifel daran, dass der Schlag gegen die Ministerpräsidentin gerichtet war. In diesem Sinne ist es auch eine Art Angriff gegen uns alle", erklärte Frederiksen (Bild) am Dienstag (11. Juni). [EPA-EFE/LISELOTTE SABROE]

Dänemarks Ministerpräsidentin hat nach dem Angriff auf sie in Kopenhagen erklärt, dass die Grenzen in der Gesellschaft sich schnell verändern, angetrieben durch soziale Medien. Zudem bezeichnete sie das enttäuschende Ergebnis ihrer Koalition bei den Europawahlen als einen „Weckruf“.

Die sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erklärte in einem Interview mit Danmarks Radio – dem ersten seit dem Angriff am Freitag (7. Juni) – dass sie noch nicht „ganz sie selbst“ sei.

Frederiksen wurde auf einem Platz in Kopenhagen von einem Mann angegriffen und mit einer leichten Halsverletzung ins Krankenhaus gebracht.

Der Angreifer, der unter Drogen- und Alkoholeinfluss gestanden haben soll, wurde noch am Tatort festgenommen und befindet sich in Untersuchungshaft. Im Verhör soll er Reue gezeigt und Frederiksen als gute Ministerpräsidentin bezeichnet haben.

„Ich habe keinen Zweifel daran, dass der Schlag gegen die Ministerpräsidentin gerichtet war. In diesem Sinne ist es auch eine Art Angriff gegen uns alle“, erklärte Frederiksen am Dienstag (11. Juni) gegenüber dem Radiosender.

„In meinem Herzen bin ich Mette, aber ich bin die Ministerpräsidentin des Landes. Und eine solche Institution darf nicht angegriffen werden, wie die Polizei“, fügte sie hinzu.

Frederiksen zufolge bedeute dies, dass es nun Orte gebe, an denen dänische Politiker nicht mehr hingehen könnten.

„Ich bin so traurig, weil wir immer so glücklich und stolz auf ein Land waren, in dem die Ministerpräsidentin mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt und wir uns unten im Supermarkt treffen“, sagte sie.

Ihrer Meinung nach verschieben sich die Grenzen in der Gesellschaft sehr schnell. Sie verwies auf Kommentare in den sozialen Medien, in denen sich die Menschen über den Angriff auf sie zu freuen schienen.

„Es ist ein Erdrutsch im Gange. Und ich denke, man kann kaum etwas anderes behaupten, als dass die sozialen Medien unserer Demokratie nicht dienlich sind, sondern im Gegenteil mehr Hass und Polarisierung schüren“, schloss sie.

Ein Weckruf

Die drei dänischen Regierungsparteien, die Sozialdemokraten (S&D), Venstre (Renew) und die Moderaten (Renew), erreichten bei den Europawahlen zusammen 36,2 Prozent. Damit liegen sie weit unter den 50,9 Prozent, die sie bei den nationalen Wahlen 2022 erhielten.

Frederiksens eigene Sozialdemokraten kamen mit nur 15,6 Prozent auf den zweiten Platz, ihr schlechtestes Wahlergebnis seit mehr als 125 Jahren.

„Ich bin wirklich verärgert über dieses Ergebnis. Es ist ein Weckruf. Ich höre zu. Sowohl aus sozialdemokratischer Sicht war es definitiv nicht gut genug. Aber auch in Bezug auf die Regierung“, sagte sie in dem Interview.

Außenminister Lars Løkke Rasmussen (Venstre/Renew) sagte in seiner Rede am Wahlabend, die Europawahlen seien ein Fingerzeig an die Regierung. Diese müsse überdenken, wie ihr Projekt „wiederbelebt“ werden könne.

Frederiksen spielte dies jedoch herunter, räumte aber ein, dass Veränderungen notwendig seien.

„Ich glaube nicht, dass man es als etwas anderes als eine Warnung sehen kann“, sagte sie. Es sei definitiv ein Weckruf und eine Botschaft der Dänen, dass mit dieser Regierung etwas nicht stimme.

„Auch in einigen Politikbereichen, in denen große Teile der Bevölkerung der Meinung sind, dass wir nicht da sind, wo wir sein sollten. Darüber werden wir nachdenken müssen“, erklärte sie abschließend.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]